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Blaser Swisslube: Es läuft wie geschmiert

Mit seinen Schmierstoffen bietet das Emmentaler Unternehmen selbst Marktgiganten wie Shell Paroli. Blaser, einst Produzent von Schuhcrème, schmiert heute weltweit den Hightech-Sektor.

Von Flavian Cajacob
am 27.08.2003

Die Idee kam Willy Blaser aus Hasle-Rüegsau im Jahre 1936. Wieso versuche ich mein Glück nicht mit anderer Leute nassen Füssen, dachte sich der damals 20-jährige Emmentaler und erfand eine wasserabweisende Schuhwichse. Um den Vertrieb seines Produktes sicherzustellen, klapperte er mit dem Velo die umliegenden Bauernhöfe ab und überzeugte das Landvolk davon, dass mit trockenem Schuhwerk der harte Arbeitsalltag weit einfacher zu meistern sei als mit feldfeuchtem. Blasers Schuhcrème wurde zum Erfolg. Und markierte gleichzeitig den Auftakt zu einer bemerkenswerten Firmengeschichte made in Switzerland.

Von Ferrari bis Nasa

Heute ist Blaser Swisslube, das in zweiter Generation von Peter Blaser geführt wird, weit über das Emmental hinaus tätig. Vom repräsentativen Hauptsitz in Hasle-Rüegsau aus gehen die Kühl- und Schmiermittel in alle Welt ­ der Exportanteil beläuft sich mittlerweile auf über 80%. «Unsere Kunden haben gemein, dass sie allesamt modernste Fertigungstechniken anwenden», bringt Peter Blaser seine Abnehmer auf einen Nenner.

Kühlschmierstoff gelangt überall dort zur Anwendung, wo geschnitten, gebohrt und gefräst wird. Zum Beispiel bei Ferrari, Boeing, Victorinox, bei Bosch, Neat und Nasa, bei Jaeger-LeCoultre oder bei Bauer Rüdisüli auf dessen Hof in Hintertupfikon. Denn nebst dem Hightech-Sektor versorgt Blaser auch Gewerbebetriebe und die Landwirtschaft mit Schmierstoffen und Reinigungsmitteln. Insgesamt, so schätzt der Firmenchef, führt das Emmentaler Unternehmen rund dreihundert verschiedene Produkte in seinem Sortiment. Wobei das Bestreben seit jeher sei, ein einzelnes Produkt immer auch einer möglichst breiten Anwendung zuführen zu können. Kleines Beispiel am Rande: Mit dem Woll- und Feinwaschmittel «Servita» lässt sich nicht nur vortrefflich schmutzige Wäsche waschen, sondern auch Geschirr reinigen, das Badzimmer putzen und der Boden säubern. All-in-One, wie es heute so schön auf Neudeutsch heisst.

Der Kundschaft hinterher

400 Mitarbeiter beschäftigt Blaser Swisslub weltweit (zu 8 Tochterfirmen kommen 30 Landesvertretungen hinzu), 240 davon in der Schweiz. Der Kühl- und Schmiermittelproduzent mit einem Jahresumsatz von rund 120 Mio Fr. verfügt in Hasle-Rüegsau über ein hochmodernes Forschungslabor. Neue Vorschriften, neue Auflagen, neue Werkstoffe ­ an Herausforderungen fehle es auf jeden Fall kaum, bemerkt Peter Blaser mit Blick auf die momentane Situation, in der sich die Branche befindet.

Ein besonderes Augenmerk der Forschungs- und Entwicklungsabteilung gilt der Umweltverträglichkeit der Emulsionen und Flüssigkeiten. Es sei dies mitunter ein Punkt, der das Emmentaler Unternehmen von vielen der Marktgiganten unterscheide, betont Regina Blaser, die für die Unternehmenskommunikation verantwortlich zeichnet. Die Gattin des Patrons lobt diesbezüglich die Weitsicht des Firmengründers, der von der heutigen Warte aus besehen mit Fug und Recht als Visionär bezeichnet werden könne: «Willy Blaser erfand in jungen Jahren einen biologischen Reiniger, und das 1948, als Umweltschutz noch überhaupt kein Thema gewesen ist.»

So visionär und fortschrittlich sich das bald siebzigjährige Unternehmen gibt, ein Umstand hat sich im Vergleich zu früher kaum geändert: Der Anbieter muss seinen Kunden hinterherreisen. Wie weiland Willy Blaser mit dem Velo sorgt heute ein Netz an Aussendienstmitarbeitern für die Belieferung und Beratung der Kundschaft. Kommt hinzu, dass aufgrund von Fusionen und Verlagerungen ganze Konzerne regional, international, gar kontinental verschoben werden. «Für uns bedeutet dies, dass wir mit unseren Vertretungen ebenfalls vor Ort anwesend sein müssen», kommt Peter Blaser auf die zur Zeit wohl grösste Herausforderung zu sprechen, welcher sich der drittgrösste Arbeitgeber der Region zu stellen hat. Im Zuge dessen ist denn auch geplant, demnächst in China eine Niederlassung zu installieren.

Ab in die Luft

Peter Blaser, der sich als Unternehmer traditioneller Prägung sieht («Ich bin ein Patron, kein Patriarch»), geht gerne mal in die Luft. Das ist für einen Chef keine Seltenheit, der 57-jährige Emmentaler allerdings tut dies mit Stil: Seit 15 Jahren verfügt die Firma auf seine Initiative hin über eine eigene Ballonsportgruppe, der Chef selber hat bereits zweimal den Schweizermeistertitel eingefahren, hinzu kommt als besonderes Highlight ein zweiter Platz an den Europameisterschaften.

Hervorgegangen ist die Leidenschaft für die Dritte Dimension der Tatsache, dass Schmiermittel nicht unbedingt Lifestyle- und Publikumsprodukte sind. Um den Namen Blaser Swisslube dennoch einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, suchte Peter Blaser nach einem aufsehenerregenden Werbeauftritt. Bereits wie sein Vater vor vielen Jahren, bewies auch der diplomierte Maschineningenieur und passionierte Kunstsammler diesbezüglich ein schönes Mass an Weitsicht: Denn mit dem Ballonfahren lässt sich das Praktische vortrefflich mit dem Nützlichen verbinden. Und so schwebt Blaser gerne mal frühmorgens der Emme entlang, um hinunterzuschauen auf die Tanks seiner Firma, deren Geschicke - Weitsicht verpflichtet ­ in ein paar Jahren von seinem Sohn übernommen werden sollen.

KMU-PROFIL

Gründung: 1936 durch Willy Blaser

Umsatz 2002: 120 Mio Fr.

Beschäftigte: 400 (davon 220 in Hasle-Rüegsau)

Produkte: Schmiermittel für Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft

Firma: Blaser Swisslube AG, 3415 Hasle-Rüegsau

Internet: www.blaser.com

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