Der zum deutschen Konzern Bosch gehörenden Scintilla AG in Zuchwil SO droht ein Kahlschlag: 330 von rund 625 Stellen sollen abgebaut werden. Bosch will nach eigenen Angaben die Produktion von Elektrowerkzeugen zur Holz- und Oberflächenbearbeitung bis Mitte 2016 stufenweise einstellen.

Die Produktion soll nach Ungarn verlagert werden. Ziel sei, durch die Bündelung von Fertigungskapazitäten die Wettbewerbsfähigkeit dieser Produkte wiederherzustellen, teilte Bosch mit. Eine wirtschaftliche Fertigung der Werkzeuge zur Holz- und Oberflächenbearbeitung sei in Solothurn «nicht mehr möglich», wird Henning von Boxberg, Vorsitzender des Bereichsvorstands des Bosch-Geschäftsbereichs Power Tools, in der Medienmitteilung zitiert.

24 Standort in der Schweiz

Die Elektrowerkzeuge für das Holzsegment stehen gemäss Bosch unter einem hohen Wettbewerbsdruck, der in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Die Werkzeuge aus Solothurn verzeichneten deutliche Verluste. Sie konkurrierten zunehmend mit preisgünstigeren Erzeugnissen der Mitbewerber. Zudem wirke sich der Wechselkurs des Schweizer Frankens stark negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der in Solothurn gefertigten Werkzeuge aus.

Der deutsche Autozulieferer und Technikkonzern Bosch beschäftigt in der Schweiz laut Angaben von der Internetseite an 24 Standorten insgesamt 3241 Beschäftigte. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 1,413 Milliarden Franken. Zu den Schweizer Aktivitäten der Gruppe gehören neben der der Robert Bosch AG und Scintilla, Bosch Rexroth Schweiz, Buderus Heiztechnik, die Schweizer Gesellschaften von Bosch Packaging, TeleAlarm, sia Abrasives und eine 50-Prozent-Beteiligung an BSH Hausgeräte. Die Zahl der Mitarbeiter war 2009 im Zuge der Übernahme des Frauenfelder Schleifmittelherstellers sia Abrasives auf 3708 gestiegen.

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Gewerkschaften empört

Die Gewerkschaft Unia hat den geplanten Abbau derweil als «unhaltbar» kritisiert. Sie forderte die Unternehmensleitung auf, den Entscheid zurückzunehmen. Es solle zusammen mit dem Kanton Solothurn und den Gewerkschaften eine Lösung gesucht werden.

Der Abbau von 330 Arbeitsplätzen und die Schliessung einer traditionsreichen Fabrik aufgrund kurzfristiger Profitüberlegungen seien «ein Schlag ins Gesicht der qualifizierten, leistungsfähigen» Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Zuchwil, hält die Gewerkschaft Unia in einer Medienmitteilung fest.

Insbesondere müsse die bis zum 20. Dezember angesetzte Frist für die Konsultation der Belegschaft um einen Monat verlängert werden. Nur so könnten die eingehenden Vorschläge zur Rettung der Arbeitsplätze seriös geprüft und alternative Lösungen ernsthaft weiterverfolgt werden.

Auch Angestellte Schweiz kritisierte den Entscheid von Bosch und sprach in einem Communiqué vom «schlimmstmögliche Szenario». Wieder einmal baue mit Bosch ein gut laufender Konzern Stellen in der Schweiz ab. Es erstaune, dass die Massnahme unter anderem mit dem starken Schweizer Franken begründet werde. Dieses Argument steche schon eine ganze Weile nicht mehr, da sich dank wesentlich stärkerer Teuerung im Ausland als in der Schweiz die Margen wieder verbessert hätten.

Der angekündigte Stellenabbau ist gemäss Angestellte Schweiz ein weiterer Schock für den Kanton Solothurn, nachdem kürzlich Nexans in Breitenbach einen grossen Abbau bekannt gegeben hat. Nun sei die Solothurner Politik gefordert. 

(sda/muv/vst)