Wenn ein Tesla durch die Strassen düst, rollt eine grosse Portion Innerschweiz mit. Die Familienfirma Bossard mit Sitz in Zug liefert rund 700 der 3000 Teile, aus denen ein Elon-Musk-Auto besteht. Insider sprechen mittlerweile von «Bosla» statt vom «Schrauben-Bossard».

Aufbruch, Innovation und New Economy: Bossard durchlebt gerade eine grosse Transformation. Vor Jahren noch verlor das Unternehmen Geld in Nordamerika. Mittlerweile ist diese Region dank Tesla das Zugpferd des Schraubenkonzerns. Allerdings mussten die Innerschweizer kürzlich ausgerechnet in Nordamerika im Bereich der E-Mobilität einen Dämpfer hinnehmen. Ein grosses Geschäft mit dem Tesla-Konkurrenten Faraday Future zerschlug sich.

Starkes Duo

Der Euphorie bei Bossard tut das keinen Abbruch. Das hat vor allem mit David Dean zu tun. Seit zwölf Jahren sitzt der Bossard-Chef mit seinem Finanzchef Stephan Zehnder am Steuer der Firma. Das Duo ist das erste externe Führungsteam in der 186-jährigen Unternehmensgeschichte.

Als Dean und Zehnder ihre Arbeit aufnahmen, war der US-Landwirtschaftsmaschinen-Konzern John Deere der grösste Kunde der Innerschweizer. Er stand für die Hälfte des Umsatzes in Nordamerika. John Deere aber litt unter sinkenden Agrarpreisen und musste wiederholt die Produktion drosseln. Das sorgte für enorme Umsatzeinbussen bei Bossard.

Tesla löst John Deere ab

Zehnder und Dean setzten daraufhin auf die Automobilindustrie – den grössten Treiber im globalen Befestigungsmarkt. Sie lieferten Ware für BMW und arbeiteten schon mit Tesla zusammen, als das Unternehmen von Elon Musk noch belächelt wurde. Seinerzeit hatte Tesla erst 1500 Autos verkauft. Die Aktie kostete 17 Dollar.

Mittlerweile werden die Papiere mit einem Preis von etwa 300 Dollar gehandelt. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beläuft sich auf knapp 50 Milliarden Dollar. Damit ist der Autobauer gleichauf mit der Grossbank UBS und beinahe doppelt so wertvoll wie die Credit Suisse. Den Milliardenkonzern von Sergio Marchionne, Fiat Chrysler Automobiles, hat Elon Musk längst hinter sich gelassen.

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Viel Wachstum möglich

Bossard ist Hauptlieferant für die Verbindungstechnik. Schrauben, Muttern, Nieten: Diese Dinge bezieht Musk aus Zug. 32 Bossard-Angestellte kümmern sich exklusiv um den Grosskunden. Sie sind stationiert in einer Niederlassung, die gerade einmal 30 Minuten vom Tesla-Werk in Fremont entfernt ist. Bossard arbeitet überall mit, wo es Fragen zur Verbindungstechnik zu klären gibt. Die Zuger sind auch zentraler Partner in der Entwicklung neuer Modelle.

Unter dem Strich stecken in jedem Tesla etwa 640 Franken Bossard, schätzt Andrea Bellaggio vom Analysehaus Research Partners. «Darin eingeschlossen sind Engineering-Leistungen», so Bellaggio. 500 bis 600 Franken seien es in den Tesla-Modellen S und X, bestätigt Bossard-Finanzchef Zehnder.

Tesla ist der grösste und am schnellsten wachsende Kunde der Innerschweizer. Der Umsatz der Zuger wächst direkt mit der Fahrzeugproduktion von Tesla: 2016 stand Tesla geschätzt für rund 7 Prozent des Gruppenumsatzes, so Bellaggio. Das sind fast 50 Millionen Franken. Diese Summe soll sich im laufenden Jahr um rund 45 Prozent erhöhen und sich 2018 nochmals verdoppeln. Ende 2020 soll der Umsatz, den Bossard mit Tesla macht, dann bei rund 225 bis 250 Millionen Franken liegen, so der Experte.

Hoffnungsträger in Finanznot

Tesla ist ein Glücksgriff. Andere Engagements haben sich schlechter entwickelt. Das amerikanische Startup Faraday Future etwa. Bossard war auch hier von Beginn in der Entwicklung engagiert. Firmenchef David Dean versprach sich viel davon. Vor wenigen Monaten sagte er zur «FuW», dass Faraday Future ab 2018 «spürbar» zum Umsatz beitragen werde.

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Doch jüngst geriet der einst gehypte Tesla-Herausforderer in Finanznot. Das Vorhaben, eine Milliardenfabrik in Kalifornien hochzuziehen, ist auf Eis gelegt. Das Unternehmen soll tief verschuldet sein. Zulieferer haben die Firma wegen unbezahlter Rechnungen verklagt. Die Autoproduktion in den USA startet – wenn überhaupt – frühestens im Jahr 2018.

«Faraday Future wird die Herstellung der Fahrzeuge in den USA viel weniger grosszügig angehen als ursprünglich angedacht», bestätigt Zehnder. «Man spricht von 10'000 Fahrzeugen», sagt der Finanzchef. Wieweit sich diese Pläne realisieren lassen, kann Zehnder aber nicht sagen. Trotzdem will der Finanzchef das Unternehmen noch nicht ganz abschreiben. «Auch Elon Musk durchlief in der ganzen Tesla-Aufbauphase schwierige Zeiten, in denen es manchmal finanziell etwas eng wurde», sagt Zehnder. «Bis die nächste Finanzierungsrunde wieder unter Dach und Fach war.»

Zukäufe geplant

Zehnder bekräftigt die Ziele: Bossard will bis Ende 2020 die Milliardengrenze beim Umsatz knacken. «Zwei Drittel des Wachstums wollen wir organisch schaffen«, so der Finanzchef. Ein Drittel soll via Akquisitionen erfolgen. Im Fokus seien Firmen, die das Geschäft von Bossard ergänzten. Geografisch sei ein Zukauf in Europa oder in Nordamerika wahrscheinlich. In Asien dagegen, sagt Zehnder, gebe es wenige geeignete Kandidaten.

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