Am Donnerstag musste Mike Adams, Gründer der US-Nachrichtenseite «Natural News», feststellen, dass Google seine Seite nicht mehr kennt.

«Natural News» ist bei den besonders radikalen Anhängern der neuen rechten Szene in den USA extrem beliebt, da Adams deren Liebe zu Verschwörungstheorien teilt. Wer etwas über die angebliche Verschwörung der Medien gegen US-Präsident Donald Trump erfahren möchte, über die angebliche Schädlichkeit von Impfungen oder über die neueste Geheimdienst-Intrige – der findet bei «Natural News» die Bestätigung eines kruden Weltbildes.

Von Google ausgesperrt

Nur eben jetzt nicht mehr über Google. Denn «Natural News» ist über Nacht aus dem Index der Suchmaschine geflogen. Laut Adams sind über 140’000 Webartikel und Seiten nicht mehr auffindbar.

Darüber regt sich Adams nun so extrem wie möglich auf: «Internet Gestapo», «Totaler Krieg gegen die Menschheit», «Endlösung» – die Wortwahl seines Statements zeigt: Der Rausschmiss aus den Google-Listen tut weh. Denn Google trifft die Wasserträger der alternativen Rechten an ihrer empfindlichsten Stelle, nämlich dort, wo das Portemonnaie sitzt.

Die Werbeeinnahmen sinken

Denn wer bei Google nicht mehr dabei ist, kann nur noch von echten Fans gefunden werden, die entweder über soziale Medien oder die direkte Adresseingabe auf die Seiten kommen. Nur: Diese Hardcorefans allein reichen nicht, um die Zugriffszahlen der Seiten hoch zu halten. Entsprechend stark sinken die Werbeerlöse.

«Natural News» ist nicht die einzige Fake-News-Seite, die aktuell unter dem Liebesentzug der Internetbranche leiden muss. Der Ausschluss aus dem Suchindex ist Googles schwerste Waffe gegen ungeliebte Seiten. Google dürfte sie in diesem Falle angewendet haben, da «Natural News» und die Schwesterseite «Info Wars» einige Nutzer auf weitere Seiten der alternativen Rechten weitergeleitet haben. Und das verstösst gegen Googles Nutzungsbedingungen.

Widerstand des Silicon Valleys

Google, Microsoft, Apple und Facebook – das sind nur einige der Unternehmen, die sich gegen den von Trump verhängten Einreisestopp stellen. Das Silicon Valley ist auf hochqualifizierte Fachkräfte aus aller Welt angewiesen.

Die nächste Sanktion ist der Ausschluss aus Googles Werbenetzwerk: Seit Ende Januar hat Google über 200 Seiten der rechten «Fake News»-Szene von ihrer wichtigsten Geldquelle abgeschnitten. Die rechten Webseiten bekommen schlicht keine Werbeanzeigen mehr über Googles Netzwerk zugespielt – und das ist immerhin das grösste weltweit zur Vermittlung von Werbeplätzen im Internet. Damit dürfte für viele der Seitenbetreiber das Hauptmotiv zur Verbreitung der falschen Nachrichten wegfallen.

Steve Bannons Seite  wird blockiert

Nicht nur Google weigert sich aktuell, die rechte Szene durch Online-Werbung zu finanzieren. Ausgerechnet Breitbart.com, die von Trumps Chefberater Steve Bannon aufgebaute rechte Propaganda-Nachrichtenseite, wird seit einigen Wochen von mehreren grossen Werbenetzwerken blockiert.

Besonders hart getroffen wurde Breitbart durch den Teil-Ausschluss vom Werbenetzwerk Omnicom. Omnicom verwaltet unter anderen Online-Werbebudgets von Apple, McDonalds und diversen Autoherstellern.

Druck aus den Sozialen Medien

Anfang Februar wurde ein internes Memo öffentlich, wonach die meisten Omnicom-Kunden des Netzwerks mittlerweile Breitbart von ihren Anzeigenschaltungen ausschliessen. Die Konzerne werden über Social-Media-Kampagnen von liberalen Trump-Gegnern unter Druck gesetzt, die die Firmen direkt darauf hinweisen, in welchem Umfeld ihre Premium-Anzeigen auftauchen.

Der Ausfall von Werbeeinnahmen in Millionenhöhe könnte den geplanten Ausbau von Breitbart in Europa behindern – dementsprechend laut protestieren Breitbarts Chefredaktore gegen den Werbeboykott. Der erster grosser Konzern, der sich gegen Breitbart-Werbung entschied, war der Lebensmittelhersteller Kellog’s –ihm drohten die Breitbart-Leser bereits mit Boykott. Doch augenscheinlich ist die Angst der Werbekunden vor dem internationalen Reputationsverlust aktuell grösser als die Furcht vor Boykottmassnahmen der rechten Minderheit.

Auch Schweizer Fimen meiden Breitbart

Auch viele Schweizer Unternehmen wollen nicht mit Breitbart in Verbindung gebracht werden. Eine Reihe von bekannten Konzernen – darunter die Schweizerische Post oder Swisscom – haben vorgesorgt, damit auf der kontroversen Seite keine Werbung von ihnen erscheint.

Breitbart wird als Gefahr für das Image angesehen – dass zeigt die Reaktion jener Schweizer Firmen, deren Werbung ohne ihres Wissens auf Breitbart erschien. Nachdem sie von handelszeitung.ch darauf aufmerksam gemacht wurden, setzten sie die Nachrichtenseite auf ihre Schwarze Liste.

Dieser Text erschien zuerst bei unserem Schwesterblatt «Die Welt» unter dem Namen «Google packt die schärfsten Waffen gegen Breitbart & Co aus».

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