Am Anfang der Erfolgsgeschichte von Trauffer Holzspielwaren stehen grosse Lindenbäume. Sie wachsen seit Jahrzehnten in der Gemeinde Hofstetten bei Brienz oder der nahen Region und werden auch vor Ort zersägt. Ebenso verwurzelt ist am Anfang des Brienzersees die Tradition der Holzbearbeitung. «Der Grossvater war gelernter Holzschnitzer, wir stellen heute Holzspielwaren her», betont Marc A. Trauffer den Unterschied.

Herden von Holztieren herzustellen, erfordere neben Talent rationalisierte Handarbeit. Jedes Stück einzeln - aber in Serien von 500 bis 5000 gleichen Tieren. Nur das ermögliche marktfähige Preise. Bis Weihnachten, der Hauptverkaufszeit, stapeln sich dann grosse Kartons voller Kühe, Ziegen, Katzen unterschiedlicher Grösse, aber auch Fahnenschwinger und Alphornbläser im Lager. Für Tierparks und Zoos entstehen wilde Tiere.

Rund 250 Artikel auf Lager

Wobei, gleich stimmt nur auf den ersten Blick: Von Hand gesägt wird mal ein Bäuchlein dicker oder ein Kopf etwas schmaler. Lederohren und Schwanz aus Hanfschnur werden von Hand eingesetzt, ebenso das Glöcklein umgehängt und die farbigen Flecken aufgetragen. Kaum merklich erhält so jedes Tier seine kleine Identität. Das spricht Kinderseelen ebenso an wie Touristen aus aller Welt. So stehen die bunten Kühe und andere Tiere vom Bauernhof nicht nur in etwa 600 Fach- oder Souvenirgeschäften, sondern auch in den Regalen von Coop und anderer Detailhändler. «Man mag sie einfach», sagt Trauffer - und so sei ein Aussendienst bislang nicht nötig. Mitbewerber für eine der letzten privaten Herstellerinnnen von Holzspielwaren sind Heime und Institutionen sowie Anbieter für einfaches Spielzeug in Osteuropa.

Anzeige

Rund 250 Artikel und je zwei bis drei Dutzend Arbeitsschritte erfordern eine ausgeklügelte Produktion: Je nach Tier oder Figur unterschiedlich dicke Bretter trocknen im eigenen Holzlager. Ein Heimarbeiter druckt die Umrisse auf, andere sägen sie mit der Stichsäge aus. Das Loch für den Schwanz bohrt, nebst anderen Mitarbeitern, auch eine leicht geistig behinderte Frau. «Sie verdient aber genau so viel, wie für diese Arbeit sonst auch üblich ist», fügt Trauffer ohne viel Aufheben an. Wieder in der Firma folgen Kählen, In-Form-Schleifen und Einfärben. Das ist weiterhin der Bereich des Vaters Kurt Trauffer. «Hunderte Formen und Schneidwerkzeuge fürs Kählen bilden einen wesentlichen Teil unseres Kapitals», schätzt Sohn Marc diesen Erfahrungsschatz. Fürs Färben hat er dafür eine Maschine der Apparatetechnik weiterentwickelt: In der Trommel rotieren Kirschsteine, darüber strahlen Wärmelampen, eigentlich gedacht, um Jungtiere nach der Geburt zu wärmen - so werden sehr rationell Hunderte von Tieren gleichzeitig eingefärbt. Verzierungen oder das Malen von Details erfolgen wieder in Heimarbeit. Auch Ruth Trauffer, Mutter des Geschäftsführers, tupft im Soussol des Wohnhauses Farbe auf.

Im Sortiment steht neben heimeligen «gschäggeten» Kühen die Designerkuh in knalligem Rot mit Schweizer Kreuz statt Augen und Flecken - doch gleicher Grundform. Entsprechend wird aus der schwarz-weissen Walliser Ziege eine weisse aus Saanen, aus dem Bernhardiner ein Berner Sennenhund. Mit angespannten «Milchwägeli» sei er ein Liebling der Touristen, so Trauffer. Nur bei der Tochter fand hingegen die pinkfarbene Puppenstube in modernem Design Anklang, die Einkäufer an der Fachmesse Ornaris hingegen winkten ab. Viele vergangene Erfolge und Misserfolge hat der Grossvater in der Werkstatt gesammelt. Als Spielzeug im Wandel der Zeit ergänzten die Stücke das nahe Freilichtmuseum Ballenberg gut.

Mit Marc A. Trauffer steht seit 2006 die dritte Generation an der Spitze. Von den Qualitäten eines Familienbetriebes bleibt er überzeugt. Doch statt im Journal werden die Geschäftszahlen jetzt elektronisch verarbeitet, und kürzlich wurde der Strichcode EAN eingeführt. «Bei vielen Kunden waren wir der letzte der Lieferanten ohne EAN», sagt Trauffer. Und stellt klar: «Wir sind zwar Randregiönler, aber sicher nicht Hinterwäldler.» Zum vorsichtigen Vorgehen gehört, dass der einstige Moderator beim Jugendradio Virus, trotz der im Verkauf spürbaren grünen Welle, auch lieber auf einen grossen Exportauftrag verzichtet, als sich dafür Abhängigkeiten einzuhandeln.

Arbeiten für Sia Abrasives

Eher fremd wirkt das Industrieprodukt Cabron, das Trauffer für den Schleifmittelhersteller Sia Abrasives herstellt. Auf unterschiedlich geformte Holzstäbe werden von Hand feinste Schleifpapiere aufgeklebt. «Mit Cabrons werden Gehäuse, Zeiger und andere Oberflächen für Luxusuhren handpoliert. Da spüren wir eine innere Übereinstimmung», begründet Trauffer. Der Absatz schwanke allerdings je nach Konjunkturstimmung kräftig. Andere Diversifikationen sieht Trauffer nicht.