Der Geschäftsbereich Daimler Buses, der die Marken Mercedes-Benz, Setra und Orion umfasst, war im vergangenen Jahr mit insgesamt 40600 verkauften Einheiten klarer Weltmarktführer. Die in allen wichtigen Märkten vertretene Bus-Sparte des Daimler- Konzerns hat in den vergangenen Jahrzehnten den Bau moderner Busse wesentlich mitgestaltet. Nach 14 Jahren in Führungspositionen dieses Geschäftsbereichs - davon die letzten zwei Jahre als CEO - kann Harald Landmann auf eine Zeit zurückblicken, in welcher der weltweite Omnibusbau tief greifende Veränderungen erfahren hat.

«Die Omnibusindustrie hat sich weltweit enorm verändert, und ich konnte diesen Prozess teilweise mitgestalten», erklärt Harald Landmann über die Zeitspanne, in der er an der Gestaltung der EvoBus (gegründet 1995 aus den Omni-busaktivitäten von Mercedes-Benz und der ehemaligen Ulmer Busfirma Karl Kässbohrer) mitgewirkt hat. Mit berechtigtem Stolz unterstreicht er darüber hinaus: «Kein anderer Hersteller hat es geschafft, eine Zwei- oder Mehrmarken-Strategie so konsequent und erfolgreich umzusetzen wie wir.» Landmann war anfangs Chef der Marke Setra in Ulm, wurde danach Produktionsverantwortlicher der beiden Marken Mercedes-Benz und Setra und im Februar 2007 dann Gesamtverantwortlicher des welt-weit grössten Omnibusherstellers Daimler Buses. Als Omnibuschef des Werkes Mannheim hat er diesem Bereich am Traditionsstandort nach schweren und früher auch sehr verlustreichen Jahren wieder einen Stellenwert verschafft, der die Motivation der Mitarbeiter deutlich gesteigert hat.

Das Erfolgsgeheimnis sieht er heute darin, «dass wir die Stärken beider Marken und Unternehmenskulturen individuell übernommen, sie ausgebaut und verstärkt haben. Das hat schliesslich aus 1+1 mehr als 2 gemacht und beiden Marken einen ordentlichen Mehrwert verschafft» .

Breites Modellprogramm

Das Produktportfolio von Daimler Buses umfasst heute eine grosse Vielfalt mit insgesamt 68 Integralbustypen in Baukastenform. Es reicht vom 6,0 bis 7,7 m langen Mercedes-Benz Minibus über insgesamt 12 Stadtbus-Typen von 8 m bis zum CapaCity mit 19,5 m Länge. Diese Fahrzeuge gibt es teilweise in Links- und Rechtslenker-Ausführung, mit Diesel- oder Erdgasantrieben und demnächst auch mit BlueTec-Hybridantrieb für den Citaro. Bei den Überlandlinienbussen von Mercedes-Benz sind es 15 Typen, dazu kommen noch die sieben Modellreihen des Setra Überlandlinienbusses MultiClass 400. Bei den Reisebussen fahren die 14 Setra-Reisebus-Typen TopClass 400 und ComfortClass 400 als Premiumprodukte voran, und Mercedes-Benz verfügt über weitere 13 Reisebusreihen.

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In Übersee werden von der US-Marke Orion sechs Stadtbus-Typen aus den Werken Mississauga (Kanada) und Oriskany (Staat New York) mit Diesel, Erdgas- oder Hybridantrieb angeboten, wobei die Marke bei den Hybridfahrzeugen weltweit führend ist. Zu dieser Aufzählung der Integralbusse (Omnibusse in selbsttragender Bauweise) kommen noch die Fahrgestelle aus dem brasilianischen Werk São Bernardo do Campo in über 15 Varianten mit Heck- oder Frontmotor für Stadt-, Überland- und Reisebusse sowie die europäischen Fahrgestelle aus Samano (Spanien). Die Aufteilung auf etwa 30% Integralbusse und 70% Fahrge-stelle relativiert allerdings unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten in Bezug auf den Ergebnisbeitrag die Bedeutung der über 23000 abgesetzten Fahrgestelle eindeutig. Insgesamt konnte Daimler Buses im westeuropäischen Markt im Jahr 2008 5% Marktanteil hinzugewinnen; in einigen Regionen erreichte die Steigerung sogar rund 20%.

Daimler Buses mit seiner Full-Line als Technologieführer kann heute weltweit auf Markttrends reagieren und den Kunden Vertrauen in Qualität, bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit und hohen Sicherheitsstandards, anbieten. Ein weiterer wesentlicher Grundstein des Erfolgs von Daimler Buses ist nach Landmanns Worten aber der seit dem Jahr 2000 konsequent vorangetriebene Ausbau des Produktionsverbunds zwischen acht Werken in Europa (drei in Deutschland, zwei in der Türkei und je eines in Frankreich, Spanien und Tschechien). «Wir können heute alle Kundenwünsche bedienen - ein Beispiel dafür sind der Mercedes-Benz Stadtlinienbus Citaro oder der Travego Reisebus aus dem Ulmer Werk.» Selbstbewusste Worte, denen Landmann auch die Beweisgrundlage mitliefert: «Wir haben kontinuierlich unsere Prozesse geordnet und vereinheitlicht und alles getan, damit die Mitarbeiter die Vorgehensweisen verstanden haben. Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen einer solchen Strategie, denn der Omnibus ist im Fahrzeugbau das Produkt mit der grössten Vielfalt.»

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Überlegene Wirtschaftlichkeit

In diesem Zusammenhang stellte die Veränderung der Produkte selbst in den letzten Jahren eine weitere Hürde dar. «Der Omnibus hat eine deutlich nutzerbezogene Ausrichtung erfahren», sagt Harald Landmann. Nach seiner Darstellung gehört dazu die verstärkte Nachfrage nach Niederflurbussen. Dabei nimmt der Wettbewerb zwischen Bussen und den schienengebundenen Verkehrssystemen deutlich einschneidende Formen an. Aber auch darauf hat Daimler Buses bereits regiert: Der Mercedes-Benz Grossraum-Stadtbus CapaCity mit Erdgasmotor oder als Dieselantrieb mit BlueTec-Technologie ist ein wettbewerbsfähiges Fahrzeug, dessen Unterhalt und «Life cycle costs» gegenüber jedem Bahnsystem Vorteile hat. Im Segment Reisebusse ist der Markttrend eindeutig in Richtung Komfortsteigerung und höhere Sicherheitsstandards ausgerichtet. «Hier werden die nächsten Schritte Alternativen im Antriebssektor sein, aber das ist eine Herausforderung, die wir aus unse- rer weltweiten Führungsposition heraus meistern können», unterstreicht Landmann.

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Seine Empfehlung für die Zukunft ist einfach und direkt. «Wir brauchen Wachstum», unterstreicht er. «Bei uns sind in den letzten Jahren nicht von ungefähr die Produktionszahlen stärker gestiegen als die Mitarbeiterzahlen. Darin liegt für mich auch ein wesentlicher Grund des wirtschaftlichen Erfolgs und der Sicherheit der Arbeitsplätze», ergänzt Landmann. Weitere Entwicklungschancen für das Omnibusgeschäft von Daimler Buses sieht er in der Eastern Hemisphere, weil dort mit China, Indien und Russland die Märkte der Zukunft liegen.

«Dort müssen wir erfolgreich sein, wenn wir unsere Weltmarktführerschaft ausbauen wollen», skizziert er die Zukunft. Daimler Buses hat denn auch mit dieser Zukunft bereits begonnen. In Russland besteht eine strategische Partnerschaft mit Kamaz, in Indien werden im Rahmen eines Kooperationsabkommens mit Sutlej Motors Mercedes-Benz Omnibusse mit den vorgeschriebenen nationalen Anteilen für den indischen Markt gefertigt.

In China besteht seit über 15 Jahren eine Lizenzfertigung von Setra-Bussen. Die andere grosse Aufgabe des führenden Bus-Herstellers ist in der Strategie von Daimler Buses bereits klar formuliert: Nicht nur Weltmarktführer im Volumen bleiben, sondern vor allem auch alternative Antriebslösungen vorantreiben. 2008 war das bisher erfolgreichste in der Geschichte des Geschäftsbereichs Daimler Buses und damit auch der EvoBus. Die Weichen für die Zukunft sind also gestellt.