Der kürzlich zurückgetretene Renault-Chef Carlos Ghosn wollte offenbar in die Schweiz ziehen. So plante er, seinen Steuersitz von Amsterdam nach Genf zu verlegen, wie das das französische Nachrichtenmagazin «L’Express» berichtet.

Eines Insiders zufolge wollte er die Niederlande verlassen, weil er dort nicht länger von einer Steuerregelung profitieren kann. Diese sieht vor, dass bei qualifizierten Arbeitnehmern unter bestimmten Bedingungen 30 Prozent des Einkommens von der Besteuerung befreit sind.

Ein Fonds, den Ghosn im vergangenen Jahr in Genf eingerichtet hat, könnte dazu gedacht gewesen sein, ihm einen Vorwand für seinen Wohnsitzwechsel zu geben. Der Fonds hätte ein Budget von 34 Millionen Franken gehabt, schreibt das Magazin weiter. Die bei den Schweizer Behörden eingereichten Unterlagen führten Ghosn als Hauptrepräsentanten an. Zweck des Fonds sei es, Vielfalt und multikulturelles Management in Unternehmen zu fördern.

Gerichtstermin noch offen

Ghosn hatte zuvor in Frankreich gewohnt, soll aber 2012 seinen Steuerdomizil in die Niederlande verlegt haben, um eine Vermögenssteuer zu vermeiden. Die Allianz zwischen Renault und Nissan, die Ghosn leitet, hat ihren Sitz in Amsterdam.

Der 64-jährige Manager sitzt noch immer in Untersuchungshaft in Japan. Er war am 19. November in Tokio wegen Verstosses gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden – zusammen mit seiner früheren rechten Hand Greg Kelly. Laut Staatsanwaltschaft soll Ghosn zudem private Investitionsverluste auf den japanischen Autohersteller Nissan übertragen haben. Der Termin für einen Prozess ist noch offen.

Renault schaltet Justiz ein

Nun bekommt Ghosn auch in Frankreich Ärger. Renault hat wegen mutmasslichen Fehlverhaltens die Justiz eingeschaltet. Es sei im Rahmen eines Sponsoring-Vertrags mit dem Schloss Versailles eine Zahlung zum «persönlichen Vorteil» von Ghosn festgestellt worden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Es handle sich dabei um 50'000 Euro, wie eine im November eingeleitete Untersuchung ergeben habe.

Gemäss Medienberichten hatten zuvor Ghosn und seine Frau im Oktober 2016 im Schloss Versailles ihre Hochzeit gefeiert. Der Mietvertrag dafür sei aber Renault zugeordnet worden.  

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