Lange Jahre war sie der Ladenhüter im Sortiment der Banken. Mit dem Aufkommen der Finanzkrise hat sie nun aber ein erstaunliches Comeback hinter sich: Die Kassenobligation. Als attraktiv verzinste Alternative zum Sparkonto fand sie reissenden Absatz unter all denen, die ihre Aktienbestände liquidierten und das dabei frei gewordene Vermögen mittelfristig in Cash einparken wollten.

Bei der PostFinance etwa haben die Kundenberater noch in den letzten Wochen eine «deutliche Steigerung» beim Absatz der Banken-Schuldbriefe festgestellt. Bei Konkurrentin Raiffeisen hat der Umsatz mit den Vehikeln 2008 um 20% zugelegt, bei der Migros Bank um 17% auf 2,55 Mrd Fr.

Ein Strich durch die Rechnung

Doch der Fangemeinde der Banken-Schuldbriefe hat die Schweizerische Nationalbank SNB mit ihren notfallmässig vollzogenen Zinssenkungen nun einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn im Gegensatz zu den relativ trägen Sparzinsen reagieren die Sätze der Kassenobligationen unmittelbar auf Änderungen in der Geldpolitik. So auch diesmal: Die grossen Bankinstitute der Schweiz haben in den letzten Tagen die Verzinsung ausnahmslos nach unten «angepasst». Und weitere Abschläge könnten folgen, geht es nach den einschlägigen Zinsprognosen der Banken.

«Wir erwarten, dass die SNB die Konjunktur in der Schweiz mit weiteren Zinssenkungen zu stützen versucht», heisst es bei der Grossbank UBS. Schon im Dezember könne die nächste Lockerung der Zinsschraube erfolgen. Für den Ausblick bei Termingeldkonten- und Kassenobligationen bedeutet das gemäss UBS: «Die Sätze werden in den nächsten Monaten eher sinken.»

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Schon jetzt haben die Kassenobligationen an Attraktivität eingebüsst. In den letzten Tagen wurde die Verzinsung je nach Fälligkeit um 40 bis 70 Basispunkte zurückgenommen. Unter den grossen Anbietern gibt es dabei kaum Unterschiede; die PostFinance bleibt ihren Versprechen der Führerschaft bei den Zinsen treu und bietet bei Laufzeiten von 2 bis 4 Jahren vergleichsweise gute Konditionen (2 Jahre: 2,25%, 3 und 4 Jahre 2,5%). Eher am unteren Ende bewegen sich die Konditionen der Zürcher Kantonalbank und der Credit Suisse.

UBS mit Sonderkonditionen

Schon vor den Zinssenkungen für Verunsicherung gesorgt hat ein Faktor, den die Kassenobligationäre bisher oft vergessen haben: Das Emittentenrisiko. Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hat nun aber schmerzhaft aufgezeigt, dass auch grosse Geldinstitute zahlungsunfähig werden können. Markus Lackner, Finanzanalyst beim VZ Vermögenszentrum in Zürich, bringt es auf den Punkt: «Kassenobligationen sind nicht mehr als die Schuldverschreibung einer Bank.» Obwohl ein Totalverlust bei den Papieren als sehr unwahrscheinlich gilt, haben seit dem Lehman-Debakel einige Anleger den Kassenobligationen den Rücken gekehrt und sind zu den als sicher geltenden Staatsanleihen gewechselt.

Auch die meisten Banken empfehlen mittlerweile anstelle von Kassenobligationen Sparkonti und Geldmarktfonds, wenn Anleger Liquidität halten möchten. Das Problem: Die Sparzinsen gleichen in der Regel nicht einmal die Teuerung aus. Spargelder werden auf diese Weise langfristig zum Verlustgeschäft.

Immerhin, letztens ist Bewegung in das Sparersegment gekommen. Die UBS hat ihre Sparsätze dem Durchschnitt angeglichen und geht jetzt auch auf Filialstufe in die Marketing-Offensive: Auf neu eröffnete Sparkonti wird bis Ende 2009 ein Zusatzzins von 0,5% zu den bisherigen 1% gezahlt. Damit zieht die Schweizer Nummer eins gleich mit dem Raiffeisen-Mitgliedersparkonto und dem Anlagesparkonto der Migros Bank, bleibt aber hinter dem E-Depositokonto der Post Finance (2%). Das ist immer noch nicht viel – aber genug für Anleger, die sich schon bald an den Markt zurückwagen wollen. Denn sie profitieren von der Tatsache, dass sich von den Sparkonten schnell auch grosse Summen mobilisieren lassen.

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Dies im Gegensatz zu Geldmarktfonds (siehe Tabelle), die nur auf eine längere Haltefrist hinaus Sinn machen. «Der Horizont für eine Anlage in Geldmarktfonds sollte mindestens zwölf Monate betragen, sonst fallen die Kaufgebühren zu stark ins Gewicht», rät Lackner. Ebenfalls zu achten ist dabei auf die Investments, welche die Vehikel tätigen. Auf der Suche nach mehr Rendite haben sich Geldmarktvehikel teils in illiquid gewordenen Anlagen verspekuliert. «Die genaue Zusammensetzung der Fonds ist für den Privatanleger nur schwer durchschaubar», so Lackner. Deshalb sei es wichtig, nachzufragen.