Das Tessin ist die «Zocker»-Stube der Schweiz. Im vergangenen Jahr erzielte das Casino Mendrisio mit 132,7 Mio Fr. den höchsten Bruttospielertrag (BSE), gefolgt vom Casino Lugano, an welchem sich jüngst die österreichische Casinos-Austria-Gruppe mit knapp 30% beteiligt hat. Insgesamt haben die Schweizer Casinos 2006 den Bruttospielertrag um 9% auf 955 Mio Fr. gesteigert, davon sind 495 Mio Fr. in Form der Spielbankenabgabe in die öffentliche Hand geflossen.

Mit 19 Casinos weist die Schweiz zwar die höchste Dichte in Europa auf, an der Börse kotiert ist aber nur die Escor Casinos & Entertainment AG. Escor hat im letzten Jahr einen Gewinn von 1,9 Mio Fr. erzielt, nachdem im Vorjahr mit dem Ausstieg aus dem einstigen Stammgeschäft, der Aufstellung von Spielautomaten, noch ein Verlust über 17 Mio Fr. eingefahren wurde. Nun konzentriert sich Escor auf Beteiligungen an Casinos sowie Handelsvertretungen im Casinobereich. Nach dem angestrebten Verkauf der Beteiligung am Casino in San Marino verbliebe aber nur noch ein Minderheitsanteil am Casino Locarno.

Escor sucht Mehrheit an Casinos

«Unser Ziel ist es, bei einem Casino eine Mehrheit zu erwerben», erklärt Escor-CEO und VR-Präsident Christian Vollmer. Beim Casino Locarno zum Beispiel fehle es derzeit aber an Verkäufern. Er erhalte zwar wöchentlich Angebote für Beteiligungen an Casinos und Internetanbietern, doch die meisten seien «entweder zu teuer oder nicht gut». Grundsätzlich kommt für Vollmer auch eine Beteiligung im «kulturell ähnlichen» Ausland in Frage.
Kürzlich hat sich der Bundesrat gegen weitere Casinos in der Schweiz ausgesprochen, eine allfällige Neukonzessionierung ist nicht vor 2009 zu erwarten. Dennoch sucht Escor weiter nach geeigneten Standorten. «Demnächst entscheidet sich, ob wir das Projekt eines Zürcher Casinos weiterverfolgen», so Vollmer. Der Vertrag für eine Zwischennutzung des Gebäudes der alten Zürcher Börse liege bereits auf dem Tisch. Bei den Projekten, die künftig auch zusammen mit einem Partner verfolgt werden könnten, will sich Vollmer aber nicht unter Druck setzen lassen.
Auch an der Kotierung soll festgehalten werden: «Wir wollen sicher nicht unseren Börsenmantel verschachern», sagt Vollmer, «aufgrund der Vermögenswerte scheint die Aktie derzeit auch reell bewertet.» Die Escor-Aktie ist im letzten Monat um rund 10% gestiegen und notiert derzeit knapp unter 30 Fr.

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Aktien bereits gut gelaufen

«Auch die nicht an der Börse gehandelten Casinoaktien sind zuletzt gut gelaufen», sagt Björn Zern, Chefredaktor des auf Nebenwerte spezialisierten «Swiss Equity Magazin». Die Tessiner Casinos werden zwar nicht ausserbörslich gehandelt, doch der Investor kann in die Nebenwerte Stadtcasino Baden AG, Kongress- und Kursaal Bern AG, Kursaal Casino AG Luzern, Casino de Montreux, Grand Hotels Bad Ragaz AG und Casino Kursaal Interlaken AG investieren und beteiligt sich damit gleichzeitig auch am Veranstaltungs- und Hotelgeschäft. Ein Engagement in eine dieser Aktien eignet sich laut Zern vor allem für langfristig orientierte Anleger, die etwas vom ausserbörslichen Handel verstehen.
«Interessant sind vor allem die Aktien der Casinos Baden, Bern und Luzern», so Zern. Bei kleineren Stückzahlen sei bei diesen Titeln auch die Liquidität ausreichend. «In Luzern dürfte der zunehmende Tourismus aus Asien für einen weiteren Schub sorgen», erklärt Zern. Der Aktienkurs des Casinos Baden wurde lange von einer möglichen Konkurrenz eines Casinos in Zürich belastet. Mit dem Entscheid des Bundesrats sei diese Gefahr zumindest kurzfristig gebannt.

Pokerspiele im Internet

Die Casinos sehen sich aber auch zunehmend mit dem wachsenden Angebot von Glücksspielen im Internet konfrontiert. «Dies gilt vor allem beim Pokern», erklärt Christian Aumüller, Direktor des Grand Casinos Bern. Viele Spieler spielten nach einem Casinobesuch im Internet weiter.
In der Schweiz sind Glücksspiele im Internet nach wie vor nicht erlaubt. Die Spielbankenkommission hat aber kürzlich angeregt, eine Aufhebung des Verbots zu prüfen.