Ein Händedruck bleibt dem Besucher am Hauptsitz von Hilcona in Schaan FL verwehrt. Unwillkommen fühlt man sich trotzdem nicht. «Wir setzen einfach unsere strengen Pandemievorschriften um», klärt CEO Gerhard Evers auf. Die hoch ansteckende Schweinegrippe könnte für den Liechtensteiner Grosshersteller von Convenience Food verheerende Auswirkungen haben.

61 Prozent des Sortiments frisch

Das gesamte Sortiment besteht zu 61% aus Frischeprodukten wie Sandwiches, Pizzas und Fertiggerichten. Der Rest verteilt sich auf Tiefkühl- (17%) und länger haltbare Produkte (22%) wie Konservendosen, Suppen oder Saucen. Die «ultrafrischen» Produkte, wie sie Hilcona nennt, werden in Hochhygieneräumen hergestellt, um den Einsatz von Konservierungsstoffen zu vermeiden. Jeder Arbeitsschritt im Schaaner Werk mit 850 Mitarbeitenden muss deshalb sitzen. Wenn Produktion und Vertrieb ins Stocken geraten, wird die Ware rasch ungeniessbar und damit unverkäuflich, so Evers.

«Stellen Sie sich vor, ein Drittel unserer Belegschaft würde plötzlich mit Fieber im Bett liegen», beschreibt er den Ernstfall. Hilcona könnte den Betrieb nicht aufrechterhalten und würde Millionenverluste erleiden. Um einer derartigen betriebswirtschaftlichen Katastrophe vorzubeugen, hat die Firma für Teile der Belegschaft aus der Administration sogar Heimarbeitsplätze eingerichtet, was in einem Pandemiefall die Aufrechterhaltung der Produktion garantieren würde.

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Gründlichkeit gehört zu den Tugenden des Deutschen Gerhard Evers, der den CEO-Posten im Familienbetrieb Hilcona - der Name steht für Hilti Convenience Nahrungsmittel - vor einem Jahr angetreten hat. Ersetzt hat er Jürgen Hilti, einen Vertreter aus der Inhaberdynastie, der nun als VRP amtet. Evers war zuvor Deutschland-Chef des französischen Käseproduzenten Bongrain und verfügt über lange Erfahrung im Lebensmittelgeschäft. «Diese Stabübergabe war Teil eines langfristig geplanten Generationenwechsels», erläutert Hilti, der immer noch nahe am operativen Geschäft dran ist. Die CEO-Lösung mit Evers solle als Brücke dienen, bis in etwa zehn Jahren die nächste Hilti- Familiengeneration bereit sei für diese Funktion.

Als Lückenbüsser fühlt sich Evers nicht. Die Ziele, die er sich gesteckt hat, sind ambitioniert. «Wir wollen unsere führende Position im Hauptmarkt Schweiz weiter stärken und gleichzeitig in internationalen Retail- und Foodservice-Märkten wachsen.» Im hart umkämpften Wettbewerb legt Hilcona seit Jahren ein forsches Expansionstempo vor. 2002 erfolgte am Schweizer Sitz in Orbe VD der Einstieg ins Sandwich-Business. «Heute ist Hilcona der grösste Hersteller von Sandwiches der Schweiz», sagt Hilti. Vor sechs Jahren eröffnete Hilcona in Lupfig AG den Vertriebs- und Logistikstandort Hilcona Fresh Express, von wo aus Nacht für Nacht über 1000 Schweizer Verkaufspunkte bedient werden.

Auch 2009 gewachsen

Den Wachstumskurs hat auch Evers in seinem ersten Jahr fortgesetzt. Das zeigen die Zahlen für 2009. Der Umsatz sei gegenüber 2008 trotz Wirtschaftskrise im einstelligen Prozentbereich gewachsen. Als Grund nennt er die hohe Qualität der Lebensmittel, mit der sich Hilcona gegenüber der Konkurrenz abhebe. «Die frische Zubereitung der Convenience-Nahrungsmittel erfordert zwar einen hohen logistischen Aufwand, ist für uns aber zugleich ein wesentlicher Erfolgsfaktor», lautet seine Überzeugung. Hauptsächliche Wachstumstreiber sind denn auch die Frischeprodukte. Dies, obschon sich Hilcona eher im gehobenen Preissegment positioniert. Qualität habe eben ihren «fairen Preis», ist Evers von der Güte seiner Produkte überzeugt. Diese Botschaft möchte das Unternehmen noch stärker verankern und wirbt deshalb selbstbewusst mit einer «Besseresser-Garantie».

Der Erfolg von Hilcona beschränkt sich nicht nur auf Liechtenstein und die Schweiz, wo im Moment 71% der ganzen Produktion an die Endkundschaft verkauft werden. Auch in Deutschland und Frankreich betreibt man seit zwei Jahrzehnten je eine Niederlassung. Hierzulande tritt Hilcona neben unabhängigen Detailhändlern vor allem an Kiosken und in Tankstellenshops mit der Eigenmarke auf. Der überwiegende Teil der Herstellung erfolgt für bekannte Fremdmarken wie Coop Naturaplan, Betty Bossi, Hero oder Spar. Auch wo Hilcona nicht draufsteht, kann also Hilcona drin sein.