Nach dem geplatzten Zusammenschluss von UPC mit Sunrise kommt es auch bei der grössten Kabelnetzbetreiberin der Schweiz zu einem Chefwechsel: Severina Pascu übergibt die Geschäftsführung von UPC Schweiz Anfang Februar an Baptiest Coopmans.

Die 46-jährige Pascu wechselt zu Virgin Media, welches die grösste Tochtergesellschaft von UPC-Besitzerin Liberty Global ist. Dort wird sie stellvertretende CEO und Finanzchefin, wie UPC am Mittwoch in einem Communiqué bekannt gab.

Mit dem Scheitern des UPC-Sunrise-Deals habe der Wechsel nichts zu tun, sagte UPC-Sprecherin Stephanie Niggli am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP: «Er ist der nächste Schritt ihrer Karriere.»

Damit wechselt Pascu zu einem Unternehmen, das in einer ganz anderen Liga spielt als UPC. Virgin Media kam 2018 auf einen Umsatz von 6,9 Milliarden Dollar und hatte 4,1 Millionen TV-Kunden. Dagegen erzielte UPC 2018 lediglich einen Umsatz von 1,3 Milliarden Dollar und bediente 1,1 Millionen TV-Kunden.

Karriereleiter hochgestiegen

Insofern ist der Wechsel ein Karriereaufstieg für Pascu. Allerdings wurde der Abgang der Rumänin nach fast eineinhalb Jahren als Chefin von UPC Schweiz bereits von längerer Hand geplant. Denn bei Virgin Media gibt es bisher die Stelle eines stellvertretenden CEOs nicht. Und die Stelle des Finanzchefs ist seit vergangenen August nur mit einem geschäftsführenden CFO besetzt.

Pascu hat laut informierten Kreisen ihren Abgang bei UPC Schweiz in die Wege geleitet, bevor der Kauf von UPC durch Sunrise Ende Oktober abgeblasen wurde. Der 6,3 Milliarden Franken schwere Deal scheiterte am Widerstand der Sunrise-Grossaktionäre unter der Führung der deutschen Freenet, die knapp ein Viertel der Sunrise-Anteile besitzt.

Freenet-Chef Christoph Vilanek kritisierte den Kaufpreis als zu hoch und stemmte sich gegen milliardenschwere Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Kaufs. Zudem sah er den strategischen Sinn der Übernahme nicht mehr. Wegen der neuen Mobilfunkgeneration 5G lohne sich der Kauf des UPC-Kabelnetzes für so viel Geld nicht. Dafür 6,3 Milliarden Franken auszugeben, sei «Irrsinn», hatte Vilanek erklärt.

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Damit scheiterte erneut ein Versuch, im Schweizer Telekommarkt einen stärkeren Herausforderer für Branchenprimus Swisscom zu bilden. Die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) hatte vor neun Jahren die geplante Fusion von Sunrise und Orange aus Wettbewerbsgründen verboten. Gegen den UPC-Kauf durch Sunrise hatten die Kartellwächter allerdings nichts einzuwenden.

Auch bei Sunrise führt der gescheiterte Deal zu mehreren Abgängen: Anfang Jahr kündigten Konzernchef Olaf Swantee, Verwaltungsratspräsident Peter Kurer und Vizepräsident Peter Schöpfer ihr Ausscheiden an.

Vollgas für Turnaround

Pascu hatte bei UPC Vollgas gegeben, um den Turnaround der schrumpfenden Kabelnetzbetreiberin zu schaffen. Mit Sonderaktionen versuchte sie, Kunden für die neue TV-Plattform zu gewinnen und verdoppelte die Internet-Höchstgeschwindigkeit im Kabelnetz auf 1 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s). Damit zog sie zwischenzeitlich mit dem Spitzentempo der Swisscom auf den Glasfaseranschlüssen gleich. Allerdings hat der Platzhirsch für März bereits wieder eine Steigerung auf 10 Gbit/s angekündigt, womit die Swisscom Salt einholen würde.

Zudem lancierte UPC unter Pascus Führung nach dem Wechsel von Salt auf das Handynetz von Swisscom neue Mobilfunkangebote. Damit konnte die Kabelnetzbetreiberin auch unlimitierte Abos und Roaming-Optionen anbieten.

Darüber hinaus sei die Servicequalität durch Investitionen in die Digitalisierung und die Vereinfachung von Prozessen und Systemen signifikant verbessert worden, schrieb UPC am Mittwoch: «All dies hat unter der Verantwortung von Severina Pascu zu einer deutlich höheren Kundenzufriedenheit geführt.»

Talfahrt nur gebremst

Allerdings konnte die Rumänin die Talfahrt nur bremsen, aber nicht stoppen. So büsste UPC seit Pascus Amtsantritt im Sommer 2018 rund 101'000 TV-Kunden, 54'000 Internetabonnenten und 21'000 Festnetztelefonkunden ein. Einzig die kleine Sparte Mobilfunk konnte 60'000 zusätzliche Kunden hinzugewinnen.

Auch der Umsatz fiel in den ersten neun Monaten 2019 im Vergleich zur Vorjahresperiode um knapp 6 Prozent. Der operative Cashflow, den UPC als Kennzahl für die betriebliche Leistung des Unternehmens betrachtet, fiel wegen der höheren Projekt- und Marketingkosten für die Wachstumspläne und wegen der Kundenverluste um beinahe 12 Prozent. Immerhin konnte UPC im dritten Quartal 2019 erstmals seit zwei Jahren die Zahl der Abos inklusive Mobilfunk wieder leicht steigern.

Unter Pascu sei es gelungen, das beste Firmenergebnis der letzten zwei Jahre zu realisieren, schrieb UPC. Der Weg sei damit geebnet für ihren Nachfolger. Baptiest Coopmans solle nun die nächste Phase des Wachstumsplans umsetzen.

Coopmans kam 2013 als Chef von UPC Niederlande zu Liberty Global. Dort habe er die Fusion von UPC und Ziggo zum führenden nationalen Kabel- und Medienbetreiber geleitet und dabei beträchtliche Synergien erzielt, schrieb der Konzern.

Derzeit verantwortet Coopmans die Technologie, das Netzwerk und den Betrieb von Liberty Global in Europa sowie die Dienstleistungen, die Liberty Global anderen Anbietern zur Verfügung stellt. Als UPC-Schweiz-Chef wird er wie seine Vorgängerin auch die Geschäfte von Liberty Global in Polen und der Slowakei leiten.

(awp/tdr)