Immer grösser sollten sie sein, prunkvoller, innovativer. Die Reedereien befinden sich in einem Rennen um die besten Kreuzfahrtschiffe und das Geschäft boomt.  «Das Angebot wird immer grösser, die Konzepte immer vielfältiger», so Peter Brun, Unternehmenssprecher des Reiseveranstalters Kuoni. Das erweitere auch den Kundenkreis.

Mitten in diesen Boom fallen die Bilder des havarierten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia an der italienischen Küste. Der Kolloss mit rund 4200 Passagieren an Bord kenterte nahe der Insel Giglio. Sechs Menschen starben laut aktuellen Zahlen,  etwa 20 bleiben vermisst. Genaue Zahlen sind noch nicht bekannt.

Doch damit, dass das Unglück den Aufwärtstrend in der Branche dauerhaft beeinflusst, rechnet man bei den Reiseveranstaltern nicht.  «Mittel- und langfristig sehen wir keine Veränderung in der Nachfrage», so Peter Brun. Zwar würde sich ein solches Unglück kurzfristig schon auf die Buchungszahlen auswirken. Wer gerade darüber nachgedacht hatte, eine Kreuzfahrt zu buchen, überlege sich das momentan wohl eher zweimal. Doch Zweifel an der Sicherheit der Schiffe bestünden nicht, da momentan alles auf menschliche Fehler hindeute. «Schon im Frühling dürfte das wieder vergessen sein», so Brun.

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Das zeigen auch die Zahlen: Etwa 200 Buchungen für die Costa Condorcia hatte man bei Kuoni für dieses Jahr bereits gezählt. Von den Kunden, die man bisher erreicht habe, hätten um die 90 Prozent auf eine andere Kreuzfahrt umgebucht – nur ein geringer Anteil habe storniert.

Steht ein Umdenken an?

Doch je nachdem, was die Untersuchungen des Unglücks ergeben, könnten zumindest die Reedereien zu einem Umdenken gezwungen werden – was die Sicherheit auf See betrifft. Auch wenn nach ersten Ergebnissen keine Mängel an dem Schiff selbst bestanden, Evakuierungsmassnahmen und Einweisungen der Passagiere stehen auf dem Prüfstand. Für dieses Notfallmanagement gibt es internationale Vorschriften. Eine Anpassung dieser könnte nach der Untersuchung möglich sein, so Ulrike Wondhövel, Sprecherin des deutschen Havariekommandos in Cuxhaven.

Möglich sei etwa, dass es eine Obergrenze der Kapazität der Schiffe geben könnte. Es sei logisch: «Bei mehr Leuten nimmt eine Evakuierung mehr Zeit in Anspruch» – und die ist in solchen Fällen wertvoll und entscheidet im Zweifel über Leben und Tod. Im Fall der Costa Concordia seien die Bedingungen noch relativ glücklich gewesen. Das Schiff sei nicht ganz gesunken und das auch relativ nah zur Küste.  Ausserdem ist die Costa Concordia bei weitem nicht der grösste Dampfer, der die Weltmeere kreuzt. Die Oasis of the Seas etwa ist das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt und bietet Platz für über 6000 Passagiere. Zumindest der Drang nach immer grösseren Schiffen könnte im Fall einer Obergrenze also ein jähes Ende finden.