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«Costa Concordia»: Reederei entschädigt die Schweizer Opfer

Die Reederei muss die Hinterbliebenen entschädigen. (Bild: Keystone)

Das Drama auf dem Kreuzfahrtschiff «Costa Concordia» hat für die Reederei ein Nachspiel: Sie muss die Hinterbliebenen der Opfer - darunter auch Kinder für den Unfall auf hoher See entschädigen.

Veröffentlicht am 27.01.2012

Zwei Wochen nach der Havarie der «Costa Concordia» hat die Reederei mit zwölf italienischen Konsumentenverbänden eine Gesamtentschädigung von 14'000 Euro pro Passagier ausgehandelt. Die Hinterbliebenen der Opfer und die Verletzten werden gesondert entschädigt. Die Reederei Costa Crociere einigte sich am Freitag mit dem Reiseindustrieverband Astoi Confindustria darauf, dass jeder Passagier 11'000 Schadenersatz plus 3000 Euro für die Reisekosten erhalten soll. Die Entschädigung soll demnach auch für Kinder bezahlt werden, die kostenlos an Bord gewesen seien.

Diese Summe für verlorene Wertgegenstände, Gepäck, seelische Beeinträchtigung durch die Havarie und den für die Kreuzfahrt bezahlten Preis liege «über den Entschädigungsgrenzen internationaler Vereinbarungen und der gültigen Gesetze», teilte Astoi Confindustria mit. Wer auf das Angebot eingehe, müsse sich verpflichten, nicht gegen Costa zu klagen. Die Regelung gelte für rund 3000 Passagiere aus 60 Ländern, teilte die Organisation mit. Die Hinterbliebenen der Opfer und die Verletzten sollen demnach gesondert entschädigt werden. Insgesamt befanden sich rund 4200 Personen an Bord des havarierten Kreuzfahrtschiffes. Bislang wurden 16 Tote geborgen. Über ein Dutzend Menschen werden noch vermisst.

Auch Schweizer entschädigt

Ob und in welcher Grössenordnung die 69 Schweizer Staatsangehörigen, die sich auf dem Unglücksschiff befanden, auf eine Entschädigung hoffen können, ist noch unklar.
Der Reiseveranstalter Tui Suisse führt gemäss seinem Sprecher Roland Schmid mit den betroffenen Kunden gegenwärtig eine individuelle Kostenberechnung durch. Erst wenn Klarheit über die entstandenen Kosten herrsche, könnten allfällige Forderungen an die Reederei Costa Crociere getragen werden.

Beim Westschweizer Verband für Konsumentenschutz hiess es am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, es lägen noch keine Anfragen bezüglich einer etwaigen Entschädigungsforderung vor. Dies gelte auch für das Deutschschweizer Pendant, die Stiftung für Konsumentenschutz.

Sammelklage in USA

Die Konsumentenschutzorganisation Codacons, die an der Einigung nicht beteiligt war, hatte Passagieren empfohlen, «die Almosen» von Costa Crociere nicht anzunehmen. Der einzige Weg, zu einer angemessenen Entschädigung zu kommen, sei die unter anderem von Codacons angestrebte Sammelklage in den USA gegen den Costa-Mutterkonzern Carnival. Codacons fordert dabei 125'000 Euro für jeden Passagier. Der US-Sammelklage wollen sich offenbar auch 15 Personen aus Deutschland anschliessen. Deren Anwalt sagte am Freitag gegenüber dem Onlineportal bild.de, es gehe dabei um Schadenersatzforderungen von 122'000 Euro für Überlebende sowie 760'000 Euro bei Todesfällen. Ein Rechtsstreit in den USA ist attraktiv, weil im dortigen Rechtssystem sehr viel höhere Schadenersatzzahlungen erstritten werden können als in Europa. Am Freitag wurde bereits die erste Sammelklage vor einem Gericht in Chicago eingereicht.

Erste Klage eingereicht

Namens aller Besatzungsmitglieder und Passagiere klagte am Freitag bereits das «Costa-Concordia»-Besatzungsmitglied Gary Lobaton gegen Costa Cociere und ihre US-Mutter Carnival vor einem Gericht in Chicago. Der in Peru wohnhafte Lobaton wirft Carnival vor, die Menschen an Bord nicht rechtzeitig gewarnt zu haben. In der Klageschrift heisst es, die Reisenden seien vom Kapitän Francesco Schettino «verlassen» worden. Das französische Justizministerium kündigte am Freitag an, dass sich ein Pariser Gericht mit der Frage der Entschädigungen für die 462 Franzosen an Bord des Luxuskreuzers kümmern werde.

Ventile installiert

Die «Costa Concordia» kollidierte vor zwei Wochen vor der italienischen Insel Giglio mit einem Felsen. Bislang sind 16 Todesopfer geborgen worden. Über ein Dutzend Menschen werden noch vermisst. Der Kapitän wird verdächtigt, das Schiff zu nahe an die Küste gesteuert zu haben.
Die Spezialfirmen Smit aus den Niederlanden und Neri aus Italien brachten im Kampf gegen eine mögliche Umweltverschmutzung bis Freitagmittag Ventile an sechs der 23 Tanks der «Costa Concordia» an. Das Abpumpen der etwa 2300 Tonnen Treibstoff dauert voraussichtlich mehrere Wochen und soll am Samstag beginnen.

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