Der amerikanische Pharmakonzern Pfizer ist zunehmend sicher, dass seine Arbeiten an einen Covid-19-Impfstoff von Erfolg gekrönt sein werden. In einem Interview mit der Nachrichtenplattform «Time» sagte Konzernchef Albert Bourla, dass eine Zulassung durch die US-Behörde FDA bis Oktober möglich sei. 

«Wir sollten im September genügend Daten haben, um sagen zu können, ob die Impfung funktioniert oder nicht; und um sie bei der FDA einzureichen», so Bourla. «Und eine Bewilligung im Oktober ist, wenn wir Glück haben, möglich.» 

Man habe in den letzten Wochen damit begonnen, die Produktionskapazitäten für 2020 hochzufahren, so dass Pfizer schon vor dem Jahresende 100 Millionen Impfdosen herstellen könnte – statt wie ursprünglich geplant nur einige zehn Millionen. Auch sei er bereits in Gesprächen mit Regierungen auf der ganzen Welt, um die Verteilungsschlüssel festzulegen.

Pfizer wird dann rund 1 Milliarde Dollar in das Projekt investiert haben. Man wolle mit dem Impfstoff zwar einen Gewinn erzielen – doch Bourla vertritt auch die Ansicht, dass die Regierungen die ersten Dosen gratis an die Risikogruppen verteilen sollten.

Die Optimistischsten von allen

Tatsächlich gab die FDA dann am Montag bekannt, dass die beiden Impfstoffkandidaten BNT162b1 und BNT162b2 einen «Fast-Track»-Status erhalten und rascher durchgezogen werden können. Pfizer – 52 Milliarden Dollar Umsatz – arbeitet im Kampf gegen Covid-19 mit der deutschen Forschungsfirma Biontech zusammen. Das Unternehmen aus Mainz meldete Anfang Juli, dass seine Probanden bei Tests in den USA wirksame Antikörper gegen den Erreger Sars-CoV-2 entwickelt hatten.

Ab Ende Juli sollen nun Versuche mit bis zu 30'000 Personen zeigen, ob diese Antikörper tatsächlich vor einer Infektion schützen. 

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Auch Biontech-CEO Ugur Sahin äusserte sich in der letzten Woche optimistisch – eine Zulassung vor Ende dieses Jahres sei möglich. Und so fällt auf, dass die Spitzenvertreter des Pfizer-Biontech-Projekts im Vergleich zu den über 150 anderen Impfstoff-Entwicklungen besonders hoffnungsvolle (beziehungsweise wagemutige) Töne anstimmen.  

Immerhin bewerteten auch externe Experten die Ergebnisse positiv. So sagte der Immunologe Bernhard Fleischer, ehemaliger Direktor des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, die Ergebnisse von Biontech seien «sehr bemerkenswert» (mehr). Er würde davon ausgehen, mit dem Impfstoff vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt zu sein. Erwiesen sei das aber noch nicht.

(rap)