Im März erschien in der «Handelszeitung» eine kleine Notiz unter dem Titel «Akte X: Branding bei der Credit Suisse». Der Brand-Melder der «HZ» hatte im Markenregister den Eintrag «Credit Suisse X» entdeckt und spekulierte darüber, dass es sich dabei um die neue Digitalbank der CS handeln könnte, die im vergangenen Sommer von der Grossbank angekündigt worden war. Die Pressestelle gab sich unwissend.

Heute hat die CS den Vorhang offiziell gelüftet: Die neue Schiene heisst «CSX» und geht – für Credit-Suisse-Verhältnisse – neue Wege. CSX ist ein günstiges Angebot für Retailkunden und ist voll digital, wenn der Kunde das wünscht. Nicht revolutionär, aber «State of the Art». Und damit den meisten Konkurrenten in der Schweiz voraus. Lanciert wird CSX Ende Oktober. 

Bankenprofessor Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern bezeichnet CSX als «Paukenschlag». «Das ist ein gutes Angebot fürs Alltagsbanking, sehr konsequent digital umgesetzt.» Im Vorfeld habe er befürchtet, dass die CS auf halbem Weg stehen bleibe. «Doch das ist nicht passiert.»

Dreierpalette: White, Black, Young

Das neue Online-Angebot kommt mit einem Bankkonto, einer Debit-Mastercard und einer frisch überarbeiteten App daher. Je nach Ausführung – das Konto gibt es als «White», «Black» und «Young» - kostet die Kontoführung entweder gar nichts oder im Falle von «black» 3.95 Franken pro Monat. Im Aufpreis inbegriffen ist dann der Gang an den Bankomaten.

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Das Paket Young soll zudem Goodies aus dem Bereich Kino und Streaming enthalten. Diese Angebote seien noch nicht spruchreif, hiess es im Vorfeld der Lancierung. In der Vergangenheit arbeitete die CS regelmässig mit der zur Swisscom gehörenden Kinokette Kitag zusammen. Gut möglich, dass diese Zusammenarbeit hier eine Wiederauflage findet. 

Die CS zielt auf ein Publikum, dem die bisherigen Angebote zu teuer waren. Ziel sei es denn auch, «bestehende und neue» Kunden davon zu überzeugen, heisst es bei der CS. Verglichen mit Konkurrentin UBS hat die CS im Kleinkundensegment eine schwache Stellung. Insbesondere bei jungen Kunden stehe die CS schlecht da, sagt Dietrich. «Da muss sie aufholen.»

Dabei tritt die CS auch gegen Fintechs wie Revolut, Neon oder Yapeal an, die mit einfachen Bankkonten bereits viele Kunden gewinnen konnten. CSX sei «keine App, die Bank spielt», heisst es in einem Werbevideo. 

Man wolle gegenüber diesen neuen Konkurrenten «kompetitiv» auftreten, sagt CS-Schweiz-Chef André Helfenstein an der Medienkonferenz von Donnerstagmorgen. Zwar habe man nicht gerade festgestellt, dass die eigenen Kunden abwanderten und ihre Konten bei der CS schliessen, aber zunehmend beobachte man, dass Kunden Zweitkonten bei Fintechs eröffneten. «Der Markt bewegt sich, und wir wollen ein Teil davon sein.» Gerade Jungen konnten habe man bisher zu wenig anbieten können, gesteht Helfenstein ein. 

Keine neue Bank auf der Grünen Wiese

Anders als bisher vermutet, hat die Credit Suisse keine komplett neue Bankinfrastruktur «auf der grünen Wiese» gebaut. Hinter CSX drehen sich weiterhin die Rädlein der bisherigen Kern-Bankensoftware. Man habe dieses Vorgehen gewählt, um auf das ganze bestehende Angebot der Credit Suisse als Universalbank zurückgreifen zu können, sagt Anke Bridge Haux, Leiterin Digital Banking der CS.

Die «Handelszeitung» hatte bereits Gelegenheit, das Angebot etwas anzuschauen. Vor allem im Zahlungsverkehr und beim Kartenmanagement ist die CS moderner worden. Wie bei den Fintech-Vorbildern à la Revolut kann der Kunde seine Karte in der App selbst feinsteuern: Funktionen wie die Kontaktloszahlung lassen sich an- und ausschalten, die Kartenlimite kann angepasst werden und im Zweifel lässt sich die Karte auch mal kurzfristig sperren und anschliessend wieder entsperren. Bei den meisten etablierten Banken ist das heute nicht möglich.

Der Wermutstropfen: Beim Start im Oktober wird es voraussichtlich nicht möglich sein, die Debit Mastercard auch in Wallets wie Google Pay oder Apple Pay zu hinterlegen, um dann direkt mit dem Handy im Laden zu bezahlen. Anders als die bisherigen Kreditkarten der Credit Suisse wird die neue Karte nicht über Swisscard ausgegeben, sondern zusammen mit der SIX. Und die ist offenbar im Verzug.

Kontoeröffnung zunächst noch nicht ganz digital

Ebenfalls noch nicht fertig wurde die rein digitale Kontoeröffnung ohne Video-Chat. Diese sei zwar vorgesehen, heisst es. Offenbar vertraut die CS aber noch nicht ganz auf die Sicherheit der angepeilten Technologie zum Scannen der Ausweise.

So müssen Neukunden weiterhin ein Gespräch mit einem Swisscom-Mitarbeiter auf sich nehmen, wenn sie online ein Konto eröffnen wollen. Die Schweizer Neobank Yapeal führt bereits Kontoeröffnungen ohne Videochat durch. 

Von einfachen Payment-Apps oder Neobanken wie Neon und Yapeal unterscheidet sich CSX darin, dass der Kunde das volle Angebot einer Universalbank erhält. In der App eingebaut sind eine digitale Finanzanalyse, Vorsorge-Tools wie 3a-Anlegen oder Immobilienfinanzierung über Hypotheken. Alle Abschlüsse sind digital möglich. Dem Kunden stehe jedoch auch weiterhin der Gang in die physische Beratung offen, so die CS.

Das Basiskonto dürfte der CS vor allem als Eintritt zu den höhermargigen Geschäften in Anlage und Finanzierung dienen. So bezahlen CSX-Kunden für die digitale Geldanlage mit Fonds rund 1,5 Prozent Gesamtgebühren. Bei 10'000 Franken Anlagevolumen sind das bereits 150 Franken pro Jahr.

Angebote laufen parallel weiter

Ist die Digitalisierungsoffensive der erste Schritt zur Abschaffung des bisherigen, analogen Retail-Bankings bei der Credit Suisse, wie manch einer vermutete? «Wir positionieren uns klar mit dem Serviceversprechen, dass bei der Credit Suisse der Kunde jederzeit wählen kann, wie er mit uns als Bank interagiert», sagt Anke Bridge Haux. Das Umfasse auch den persönlichen Service per Telefon und in den Geschäftsstellen. «Bestehende Kunden der Credit Suisse können sich jederzeit für CSX entscheiden. Die bisherigen Angebote bleiben bis auf Weiteres bestehen.»

Mittelfristig ist CSX denn auch weniger eine neue Art des Bankings, sondern einfach ein neues Konto für Kleinkunden. Die aufgehübschte Benutzeroberfläche der App soll nach und nach auch Kunden anderer Segmente zur Verfügung stehen und ist nicht an die CSX-Konten gebunden. Mittelfristig will die CS auch ihre Bonviva-Pakete überarbeiten. Konkretes war dazu aber nicht zu erfahren.