Die Credit Suisse will in diesem Jahr jeden zehnten Job im europäischen Investmentbanking streichen. Das meldet die «Financial Times». Sie beruft sich auf nicht weiter genannte «Personen mit Kenntnis der Vorgänge». Die Bank hat den Bericht gegenüber dem britischen Finanzblatt nicht kommentiert.

In den vergangenen Monaten habe die CS bereits Hunderte von Mitarbeitern in London und Zürich entlassen. Die Abbaupläne sollen noch schärfer sein, als im Oktober angekündigt wurde. Seinerzeit hiess es, dass die Bank in den nächsten drei Jahren weltweit bis zu 9000 von seinen 52'000 Mitarbeitern abbauen wolle. Die Pläne hätten sich in den letzten Wochen verschärft, da sich die Bank darauf vorbereite, im nächsten Monat ihren zweiten Jahresverlust in Folge bekannt zu geben.

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Goldman Sachs hat diese Woche bereits einen Plan zur Entlassung von mehr als 3000 Mitarbeitern vorgelegt. Die Resultate der US-Banken waren generell eher durchzogen. Und das ist kein gutes Signal für die beiden Schweizer Grossbanken, allen voran die Credit Suisse.

CS in der Krise

Die CS steht unter Druck. Negative Presse und Gerüchte in den sozialen Medien haben die Kunden verschreckt. Der Aktienkurs ist auf ein Allzeittief gefallen. Eine Kapitalerhöhung musste her, das Aktionariat wurde neu aufgestellt. 

Die jüngste Grossrotation datiert auf letzte Woche. Die US-Investmentgesellschaft Harris Associates besitzt nicht einmal mehr 3 Prozent an der Credit Suisse. Noch im Sommer 2022 hatte Harris den eigenen Anteil an der Grossbank selbst auf leicht über 10 Prozent beziffert.

Harris besass während fast 10 Jahren eine namhafte Beteiligung an der Credit Suisse, im November 2013 meldete die Gesellschaft erstmals einen Anteil von gut 5 Prozent an der Grossbank. Die zur französischen Natixis-Gruppe gehörende US-Gesellschaft hatte sich im Oktober noch ausdrücklich hinter die Restrukturierungspläne der Grossbank gestellt. 

Enttäuschter Grossaktionär

Vor allem Harris-Investmentchef David Herro hatte sich auch des öfteren zu den Vorgängen der immer wieder krisengeschüttelten Grossbank geäussert. Im Frühling 2022 hatte er allerdings eingeräumt, dass Harris bereits nach den Vorkommnissen um den früheren CEO Tidjane Thiam die Aktien hätte verkaufen sollen.

UBS hat kein Interesse an Credit Suisse

Die Schweizer Grossbank UBS will ihre angeschlagene Rivalin Credit Suisse nicht übernehmen. Die UBS werde kleinere Zukäufe in der Vermögensverwaltung ins Auge fassen, wenn sie Sinn ergäben, erklärte Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher in einem Interview der «Neuen Zürcher Zeitung».

«Zu grösseren strategischen Veränderungen wird es nicht kommen. Wir haben auch nicht den Wunsch, die Credit Suisse zu kaufen», erklärte der Ire. Es gebe kein überzeugendes Szenario für eine solche Transaktion. «Unsere strategische Botschaft lautet: Keine Überraschungen, organisches Wachstum, beurteilen Sie die UBS nach den Zahlen, nach dem US-Geschäft, nach der Profitabilität.» 

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Die US-Investmentgesellschaft hat auf ihrer Beteiligung an der CS in den vergangenen Jahren herbe Verluste erlitten. Im November 2013 hatte die CS-Aktie einen Wert von rund 22 Franken. Mittlerweile dümpelt sie um die 3-Franken-Marke.

Die Investmentbank war und ist das Sorgenkind der CS. Deshalb auch das Streichkonzert, das nunmehr noch heftiger ausfallen soll als bekannt. Die erste Welle von 2700 Entlassungen im Dezember umfasste 540 Stellenstreichungen in der Schweiz und bis zu 200 in London, schreibt die «Financial Times». Die Konsultationen über die nächste Entlassungsrunde hätten bereits vor Weihnachten begonnen.

Aussicht auf Position bei First Boston

Laut Personen, die mit den Gesprächen vertraut seien, stünden mehr als 10 Prozent der Arbeitsplätze im Investmentbanking in Europa zur Diskussion. Eine endgültige Entscheidung werde im nächsten Monat erwartet. Die Credit Suisse beschäftigt weltweit rund 17'000 Investmentbanker, wobei die wichtigsten Zentren in New York und London liegen.

Viele Investmentbanker, die den Stellenabbau in der New Yorker Niederlassung der Credit Suisse, ihrem wichtigsten Drehkreuz ausserhalb Europas, überleben, hätten die Aussicht, sich der geplanten Abspaltung der First Boston anzuschliessen, die vom ehemaligen Credit Suisse-Direktor Michael Klein geleitet wird. Weniger sicher sei dagegen die Besetzung von Positionen im Investmentbanking in Europa, da sich die First Boston auf den US-Markt konzentrieren werde.

Ein weiterer Hebel zur Kostenkontrolle sei die Kürzung des Bonuspools, der letztes Jahr um ein Drittel reduziert wurde, schreibt die «FT» weiter. Nur wenige Investmentbanker der Credit Suisse würden in diesem Jahr einen Bonus erwarten, da die Bank für den kommenden Monat einen Jahresverlust angekündigt hat. Die Geschäftsleitung sei jedoch bestrebt, Vermögensverwaltern mit engen persönlichen Beziehungen zu den Kunden Anreize zu bieten, um zu verhindern, dass diese zur Konkurrenz abwandern, sowie Mitarbeitern, die an wichtigen Projekten arbeiten. (ise)