Die europäische Nutzfahrzeugindustrie ist in Bewegung. Beispiele dafür sind der geplante, mittlerweile eher auf Eis liegende Zusammenschluss von MAN und Scania, aber auch die im Markt deutlich auflebende niederländische Marke DAF, die zum US-Konzern Paccar gehört, sowie die in einigen Exportmärkten immer stürmischer an die
Tür klopfenden Wettbewerber aus der Volksrepublik China. Jetzt
nähern sich zwei traditionsreiche alteingesessene europäische Hersteller einander an. Mitte dieses Jahres haben die DaimlerChrysler Truck Group, Stuttgart, und die Fiat Powertrain Technologies (FPT), Turin, eine strategische Zusammenarbeit im Bereich Antriebsstrang-Technologie vereinbart.

Fiat Powertrain Technologies, die Motoren- und Getriebesparte der Fiat Group, produziert jährlich 2,8 Mio Motoren und 2,1 Mio Getriebe für Personenwagen und Nutzfahrzeuge in 16 Werken und betreibt zehn Zentren für Forschung und Entwicklung. Die DaimlerChrysler Truck Group, ein Geschäftsfeld der DaimlerChrysler AG, ist mit jährlich 537000 abgesetzten Nutzfahrzeugen grösster Hersteller von Lastwagen und Omnibussen in der Welt und betreibt über 50 Produktionsstandorte.


Motoren für Fuso

Die jetzt abgeschlossene Vereinbarung betrifft zunächst die langfristige Belieferung der Mitsubishi Fuso Bus & Truck Corporation in Japan mit Dieselmotoren des Typs FPT F1C für leichte Lastwagen. Es handelt sich dabei um einen 4-Zylinder-Common-Rail-Dieselmotor mit 3,0 l Hubraum, der 177 PS bei 3500 U/min leistet und ein Drehmoment von 400 Nm bei 1400 U/min entwickelt. Dank des optimierten Designs sämtlicher Motorenkomponenten und der fortschrittlichen Technologie der Einspritz- und Turboladersysteme ermöglicht der F1C-Dieselmotor ein gutes Fahrverhalten bei gleichzeitig niedrigem Treibstoffverbrauch. Im Rahmen der künftig globalisierten Ausrichtung soll die Produktion noch zusätzlich an einem weiteren Standort des Fiat-Konzerns in Italien anlaufen.

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DaimlerChrysler ist mit 85% an der Mitsubishi Fuso Truck & Bus Corporation (MFTBC) mit Sitz in Kawasaki, Japan, beteiligt. Das Unternehmen verkaufte 2006 insgesamt 178 946 Lastwagen und Omnibusse. Mitsubishi Fuso ist seit 1. April 2004 ein integraler Bestandteil der DaimlerChrysler Truck Group.

Insgesamt sind in Asien in den Jahren 2005 und 2006 jeweils über 5 Mio Nutzfahrzeuge abgesetzt worden. Nutzfahrzeugabsatz und Güteraufkommen nahmen in den beiden grossen dynamischen Volkswirtschaften Indien und China dramatisch zu. Die für die F1C-Dieselmotoren von Fiat vorgesehenen Fuso-Modellreihen sind der Canter mit Gesamtgewichten von 3,5 bis 8,0 t in Zwei- und Dreiachsversion und der Canter Guts mit 3,3 bis 3,7 t Gesamtgewicht, der ausschliesslich als Zweiachser hergestellt wird. Bisher waren
diese Lieferwagen mit 4-Zylinder-Reihenmotoren im Leistungsbereich von 110 bis 180 PS ausgerüstet.


Weitere Abkommen geplant

Im Rahmen ihrer Vereinbarung prüfen DaimlerChrysler und Fiat weitere Geschäftspotenziale in anderen Märkten. «Dieses Abkommen ist ein entscheidender Schritt in unserem Vorhaben, strategische Partnerschaften in allen Bereichen des Fiat-Konzerns aufzubauen», erklärt Sergio Marchionne, CEO der Fiat Group. Vor dem Hintergrund optimierter Kostenstrukturen in allen Bereichen konnten die Nutzfahrzeughersteller den Marktaufschwung der letzten Jahre zu einer deutlichen Verbesserung ihrer Profitabilität nutzen. Bis heute nicht ausgenutzte Kostensynergien werden aber eher durch eine Verringerung der Fertigungstiefe realisiert als durch Fusionen und Zusammenlegung von Produktionsvolumina kompletter Fahrzeuge. In diesem Zusammenhang erhält der Begriff Cross Border Fusion eine neue Bedeutung, denn damit können zusätzliche Absatzregionen erschlossen und Kostensynergien erzielt werden. So sieht Alfredo Altavilla, Chef der FPT, in der Vereinbarung und ihrer künftigen Stossrichtung «den ersten Schritt in Richtung einer lang anhaltenden Zusammenarbeit bei weiteren ausgewählten Projekten im Nutzfahrzeugbereich».

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