Eine kleine putzige Bulldogge sitzt neben dem Büro seines «Herren» im Hauptquartier von Power Data. Das Softwareunternehmen hat die Gewerbezone von Tolochenaz, oberhalb von Morges, als Standort für seine Büros gewählt.

Das Hündchen wirkt recht harmlos in diesen dezent eingerichteten Räumlichkeiten, die eine herrliche Aussicht auf den Genfersee und die Alpen bieten. Genau wie sein Besitzer, der wie der ideale Schwiegersohn wirkt.

Gross, in den Vierzigern und grauhaarig, steht Dan Mamane leibhaftig vor uns, einen Tag nachdem ihn ein Artikel im «Blick» als Gespenst beschrieben hat. Tatsächlich lässt sich im Internet wenig über seine Person erfahren.

Ein langwieriger Verkauf

«Ich hätte nicht gedacht, dass ich ein solches Interesse wecken würde.» Der neue Besitzer von Conforama Schweiz ist vielleicht am meisten überrascht über all die Anfragen, die er erhalten hat, seit seine Identität gelüftet wurde.

Letzte Woche enthüllte die Finanznachrichtenangentur AWP, um wen es sich bei dem Käufer handelt. Einige Tage zuvor war der Deal bekanntgegeben worden. Der Verkaufspreis bleibt unter Verschluss.

Die südafrikanische Gruppe Steinhoff hatte seit Monaten versucht, ihre Conforama-Möbelhäuser loszuwerden. Sie beschloss schliesslich, die Kette aufzuspalten: Die Schweizer Aktivitäten gingen an Dan Mamane. Die französischen Geschäfte wurden vom Hauptkonkurrenten, der But-Gruppe, übernommen. (Anm. d. Red.: die But-Gruppe gehört zu 50 Prozent der österreichischen XXXLutz).

Auf Aufholjagd nach dem Lockdown

Nun steuert also Mamane, 48-jährig und studierter Wirtschaftswissenschaftler mit Abschluss der Universität Lausanne, die Geschicke der 22 Schweizer Geschäfte von Conforama.

Die Läden beschäftigen 1200 Mitarbeiter und erzielten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 450 Millionen Franken. Den dieses Jahr durch die Geschäftsschliessungen verursachte Ausfall holten sie bereits fast auf – dies lies Geschäftsführer Patrice Dupasquier durchblicken, als die Übernahme bekanntgegeben wurde.

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Ein Umsatz von vierhundertfünfzig Millionen Franken: Das ist weit mehr, als die rund 100 Millionen, welche die Power Data Holding von Dan Mamane erwirtschaftet. Diese der breiten Öffentlichkeit unbekannte Gesellschaft mit ihren fünf Tochterfirmen zählt rund 50 Mitarbeiter.

Kindheit in Südfrankreich

Ihr gemeinsamer Nenner ist die Elektronik. Mit diesem Geschäft kam Dan Mamane bereits in jungen Jahren durch seinen Schweizer Onkel in Berührung. Damals lebte Mamane noch in Südfrankreich, in Toulon.

Im Alter von 18 Jahren zog er – mit der Matur in der Tasche – nach Lausanne, um seinen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften zu machen. Die Region sollte zu seiner neuen Heimat werden: Hier hat er seinen Unternehmergeist entwickelt.

Seine ersten Unternehmen gründete er bereits während des Studiums. Er gab Nachhilfekurse und verkaufte elektronische Geräten, die er direkt aus den USA importierte. Das war vor noch vor der Ära des Internet. «Ich hatte einen kleinen Studentenjob, aber mir wurde schnell klar, dass ich auf andere Weise mehr verdienen konnte.»

Und dieser Pfad führte über die Elektronik, jenem Sektor, auf den er sich seit 1996 konzentrierte – und die er nun mit dem Einstieg in den Möbelhandel ergänzt. Mit Power Data importiert Mamane Produkte und vertreibt sie an Supermärkte: Kopfhörer, Drohnen und sogar 3D-Drucker.

L'entrepreneur Dan Mamane, CEO de Powerdata et repreneur de Conforama Suisse, pose pour un portrait dans son bureau ce vendredi 7 aout 2020 a Tolochenaz. (VFLPIX.COM /Valentin Flauraud)

Dan Mamane: Seine Domäne ist die Elektronik - nun wagt er sich in den Möbelhandel vor.

Quelle: VALENTIN FLAURAUD / VFLPIX.COM

2008 drohte der Absturz

Mamane stand als Geschäftsmann bereits einmal vor dem Scheitern: 2008 wollte ein grosser Kunde eine Rechnung von 6 Millionen Franken nicht begleichen, erzählt der Mehrfachunternehmer. Die Lage war ernst. Vier Firmen, an denen er beteiligt war, mussten den Betrieb einstellen. «Man hielt uns für tot, alle haben uns im Stich gelassen», erinnert er sich.

Und doch überlebt Power Data. Aber der Besitzer kann die Erfahrung nicht vergessen: «Als Mittelsmann, als Mittler zwischen Marken und Vertriebsnetzen, waren wir immer von den Strategien unserer Lieferanten abhängig.» Im Jahr 2014 löst die Übernahme von Beats durch Apple bei ihm eine Erkenntnis aus: «Ich habe mir gesagt, dass wir nicht dümmer sind als alle anderen und dass wir in Zukunft in unser eigenes Markenportfolio investieren werden.»

Ein Jahr später wird die Muttergesellschaft gegründet. Niederlassungen folgen. Die wichtigste Errungenschaft dieser neuen Ausrichtung war die Entwicklung einer Reihe von Projektoren für die Marke Philips, darunter der Beamer «Picopix Max». Vor zwei Jahren wurde dieses Produkt zu einem Renner, wie der Wahl-Waadtländer nicht ohne Stolz erzählt. Er fügt hinzu: «Vermutlich hätten wir mehr über dieses ‘Made in Tolochenaz’ sprechen sollen.»

Ein überrschender Vorstoss

Sein Geschäft hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Die Übernahme von Conforama Schweiz folge der gleichen Logik, sagt Dan Mamane, der mit Power Data bereits Zulieferer der Möbelkette war.

Etwas überraschend wirkt der Vorstoss dennoch. Obwohl Möbelhändler Conforama auch Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte verkauft, sticht er unter den unzähligen Kunden von Power Data hervor. Der Deal markiert auch einen Wendepunkt für Mamane: Erstmals tritt der Familienvater in der breiten Öffentlichkeit in Erscheinung.

Für Dan Mamane ist die Übernahme aber schlüssig. «Der gemeinsame Nenner besteht darin, dort zu sein, wo man mich nicht erwartet, und wo es Chancen gibt.»

Warum aber in den Detailhandel investieren, in ein Geschäftsmodell, welches im Umbruch steckt? «Jeder sagt, der Einzelhandel sei tot. Es ist der Tante-Emma-Laden, der tot ist», findet Mamane. «Er muss sich neu erfinden und mit dem elektronischen Handel koexistieren. Schauen Sie, was Amazon macht. Der Onlinehändler kauft Geschäfte wie die Whole-Foods-Supermärkte auf und eröffnet neue Läden. Es werden jene gewinnen, die beide Kanäle beherrschen.»

Der Investor denkt langfristig

Auch wenn er Amazon erwähnt, denkt der neue Besitzer von Conforama Schweiz nicht im Traum davon, in die Fussstapfen der amerikanischen Gruppe zu treten. «Ich habe keinen Grössenwahn, keine Expansionspläne», versichert er. «Für mich hat Conforama ein grossartiges Potenzial, und ich beabsichtige, es zu nutzen.»

Wie wollen Sie Conforama weiterbringen, Herr Mamane? «Natürlich durch die Entwicklung des E-Commerce, aber auch durch die Modernisierung der Instrumente, die den Teams auf allen Ebenen des Unternehmens zur Verfügung stehen.»

Die neue Unabhängigkeit könnte für Coforama nach 40 Jahren Präsenz in der Schweiz auch von Vorteil sein, was das Unternehmen nicht daran hindert, weiterhin mit denselben Lieferanten zusammenzuarbeiten. Der neue Eigentümer will sich nicht ins Tagesgeschäft einmischen, aber alles daran setzen, dass sein Engagement ein langfristiges wird.

Von nun an steht der Mann unter Beobachtung

Die letzte Frage ist unbequem: Was sagt er zu der vom «Bick» kopoltierten Vorliebe für Glücksspiele? «Ich verstehe nicht, wo diese Informationen herkommt», zeigt sich der Unternehmer überrascht. «Zumal ich Glücksspiele hasse. Das Gerücht kursiert wahrscheinlich wegen dieser Firmenfeier, bei der wir Spieltische zur Unterhaltung unserer Lieferanten und Kunden organisiert hatten. Eine Tombola ermöglichte es zwei von ihnen, zur CES in Las Vegas zu reisen, dem jährlichen Höhepunkt der Elektronikwelt.»

In diesem speziellen Sommer lernt Dan Mamane, mit seiner neuen Bekanntheit umzugehen. Es ist der Preis, den man für den Aufstieg in eine neue wirtschaftliche Liga zahlt. Der Mann steht von nun an unter Beobachtung. Er hat es schnell sehr verstanden.

Dieser Artikel erschien erstmals bei «Le Temps» unter dem Titel: «Qui est Dan Mamane, le repreneur de Conforama Suisse?».