Primitive, knapp vor Wind und Wetter schützende Festzelte - das war einmal. Die Firma Hunziker kann in ihrer Spezialabteilung die PVC-beschichteten Gewebe zu Zelten nach Mass konfektionieren. Davon profitierte auch schon die US-Army, die sich vor dem ersten Golfkrieg in Willisau mit Material eindeckte.

Allerdings blieb der Auftrag aus dem Pentagon eine einmalige Episode in der Geschichte der Willisauer Firma. Typisch für Hunziker ist, was derzeit auf dem BEA-Gelände in Bern läuft: Monteure der Firma ziehen dort riesige Zelte in schnellem Tempo hoch. Die Zeit drängt, am 25. November muss die temporäre Zeltstadt stehen, damit die Landwirtschaftsmesse Agrama eröffnet werden kann.

Hunderte Zelte pro Jahr

Die Agrama ist bloss einer von mehreren Hundert Anlässen pro Jahr, bei denen die Zelt- und Tribünenbauer aus dem Luzerner Hinterland im Einsatz stehen. Ob Schützenfest, Spengler-Cup, Tour de Suisse oder Generalversammlung: Hunziker ist im Hintergrund fast immer dabei. Soeben hat sie es für einmal selber in die Schlagzeilen geschafft: Die bisherige Besitzerin Feldschlösschen/Carlsberg hat Hunziker an den Messebauer und Eventausstatter Andreas Messerli in Wetzikon verkauft. Der Deal ist für beide Seiten sinnvoll. Messerli kooperiert bereits mit Hunziker, und Feldschlösschen kann sich fortan ganz aufs Bier konzentrieren.

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Hunziker startete mit Zelten, die bloss Mittel zum Zweck waren. Hauptsächlich aber war man Festwirt (siehe Kasten). Erst vor ein paar Jahren hat sich die Firma vom Catering verabschiedet. Das Unternehmen konzentriert sich seither auf das mobile Bauen, denn die Anforderungen sind heute hoch. Zelte sind mit allen möglichen Ausstattungen bestückt, müssen komplexe Bedürfnisse befriedigen und in manchen Fällen gar Luxus bieten.

«Der Markt hat sich gigantisch entwickelt», sagt Firmenchef Markus Häuptli. Der 58-Jährige muss es wissen, denn seine Karriere als Zeltbauer begann er 1976. Der gelernte Koch und Buchhalter steht seit einem Vierteljahrhundert an der Spitze des Unternehmens. In den Anfängen dirigierte er ein knappes Dutzend Beschäftigte, heute sind es 70 Mitarbeiter. Dazu stossen Teilzeitmitarbeiter, wenn es besonders hektisch wird.

Häuptli vergleicht die logistische Herausforderung mit der in einem Zirkus, nur dass im Zeltbau vieles noch komplizierter ist. Seine Elefanten, das sind sieben LKW, die das Material auf die Baustellen liefern. Je nach Anlass sind auch Tische, Stühle, Gedecke, Tischwäsche und Küchengeräte dabei. Häuptli, der Dompteur, vertraut statt der Zirkuspeitsche lieber Computern und Software. Diese sorgen im Hintergrund für die Ordnung der zig- tausend notwendigen Dinge. Zu bewirtschaften sind etwa mehr als 20000 Stühle und 62 000 Quadratmeter Zeltflächen - Festplatz für ebenso viele Personen.

«Früher waren Zeltbreiten noch das Mass aller Dinge, heute jedoch ist Festzelt nicht einfach gleich Festzelt», so der Chef. Gefragt sind abgestimmte Grössen und Formen, die in ein architektonisches Gesamtkonzept passen. Gefordert ist eine komfortable Innenausstattung. «Wird es ganz anspruchsvoll, lagern wir die Gestaltung an spezialisierte Dekorateure aus», verrät Häuptli.

Auch VIPs feiern im Zelt

Laufend erweitert hat sich auch der Einsatzbereich der temporären Bauten. Sogar VIP-Zirkel feiern heute am liebsten in Zelten. Deren Wände müssen Windböen trotzen, wie sie Rotorenblätter von Helikopter-Taxis erzeugen. Selbst in der Industrie werden Zelte alltäglich. Lager- und Verkaufsprovisorien werden damit eingerichtet, Verladerampen überdacht, LKW-Unterstände erstellt, Baustellen vor Regen und Nässe geschützt.

Grundsätzlich bleibt die kaum je erlahmende Festfreude Grundlage von Häuptlis Geschäft. Völlig konjunkturresistent ist der Zeltbau allerdings nicht. «Wir sind sogar ein höchst sensibler Konjunkturbarometer», betont der Chef. Vor der Krise jedenfalls konnten die Zelte nicht luxuriös genug sein. Dann, im Herbst 2008 und im letzten Jahr, wurden etliche Anlässe storniert. Plötzlich war Bescheidenheit angesagt. Hunziker nutzte die ruhigeren Zeiten, um den Betrieb intern auf Vordermann zu bringen. Seit dem Frühjahr allerdings ist die Festlaune wieder spürbar steigend.