Weltweit versuchen Elektroautohersteller den Erfolg von Tesla zu kopieren. Nur die wenigsten von ihnen schaffen es bis zur Serienreife oder sogar in den alles entscheidenden US-Markt. Der vietnamesische Hersteller Vinfast gehört zu denen, die bereits E-Autos verkaufen.

Trotzdem ist der Weg für Gründer Pham Nhat Vuong – den reichsten Mann Vietnams – zum neuen Elon Musk noch weit. So hat sein Mischkonzern Vingroup erst 2017 eine Autoproduktion auf die Beine gestellt. Vinfast, das erste Auto des südostasiatischen Landes.

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Vinfast hat 2021 nur 30’000 Autos produziert

Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr lediglich 30’000 Autos produziert. Zum Vergleich: Tesla prognostiziert, bis Ende des laufenden Jahres 1,5 Millionen Fahrzeuge herzustellen. Vinfast produzierte einen kleinen Bruchteil davon, zudem waren diese mehrheitlich solche mit einem Verbrennungsmotor.

Elektroautos hat das Unternehmen sogar erst wenige hundert vom Band laufen lassen. Doch die neusten zwei Elektroautomodelle haben die Vietnamesen im Januar bereits an der CES in Las Vegas präsentiert.

Die Ankündigung, nun mit Elektroautos im heiss umstrittenen US-Markt Fuss zu fassen zu wollen, ist trotzdem überraschend. Ob Vinfast eine kühne Marketingaktion gegen Tesla fährt oder es nur bei einem Versuch bleibt, ist schwer abzuschätzen. Der Autobauer möchte sich jedenfalls nun ganz auf Elektroautos konzentrieren und die Produktion von Verbrennern auslaufen lassen. Vietnam wird dabei aber nicht als Kernmarkt angesehen, sondern Vinfast möchte vor allem andere Länder mit Autos beliefern. 

E-Auto-Fabrik in den USA geplant

Vinfast, das neben den chinesischen Elektroautoherstellern bisher kaum aufgefallen ist, hat die USA ins Auge gefasst – und im zweitgrössten Automarkt der Welt Grosses angekündigt. Das Unternehmen möchte eine Fabrik für 2 Milliarden Dollar in North Carolina aus dem Boden stampfen. Dort sollen jährlich 150’000 Fahrzeuge vom Band gehen, wie Nikkei Asia berichtet

Neben dem Werkbau beabsichtigt Vinfast auch einen Börsengang in den USA. Der vietnamesische Autohersteller möchte das amerikanische Energieministerium an Bord holen, um seinen Bekanntheitsgrad in den Vereinigten Staaten zu erhöhen. Doch damit nicht genug: Ganz nach dem Vorbild von Tesla sollen sogar Pläne für den Bau eines Werkes in Deutschland bei Vinfast existieren.

Die Vingroup begann 2001 als Immobilienunternehmen in Vietnam, nachdem Gründer Pham Nhat Vuong einen Konzern für Lebensmittelverarbeitung verkauft hatte, den er in der Ukraine erfolgreich aufgebaut hatte. Danach diversifizierte sich die Vingroup in den Bereichen Einzelhandel, Bildung und Krankenhausmanagement. Die Vingroup hatte sich bereits in der Vergangenheit in verschiedensten Industriebereichen versucht. So produzierte die Gruppe kurzzeitig auch Smartphones und Fernsehgeräte. Das nächste Abenteuer sollen nun Elektroautos sein. Das Unternehmen hat einen Marktwert von rund 12,4 Milliarden Dollar (11,8 Milliarden Franken) und gehört damit zu den führenden Unternehmen im boomenden südostasiatischen Land. 

Pham Nhat Vuong

Kopf der Unternehmens Vingroup: Pham Nhat Vuong. 

Quelle: Youtube

Vinfast plant die nötige Expansion

Vietnam hat keine Tradition in der Autoindustrie und es existieren keine Zulieferer im Land. Vinfast konnte nur mit der Autoproduktion beginnen, indem es wichtige Teile von ausländischen Unternehmen wie BMW, Bosch und General Motors kaufte. Die vietnamesische Regierung steht hinter Vuong, der gesagt hat: «Ich möchte mein Autogeschäft nicht für mein Unternehmen, sondern für mein Land zum Erfolg führen.»

Präsident Nguyen Xuan Phuc und andere Vertreter der Regierung und der Kommunistischen Partei nehmen regelmässig an Werkseröffnungen von Vinfast und der Vorstellung von neuen Modellen teil. Nachdem Vinfast Ende letzten Jahres seine ersten Elektroautomodelle auf den Markt gebracht hatte, bot die Regierung den Käufern von Elektrofahrzeugen Steuererleichterungen an.

Zudem hat die vietnamesische Regierung inzwischen die Zulassungssteuer für E-Autos von 10 Prozent des Verkaufspreises auf null gesenkt. Davon wird Vinfast als einziger Elektroautohersteller des 100-Millionen-Einwohner-Landes profitieren.

Als nächster Schritt ist es sinnvoll, sich in den USA und Europa zu positionieren, da es noch lange dauern wird, bis sich Elektroautos in Vietnam durchsetzen werden. Ursprünglich wollte das Unternehmen mit Exporten in westliche Märkte eindringen, erkannte aber, dass es nicht konkurrenzfähig sein würde, wenn es nicht vor Ort produzierte, heisst es. 

Workers examine vehicles at a VinFast plant on June 14, 2019, in Hai Phong, Vietnam. VinFast is a subsidiary of Vietnamese conglomerate Vingroup. The plant was inaugurated the same day, and will soon begin commercial production of the first full-fledged Vietnamese-made cars. (Kyodo)==Kyodo(Photo by Kyodo News Stills via Getty Images)

Vinfast-Produktionsstätte im vietnamesischen Haiphong.

Quelle: Kyodo News Stills via Getty Imag

Mehr als 100 Hersteller konkurrenzieren Tesla

Sich auf dem amerikanischen Markt zu etablieren, wird aber eine grosse Herausforderung für Vinfast. Daniel Ives, Analyst beim US-Brokerhaus Wedbush Securities, sagt gegenüber Nikkei Asia: «Es ist ein Elektroauto-Wettrüsten, da mehr als hundert Hersteller den Markt weltweit angreifen, einschliesslich der etablierten Hersteller, die alle hinter Tesla her sind.»

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