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Das Milliarden-Business mit Waffen in den USA

Smith & Wesson «.44 Magnum»: Eine Legende. Flickr/CC/ Stephen Z

Schon wieder sorgt in den USA eine Massenschiesserei für Schlagzeilen, wieder plädiert US-Präsident Obama für strengere Gesetze, wieder wird sich wahrscheinlich nichts ändern. Die Gründe.

Von Carolin Ludwig («Business Insider Deutschland»)
am 04.12.2015

Nach der Schiesserei in der kalifornischen Stadt San Bernardino, bei der drei Täter mit Sturmgewehren und Handfeuerwaffen 14 Menschen getötet und etliche verletzt haben, hat US-Präsident Barack Obama strengere Waffengesetze und eine gründlichere Prüfung der Waffenkäufer gefordert.

Obama wendet sich zum wiederholten Mal mit dieser Forderung an den US-Kongeress und die US-Bürger, und wahrscheinlich wird sie wieder einmal wirkungslos verpuffen.

Schiessereien sind traurige Normalität

Schiessereien mit mehreren Toten gehören in den USA mittlerweile schon fast zum Tagesgeschäft. Laut der «Washington Post» hat es in diesem Jahr allein bis Ende November, binnen 344 Tagen, 351 Schiessereien mit mindestens vier Toten oder Verletzten gegeben. Und trotzdem ist noch immer nichts passiert.

Waffenhersteller fahren in den USA konstant satte Gewinne ein. Und sie profitieren sogar noch von solchen Ereignissen, wie die Quartalszahlen des Waffenherstellers Smith & Wesson jüngst zeigten. Denn immer, wenn durch neue Schiessereien das Thema «Verschärfung des Waffengesetzes» erneut auf den Tisch kommt, rennen die Kunden den Waffenverkäufern den Laden ein, als gäbe es Angebote wie am Black Friday.

Die grössten US-Hersteller von Handfeuerwaffen und Co.

Schätzungsweise 300 Millionen Waffen haben die US-Amerikaner zu Hause. Statistiken zufolge besitzt allerdings «nur» jeder dritte Haushalt eine Waffe. Zur Einnerung: Es gibt 322 Millionen Amerikaner.

Die Mehrzahl der Waffen stammt von einer kleinen Handvoll Firmen, die damit ein riesiges Geschäft machen. Schaut man sich nur den Umsatz mit Feuerwaffen an, dann gehören Smith & Wesson, Sturm, Ruber & Co. sowie die Freedom Group zu den Top-Produzenten in den USA.

Smith & Wesson — Wie im Kinofilm

Smith & Wesson verdiente im Geschäftsjahr 2015 nur mit Feuerwaffen rund 531 Millionen Dollar. Die 1852 gegründete Firma und ihre Waffen sind vor allem durch die Filmreihe «Dirty Harry» mit Clint Eastwood in der Hauptrolle zu zweifelhaftem Ruhm gelangt. Die Hauptfigur der Filme hat eine recht innige Beziehung zu seiner «.44 Magnum».

Smith & Wesson ist einer von wenigen Handfeuerwaffen-Hersteller, die börsennotiert sind. Im Aktienchart des Unternehmens schlägt sich die Waffenvernarrtheit der USA ebenfalls deutlich nieder — von einem Umdenken ist hier jedenfalls keine Spur zu sehen.

Sturm, Ruger & Co. — Bei der Stückzahl vorne

Ähnlich sieht es auch bei der börsennotierten Firma Sturm, Ruger & Co. aus. Sie konnte zwar an der Börse nicht ganz so hohe Gewinne einfahren wie Smith & Wesson, das Plus bleibt aber dennoch beachtlich.

Laut der «Süddeutschen Zeitung» verkauft keine andere Einzelfirma so viele Waffen wie Sturm, Ruger & Co. Das schlug sich im Geschäftsjahr 2014 in einem Feuerwaffen-Umsatz von 542 Millionen Dollar nieder.

Freedom Group — Die Milliarde ist in Reichweite

In der Freedom Group sind hingegen gleich eine ganze Reihe von Waffenmarken gebündelt: Bushmasters Firearms, Dakota Arms, Marlin oder Remington Arms gehören alle diesem Unternehmen. Der Umsatz mit Handfeuerwaffen lag im Geschäftsjahr 2014 konzernweit bei 466 Millionen Dollar.

Hinzu kommen noch einmal 409 Millionen Dollar durch den Verkauf von Munition. Das ist beachtlich, reicht aber noch nicht ganz, um die Marke von einer Milliarde Dollar Umsatz zu knacken.

Drei Gründe für den Status Quo

Zu diesen Riesenkonzernen kommen noch einmal einige kleinere Feuerwaffenhersteller aus den USA, wie zum Beispiel die bei Jägern beliebte Marke Maverick Arms, die hauptsächlich von Beamten genutzten Waffen von SIG Sauer oder der Schrotflintenproduzent Remington Arms. 

Dass die USA keine strengeren Waffengesetze erlassen, hat drei Gründe: Erstens  garantiert der zweite Zusatzartikel zur US-Verfassung den amerikanischen Bürgern nicht nur das Recht, eine Waffe zu besitzen. Er verbietet der Regierung auch, das Recht auf den Besitz und das Tragen von Waffen einzuschränken. Zumindest nach Auslegung einiger Amerikaner, die sich in ihren Grundrechten nicht beschneiden lassen wollen — egal, ob sie tatsächlich eine Waffe zu Hause haben oder nicht.

Starke Lobby

Zweitens: In den USA gibt es eine starke Waffenlobby. Mit der National Shooting Sports Foundation (NSSF) und der National Rifle Association of America (NRA) nehmen gleich zwei grosse Gruppen Einfluss auf die Politik. Und die muss ihre Stimmen hören, denn gemeinsam haben sie rund fünf Millionen Mitglieder — und zahlreiche Lobbyisten. Wie viele genau es sind, verrät man natürlich nicht. Genauso wenig wie die Geldsumme, die die Organisationen jährlich in ihre Lobbyarbeit investieren. Wenn man jedoch bedenkt, dass allein Wayne LaPierre, einer der Hauptlobbyisten der NRA, Gerüchten zufolge ein Jahresgehalt von rund einer Million Dollar bekommt, dürfte das einiges sein.

Die beiden Verbände — und einige Mitglieder des US-Kongress — sind der Meinung, dass die Amerikaner nicht weniger, sondern mehr Waffen bräuchten. Denn mehr Waffen bedeuten auch mehr Sicherheit, da sich jeder schnell verteidigen und zum Beispiel einen Amokläufer erschiessen könnte, bevor er noch mehr Menschen tötet. Waffenfreie Zonen würden hingegen Amokläufer geradezu anziehen, so die perfide Logik der Waffenlobby. 

Arbeitsplätze in Gefahr

Drittens: Strengere Gesetze würden auch zu Umsatzeinbussen bei den genannten US-Produzenten führen, Arbeitsplätze und Steuern stehen auf dem Spiel.

2014 waren laut NSSF rund 260.000 US-Bürger in der amerikanischen Schusswaffenindustrie und den verwandten Branchen beschäftigt. Ausserdem trug die Industrie mit 42,96 Milliarden Dollar zur Wirtschaftsleistung der USA (Gesamt: 17,4 Billionen Dollar). Hinzu kamen 5,8 Milliarden Dollar an Steuern, die in die Haushaltskasse flossen.

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