Unternehmer und Investor Michael Pieper (74) hat die Zeit, das Geld (geschätzt gut 4 Milliarden Franken) und die unternehmerische Erfahrung, um Jungunternehmern unter die Arme zu greifen.

Sein neustes Engagement: Hautcremes der österreichischen Firma Tomorrowlabs, die Pieper mit einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag unterstützt und von der er 10 Prozent besitzt.

Dem Industriellen ist keine Idee zu bunt. Mit einem hohen einstelligen Millionenbetrag stieg er 2019 bei Wingman Ventures ein, die unter anderem den Sockenhersteller Dillysocks, den Garderobensystementwickler Zippsafe und den schweizerischen Jeansmassschneider Selfnation fördert. Waren primär Maschinen und Industrie sein Metier, geht der Präsident der Artemis-Gruppe, zu den Küchenbauer Franke und Beteiligungen an Forbo, Arbonia, Autoneum und Rieter gehören, auch neue Wege.

Dabei wird Pieper von illustren Unterstützern flankiert. An Tomorrowlabs mit beteiligt sind Wolfgang Reitzle und Nina Ruge, Unterstützung kommt auch von Alexander Dibelius – erfolgloser Ex-Lafarge-Holcim-Präsident, eine der bekanntesten Moderatorinnen Deutschlands und der deutsche Fondschef des Breitling-Eigners CVC mit einem guten Draht zu Angela Merkel. Die jüngste Begeisterung der Promi-Runde gilt nun Hautcremes, die für einmal wirklich helfen. Moderatorin Ruge hat es ausprobiert – und ist von ihrem neuen Hautbild begeistert. Ehemann Reitzle fand einen Weg, sein schütteres Haar aufzuforsten. Testimonials dieser Art wünscht sich wohl jedes Unternehmen.

Hohe Ansprüche der Medizin

«Aus Sicht der Zulassungsbehörden geht es um Kosmetika. Aber bei der Entwicklung unserer Produkte folgen wir denselben hohen Ansprüchen wie in der Medizin», sagt Tomorrowlabs-Gründer und Geschäftsführer Dominik Thor. Er stützt sich dabei auf Studien, die auch auf der Firmen-Website publiziert sind, in denen die Wirksamkeit wissenschaftlich belegt sein soll.

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Investoren- und Ehepaar Laila Maria Witt und Top-Banker Alex Dibelius.

Quelle: Isa Foltin
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Christian Surber, Dermatologie-Ex­perte beim Universitätsspital Basel, sieht das kritisch: «Hier handelt es sich um reine Übersichtsarbeiten, in deren Schlussfolgerungen von einer Wirkung in der menschlichen Haut nichts zu lesen ist.»

Zusammen mit Co-Gründer und Stanford-Doktor Dominik Duscher, der die Forschungsarbeit von Tomorrowlabs leitet, beruft man sich unbeirrt auf die Entdeckung durch ein anglo-amerikanisches Wissenschaftertrio, das den Nobelpreis für Medizin im Jahr 2019 erhielt. Vereinfacht gesagt hat man herausgefunden, wie sich Zellen regenerieren. Das soll eine Basis für die Bekämpfung von Krebs schaffen. Und das ­machen sich die Tomorrowlabs-Gründer zunutze: für eine neue Methode zur Verjüngung der Hautzellen. Wers nicht glaubt: «Unsere Produkte wurden vom deutschen Institut Dr. Schrader getestet» – ein Prüfungsinstitut für die Kosmetikindustrie.

Thor kümmert sich um die Vermarktung. Duscher übernimmt den wissenschaftlichen Part. In seiner Zeit in den USA hat er sich mit dem Thema Wundheilung beschäftigt. «Das hat uns zur Frage inspiriert, wie die nicht gesunde, aber gestresste Haut respektive Hautzelle wirksam versorgt werden kann», sagt Thor. Um nichts Falsches zu behaupten, sagt er aber auch: «Mit der medizinischen Entdeckung hat unser Unternehmen nichts zu tun.» Aber der Nobelpreis helfe in der Kommunikation. «Das bleibt im Ohr.»

Samt klugem Schachzug: «Zuerst haben wir in Österreich unser Produkt über Ärzte vertrieben und so Vertrauen aufgebaut.» Hatten bis Ende 2019 noch über 300 Ärzte sowie Kliniken in ganz Europa an Patienten verkauft, sind es jetzt Kunden der Parfümerie- und Kosmetikkette Douglas. Der Grund für den Wechsel: «ökonomisches Interesse». Ärzte hätten in ihrem beruflichen Alltag einen anderen Fokus, so Thor.

Nina Ruge (L) and Wolfgang Reitzle

Moderatorin Nina Ruge mit Eheman Wolfgang Reitzle: Hautcreme-Tests mit Profit.

Quelle: Getty Images

Bei der Zulassung der Produkte gibt es kein Problem. In der Schweiz gilt für Kosmetika das Cassis-de-Dijon-Prinzip: EU-­rechtskonforme Produkte, die im jeweiligen Land im Verkehr sind, dürfen auch in der Schweiz verkauft werden. Für Arzneimittel gilt das nicht ohne weiteres.

Exklusivvertrag mit Douglas

Die rechtliche Seite scheint damit geklärt. «Mit Investor Pieper kommt jetzt die ökonomische Power rein.» Statt ins Marketing wird lieber in die Forschung investiert, «für den Vertrieb ist Douglas zuständig». Die Vereinbarung ist exklusiv, gilt grundsätzlich für ganz Europa inklusive Schweiz, und das soll fürs Erste auch so bleiben. Eigene Label-Shops oder ein Online-Vertrieb sind derzeit kein Thema. Seit Februar gibt es die Cremes bei Douglas in Deutschland. Jetzt soll auch die Schweiz drankommen. «Mit der Beteiligung von Herrn Pieper hat für uns die Schweiz an Bedeutung gewonnen.»

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Die Ladenpreise sollen zwischen 80 und 165 Euro liegen, das sind umgerechnet 85 bis 180 Franken.

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