Ruft De-Grisogono-Gründer Fawaz Gruosi, tanzen die Puppen. Kristallkönigin Fiona Swarowski, Missoni-Erbin Margherita Missoni, Victorias-Secret-Model Bianca Balti, Milliardärin Goga Ashkenazi und Ivana Trump, Ex-Frau des Immobilien-Tycoons Donald Trump. Alle feierten letzten August im Club «Billionaire» von Flavio Briatore auf Sardinien Gruosis 69. Geburtstag.

Der alternde Playboy genoss die Party. Zumal er mit seinem Uhren- und Schmuckhaus wenig zu feiern hat. Die Geschäfte laufen mässig, die Umsätze sind rückläufig, die Margen im Branchenvergleich tief, die Bankschulden drückend. Und das nicht erst seit gestern. 2001 eilte De-Grisogono-Konkurrentin Chopard – die dortige Chefin war Gruosis Ehefrau – mit einer Kapitalspritze zu Hilfe. 2008 war die nächste Frischgeldzufuhr notwendig. Dafür musste der Patron einen Teil der De-Grisogono-Aktien abgeben.

Jetzt aber hat Gruosi die Kontrolle über seine 1993 in Genf gegründete Firma ganz verloren. Er ist zwar noch Direktor und Kreativchef, hält aber nur noch 15 Prozent an seinem Lebenswerk. Eine Mehrheit von 75 Prozent besitzt laut Brancheninsidern eine Gruppe von europäischen und afrikanischen Investoren.

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Bei den Afrikanern handle es sich vor allem um Angolaner, präzisiert Gruosi. Wer aber die Angolaner sind, wollte er der «Handelszeitung» partout nicht sagen. Verständlich: Die neuen Investoren haben einen zweifelhaften Ruf, wohl kaum eine Schweizer Bank würde ihr Geld annehmen.

Das Sagen bei De Grisogono soll neu Isabel dos Santos haben. Die 39-Jährige ist die Tochter des angolanischen Alleinherrschers José Eduardo dos Santos, der seit über 30 Jahren an der Macht ist. Die Firma wollte die neuen Machtverhältnisse nicht kommentieren.

Geschäftsfrau dos Santos sitzt nicht selbst im Verwaltungsrat. Das übernimmt ihr portugiesischer Standard-Strohmann Mario Moreira Leite Da Silva. Er ist neu Präsident von De Grisogono und wird fast überall installiert, wo die Präsidententochter investiert. Damit ist Moreira gut ausgelastet. Denn dos Santos hat ihr auf mehrere hundert Millionen Dollar geschätztes Vermögen breit diversifiziert. Ob Rohstoffe, Telekommunikation, Diamanten, Baustoffe, Immobi­lien, Finanzindustrie oder Detailhandel – die Präsidententochter ist überall dabei.

«Gewaltige Summen über Tarnfirmen umgeleitet»

Den Grundstein ihres mittlerweile internationalen Imperiums legte sie im Alter von 24 Jahren. Kaum gegründet, erhielt ihre ersten Firma Urbana 2000 den lukrativen Auftrag, die angolanische Hauptstadt Luanda zu reinigen und zu desinfizieren. Später eröffnete sie mit dem «Miami Beach Club» den ersten Nachtclub des südwestafrikanischen Landes. Schliesslich stieg sie bei der staatlichen Ascorp ein, der einzigen legalen Handelsfirma für Diamanten von Angola. Dort lernte sie den israelisch-russischen Edelsteinkönig Lev Leviev kennen, mit dem sie bis heute gute Beziehungen pflegt.

Dreh- und Angelpunkt ihres Imperiums ist aber die Beteiligungsgesellschaft Santoro Finance mit Sitz in Portugal, der ehemaligen Kolonialmacht Angolas. Auch bei Santoro führt der neue De-Grisogono-Präsident Moreira den Verwaltungsrat. Über Santoro hält dos Santos namhafte Beteiligungen an diversen portugiesischen­ Banken, Telekomfirmen und TV-Sendern. Die Gesellschaft ist aber auch das Family Office der angolanischen Dynastie.

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Wie der einst streng marxistisch politisierende Clan zu seinem Milliarden-Vermögen kam, ist umstritten. Menschenrechtsorganisationen und Angola-Kenner werfen der Staatselite um die Familie dos Santos seit Jahren vor, sich an den Reichtümern Angolas schamlos zu bedienen. «Die staatlichen und parastaatlichen Firmen Angolas dienen seit je dem politischen und finanziellen Machtausbau der Präsidentenfamilie. Das jedenfalls ist ihr Hauptzweck», sagt Ricardo Soares de Oli­veira von der Universität Oxford. Das treffe für das Öl- und Diamanten-Geschäft zu. «Mit Scheinprivatisierungen werden gewaltige Summen über Tarnfirmen in private Hände umgeleitet», sagt Soares.

Ironischerweise hat Isabels Bruder José Filomeno in Zürich eine Stiftung, die sich für eine bessere Staatsführung in Angola einsetzt und gegen Geldwäsche kämpft. Sie müsste bei den dos Santos selbst genau hinschauen. Denn die Organisation Human Rights Watch und der Währungsfonds forderten den Präsidenten im Dezember auf, den Verbleib von 32 Milliarden Dollar aus dem Öl-Business zu erklären, die irgendwo versickert sind. Und die amerikanische Justiz führt Korruptionsermittlungen gegen eine in Angola aktive US-Ölgesellschaft.

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Der Kauf von De Grisogono bringt dos Santos und der angolanischen Diamantenindustrie den lang ersehnten Zugang zu den reichen Kunden. Bislang endete die Wertschöpfungskette beim Schleifen der Edelsteine und damit vor dem lukrativen Schmuckgeschäft. Wie in der Branche zu hören ist, soll dos Santos in den nächsten vier Jahren 100 Millionen Dollar in die Firma stecken. Der Plan sei, den Umsatz von aktuell 80 auf 200 Millionen Franken zu steigern – unter anderem mit einem mas­­siven Ausbau der Anzahl Läden. Heute gibt es weltweit erst 13 Shops.

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GEGENDARSTELLUNG

Isabel Dos Santos hat die Firma 2000 Urbana weder gegründet noch ist oder war sie Aktionärin dieser Firma. Frau Dos Santos hat nach ihrem Studium für eine kurze Zeit bei 2000 Urbana als Ingenieurin und Projektmanagerin gearbeitet.

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Santoro Finance ist nicht das Family Office der Dos Santos Familie. Santoro Finance ist eine portugiesiche Gesellschaft. Frau Dos Santos ist deren alleinige Aktionärin. Santoro Finance hält einzig zwei Beteiligungen an den portugiesischen Banken BPI und Banco BIC. Frau Dos Santos ist Mitglied des Verwaltungsrates der Banco BIC.

Der «Miami Beach Club» ist ein Strand-Familienrestaurant auf der Ilha de Luanda (Luanda Bay) und kein Night-Club.

Frau Isabel Dos Santos
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