Der Schweizer Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag baut in Thun, wie bereits angekündigt, Stellen ab. 40 Personen werden frühpensioniert, 22 weitere erhalten die Kündigung.

Für die Betroffenen wurde ein Sozialplan erarbeitet, wie die Ruag Holding mitteilte. Zudem werde ein Fonds für Härtefälle zur Verfügung gestellt. Dieser werde von der Ruag und den Arbeitnehmervertretern gemeinsam verwaltet.

Betroffen vom Stellenabbau ist die Abteilung Land Systems der Divison Ruag Defence in Thun. Dort laufen Ende Jahr mit dem Werterhaltungsprogramm für den Panzer Leopard und der Auslieferung des Genie- und Minenräumpanzers Kodiak für die Schweizer Armee zwei grosse, mehrjährige Projekte aus.

Die Ruag hatte bereits Ende Mai bekannt gegeben, dass sie einen Stellenabbau in diesem Umfang in Betracht zieht.

Gewerkschaften: Umbau verpasst

Die Gewerkschaft Unia und der Personalverband des Bundes (PVB) zeigten sich am Dienstag «schwer enttäuscht», dass der Konzern an den Abbauplänen festhalte. Nun müssten die Beschäftigten «die Zeche für die verfehlte Geschäftspolitik zahlen», heisst es in der Mitteilung weiter.

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Die Ruag-Spitze habe es in den letzten Jahren verpasst, das Unternehmen in einen zivilen, nachhaltigen Technologiekonzern umzubauen. Ausserdem gehe es nicht an, dass der Konzern den Gewinn steigere und gleichzeitig Mitarbeitende entlasse.

Fehlende Präzision

Erst vor wenigen Wochen enthüllte der «Beobachter», der wie die «Handelszeitung» zum Verlag Axel Springer Schweiz gehört, dass bei Ruag ganze Teams zur Konkurrenz wechselten und es bei Ruag-Produkten in der Vergangenheit zu gravierenden Fehlern kam, die den Konzern unnötig Gelder kosteten.

Nach Frankreich lieferte die Ruag etwa einen Gewehrlaser aus, dessen Streubereich man statt auf der Einsatzdistanz von 300 Metern nur auf der Distanz von zwei Metern getestet hatte. Erst als die französische Armee sich über die fehlende Präzision beklagte, bemerkten die Entwickler der Ruag den Fehler.

In der Vergangenheit ging das Staats-Unternehmen resolut gegen Kritiker vor: 2007 versuchte die Ruag-Rechts­abteilung, einen kleinen Privatunternehmer mit der Androhung einer Konventionalstrafe von rund 400'000 Dollar einzuschüchtern, weil dieser behauptet hatte, seine Produkte seien leistungsfähiger und günstiger als jene der Ruag. Die Forderung der Ruag 
erwies sich als haltlos.

(chb/sda)