Grosse Dinge werfen ihre Schatten voraus: Die Umbauarbeiten bei Lufthansa, kurz vor Weihnachten verkündet, haben Ex-Swiss-Chef Harry Hohmeister zum eigentlichen Chefpiloten des Konzerns befördert. Unter CEO Carsten Spohr leitet Hohmeister nun sämtliche Passagier-Airlines, inklusive des Billigfliegers Eurowings, der nicht mehr via Chef in der Konzernleitung vertreten sein wird.

Der bisherige Eurowings-Chef Thorsten Dirks, aus der Telekommunikationsbranche zur Lufthansa gestossen, übernimmt im Vorstand ein Digitalisierungs- und Innovationsressort – es kommt seinen Fähigkeiten deutlich mehr entgegen als das klassische Luftfahrtgeschäft, das Hohmeister von der Pike auf gelernt hat. Damit ist die Konzernleitung nun «funktional» aufgestellt, dennoch gilt Hohmeister als Chef des Flugbetriebs und damit als Primus inter Pares im Vorstand unter Spohr.

Neu in der obersten Etage residiert Christina Foerster, die ihren Chefjob bei Lufthansa-Tochter Brussels verliess, um im Vorstand das Ressort Umwelt und Gesellschafts- und Kundenbeziehungen, darunter das Meilenprogramm «Miles & More», zu führen.

Boston Consulting Group als Rekrutierungs-Reservoir

Auffällig im Personaltableau bei der Lufthansa ist der Rückgriff auf die ­Boston Consulting Group (BCG) als Rekrutierungs-Reservoir: Die jungen Topshots Alexis von Hoensbroech, Chef der Aus­trian Airlines, und Foerster waren zuvor bei BCG. Ebenfalls von dort stösst nun Patrick Staudacher, bisher Senior Partner bei BCG, als Finanzchef der zentralen Konzern-Fluglinie Passage zur Lufthansa. Das Ganze hat Historie: Seit 2010 sitzt Martin Koehler im Aufsichtsrat der Lufthansa, langjähriger Top-Berater bei BCG für die Airline-Branche; er könnte den Nachwuchskräften in den Sattel geholfen haben.

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Allerdings hat seit 2016 auch McKinsey ein Einfallstor zur Lufthansa: Detlef Kayser, der 2016 als Verantwortlicher für Flotte und Strategie von den «Meckies» zur Lufthansa stiess. Auch er sitzt, seit rund einem Jahr, in der Konzernleitung.

International Airlines Group als Vorbild

Dass Eurowings künftig nicht mehr im Vorstand vertreten ist und die Passage mit einem Finanzchef ausgestattet wird, ex­plizit «vor dem Hintergrund der geplanten rechtlichen Verselbständigung» der Kranich-Fluglinie, deutet auf eine künftige Konzernstruktur nach dem Vorbild der International Airlines Group (IAG) hin: Hier leitet eine Holding, die IAG, eine Reihe von Fluglinien rund um British Airways, Iberia und den Billigflieger Vueling auf Armlänge, sodass die Geschäftsleitungen der einzelnen Fluglinien relativ un­abhängig ihr Geschäft betreiben können – Synergien, etwa beim gemeinsamen Einkauf von Flugzeugen, nutzen die Schwester-Fluglinien aber natürlich aus.

Womöglich verspricht sich Spohr von diesem Modell aber auch eine einfachere Integration von akquirierten Fluglinien – eigentlich hätte Eurowings, die per Übernahmen wachsen sollte, gekaufte Airlines wie «an einer Steckerleiste» bei sich an­docken lassen sollen. Von dieser Vorstellung hat sich der Konzern inzwischen ­verabschiedet