Es gab eine Zeit, in der Menschen nicht mit den Fingern, sondern einem Stift auf einem mobilen Gerät herumtippten. Immerhin ein Touchscreen, aber eben nur mit Stift zu bedienen. Damals hiessen diese Geräte auch noch nicht Smartphone, sondern Personal Digital Device, kurz PDA. Erinnern Sie sich? Der Palm gehörte in den neunziger Jahren zum bevorzugten Gadget von Geschäftsleuten. Dann verschwand er und wurde von Blackberry, Nokia und Co. abgelöst. Bis diese wiederum von so genannten Smartphones wie dem iPhone abgelöst wurden. 

Jetzt kommt wieder ein Gerät von Palm auf den Markt. Keine Sorge, der Stift feiert kein Comeback. Trotzdem haben sich die Macher des neuen Geräts etwas Besonderes einfallen lassen, um auf dem übersättigten Smartphone-Markt eine Nische zu finden. Während Smartphones wie mit dem iPhone Xs Max gerne wieder grösser werden, und in der oberen Preisklasse mittlerweile so teuer wie ein Laptop sind, lanciert Palm ein etwas anderes Smartphone.

A Palm Pilot, showing the screen and magnetic pen of the PDA. (KEYSTONE/SCIENCE PHOTO/Scott Camazine) ===  ===

Wer erinnert sich noch? Der Palm-Pilot Ende der 90er Jahre.

Anders vor allem, weil es ziemlich klein ist. Der neue Palm ist kaum grösser als eine Kreditkarte. Aber auch sonst hat das Gerät nicht mehr viel gemeinsam mit dem PDA von damals. Zumal die Firma auch nicht mehr die gleiche ist, die in den neunziger Jahren die klobigen Geräte mit Schwarz-Weiss-Bildschirm auf den Markt brachte. Das chinesische Unternehmen TCL hatte die Rechte an Palm vor rund drei Jahren von HP abgekauft. Diese wiederum verkaufte sie schliesslich an ein Startup, das jetzt mit der Kultmarke den Smartphone-Markt aufwirbeln will. Dieses Startup sitzt in San Francisco

Palm

Mit einem minimalistischen Design will Palm wieder von sich reden machen.

Quelle: ZVG
Anzeige

Im November möchten die beiden ehemaligen Samsung-Entwickler Dennis Miloseski und Howard Nuk nun das spezielle Smartphone mit ihrem gleichnamigen Startup auf den Markt bringen: Speziell ist das Telefon, weil es klein ist. Aber auch vom Nutzen haben die beiden Gründer eine klare Vorstellung: Das Mini-Smartphone soll handlicher als herkömmliche Mobiltelefone sein und deshalb als Zweitgerät dienen.

Etwa zum Sport machen oder wenn man abends ausgeht. In den Tageszeiten also, in denen man keine Mails mehr auf dem grösseren Smartphone schreiben will oder muss und ein Gadget einfach praktisch verstauen möchte. 

palm

Soll sich für sportliche Aktivitäten eignen: Das kleine Palm-Smartphone.

Quelle: ZVG

Doch nicht nur das: Palm schreibt auf der Website auch, dass das Smartphone dazu diene, «die wahren Momente des Lebens nicht zu verpassen». Kurzum: Der neue Palm soll weniger ablenken. Es lässt sich leicht in die Hosentasche (ver-)stecken und soll nur für «wichtige Botschaften» genutzt werden und nicht für das andauernde «Getippe». Die Botschaft von Palm ist eindeutig: Benutze dieses Telefon nur, wenn du es brauchst. Zudem nimmt der Gebrauch von Sprachbefehlen zu. Dafür reicht auch ein kleines Telefon, da man nicht mehr andauernd Tippen muss. 

Trotzdem können Daten leicht mit einem Androidgerät oder iPhone ausgetauscht werden. Besonders am Abend solle das Gerät gemäss den Herstellern aber möglichst wenig benutzt werden, damit man sich auf Gespräche mit Freunden konzentrieren kann. Man solle sich nicht dauernd ablenken. Wenn der Nutzer nicht gestört werden will, kann er den «Life Modus» einschalten, der weniger wichtige Nachrichten filtert. 

Anzeige

Mit dem kleineren 3,3-Zoll Touchscreen ist die Handhabung des Palms anders als bei einem marktüblichen Smartphone. Diese sind mittlerweile mindestens 5 Zoll gross. Wobei der neue Palm damit auch etwas Retro ist. Denn vor einigen Jahren orientierten sich alle Smartphones an ungefähr dieser Grösse. Das erste iPhone verfügte über einen 3,5-Zoll-grossen Screen. Trotz der kleineren Bauart kann die Kamera mit anderen Smartphones mithalten: Es verfügt auf der Rückseite über eine 12-Megapixel-Kamera, auf der Vorderseite bietet es 8-Megapixel. Das Gerät wird mittels Gesichtserkennung entsperrt.

Das Gerät ist erstmals im November in den USA erhältlich. Wann weitere Märkte folgen, ist noch unklar. In den USA soll der neue Palm 350 Dollar kosten.