Die neue Transparenz währte nur gerade ein paar Stunden. Kurz waren am Mittwoch die neuen Schweizer TV-Quoten öffentlich, auf die Sender und die Öffentlichkeit so lange gewartet hatten. Dann aber verbannte der Sender 3+ unter Geschäftsführer Dominik Kaiser mit einer zweiten einstweiligen Verfügung die Daten wieder in die Dunkelkammer.

Das kommt nicht von ungefähr. Die neuen TV-Daten zeigen für 3+ ein Minus von 16 Prozent. Mit dem horrenden Zuschauerverlust ist der Sender einer der grössten Verlierer. Ebenso schlecht stehen RTL (minus 25 Prozent), Sat1 (minus 18 Prozent) und RTL2 (minus 10 Prozent) da.

Falsche Daten

Bei 3+ stellen sich die Verantwortlichen nach wie vor auf den Standpunkt, dass die neuen Zahlen nicht stimmen. Daher erwirkten sie auch die erneute Verfügung gegen die Veröffentlichung (siehe Akten unter Downloads). 

Seit Januar wird der Konsum der TV-Programme in der Schweiz mit einer neuen Messmethode erfasst. 3+ zweifelt das komplizierte neue System an. Unter anderem wird eine Übervertretung der ländlichen Gebiete bei der Messung kritisiert. Und die seien tendenziell SRF-treu. Die städtischen Gebiete dagegen werden als jünger und affiner für Sender wie 3+ eingeschätzt.

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Hohe Kosten drohen

Doch der Kampf gegen die neuen Quoten könnte 3+ teuer zu stehen kommen. Dies zeigen Unterlagen, die handelszeitung.ch vorliegen. Auf 110 Seiten argumentierte Mediapulse im April vor dem Obergericht Nidwalden, weshalb die von 3+ erwirkte Nicht-Veröffentlichung ihr massiven Schaden zufüge. «Die meisten Kosten, die bei Mediapulse entstehen, sind Fixkosten. Dieser Schaden beträgt rund 800‘000 Franken pro Monat», schreiben darin die Anwälte. Und sie fordern deshalb einen entsprechenden Betrag von 3+ als Sicherheitsleitung. Dominik Kaiser von 3+ kontert: «Das ist eine Schutzbehauptung, die für uns nicht nachvollziehbar ist. Mediapulse hat ein neues Messsystem eingeführt, das nur sehr fehlerhaft funktioniert und auf einer falschen Datenbasis basiert. Die Frage ist wohl eher, wie hoch unsere Schadenersatzforderungen sind.»

Wie die Anwälte in dem Dokument weiter ausführen, haben verschiedene Kunden ihre Zahlungen unterbrochen oder ganz eingestellt. Handeslzeitung.ch berichtete schon Anfang April über absehbare Liquiditätsprobleme bei Mediapulse ab Sommer. Die neue Verfügung erreichte die Mediapulse gestern um 16 Uhr und hat offenbar die Ausgangslage verändert. «Wir werden die Lage neu beurteilen», sagt ein Mediapulse-Sprecher.

Pokern um Kosten

Würde ein Gericht der Forderung zustimmen, drohen 3+ schnell Kosten von mehreren Millionen Franken. Dazu kommen noch die Kosten für Anwälte und Gerichte. Alleine dafür dürfte 3+ laut Insidern bereits jetzt gegen eine halbe Million Franken ausgegeben haben. Da das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, laufen weitere Kosten auf. Verliert 3+, müsste der Sender allenfalls auch noch die Anwaltskosten von Mediapulse tragen. 3+-Chef Kaiser pokert hoch.

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