Der in der Schweiz lebende Transportunternehmer Klaus-Michael Kühne erwägt offenbar, Teile des Konzerns aus dem Land zu verlagern. «Die Schweiz ist unberechenbar geworden. Das Land kann nicht auf einer Insel leben», sagte Kühne der «Welt am Sonntag». Sein Konzern Kühne + Nagel brauche demnach Topmanager aus vielen Ländern.

 «Sollte es tatsächlich zu Einschränkungen in der Zuwanderung kommen, müssen wir einen Teil unserer Hauptverwaltung irgendwo anders ansiedeln», sagte der Mehrheitseigentümer des Transportkonzerns der Zeitung. In der Schweiz sei es populär geworden, unkonventionell abzustimmen.

Der Wind dreht sich

Der Transportunternehmer ist kein Einzelfall mehr. Das Erdölunternehmen Weatherford begründete seinen Umzug von der Schweiz nach Irland vor wenigen Wochen damit, dass man dort zu «tiefstmöglichen Kosten» arbeiten könne.

Economie-Suisse-Chefökonom Rudolf Minsch betonte im Interview mit handelszeitung.ch kürzlich: «Die Schweizer Konkurrenz ist nicht zimperlich. Wir stellen relativ aggressive Abwerbeversuche fest – nicht nur vonseiten Irlands, auch von anderen Standorten

Unverständlich, wie manche Unternehmen mit Geld um sich werfen

Gleichzeitig zieht die Schweiz deutsche Manager laut Tranportunternehmer Kühne an, zuletzt gab Lufthansa-Chef Christoph Franz den Wechsel auf den Posten des Verwaltungsratspräsidenten von Hoffmann-La Roche bekannt. «Solch ein Posten ist für viele attraktiv. Der Verwaltungsratspräsident hat eine Machtposition gegenüber der Geschäftsleitung, und auch im Verwaltungsrat ist er eine Autorität. Außerdem ist er oftmals sehr gut dotiert», so Kühne.

Dennoch fände er es unverständlich, wie manche Unternehmen mit Millionen Franken herumwerfen würden. «In der Schweiz entsteht auch dadurch jetzt eine Neidkultur, wie es sie in Deutschland schon lange gibt», sagte Kühne. Das könne nur zu weiteren Volksabstimmungen in der Schweiz führen, Verwaltungsratshonorare und Managergehälter zu begrenzen.

(moh)

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