ZAI.

Ein paar Zeilen im Playboy gaben den Anstoss. Zwischen deftigen Kurven las da ein Münchener Hersteller von Technocarbon über die Bündner Skimanufaktur Zai, die einen exklusiven Ski mit Holzkern produziert. «Man könnte doch Granit mit Kohlenfasern statt verleimtes Holz verwenden», ging ihm durch den Kopf. Ein Mail an den Unternehmer Simon Jacomet in Disentis genügte, und der Funke sprang über: Eineinhalb Jahre tüftelten die beiden mit Gneis, einem speziellen Granit aus dem Calancatal, der unter hohem Bergdruck entstanden ist.

Der Stein wird mit Hochpräzisionsmaschinen Zehntelmillimeter genau zu dünnen Gneis-Platten in Skiform geschliffen und dann in München in einem streng geheim gehaltenen Verfahren zu Carbonfaser-Stein verarbeitet. Aus diesem Material bauen die Zai-Werker der Manufaktur in Disentis in Handarbeit einen Ski mit einzigartigen Fahreigenschaften zusammen: Spada, das Schwert. Ein Luxusski in limitierter und nummerierter Auflage von 111 Stück zu 5500 Fr. pro Set. Ein Steinski, der nur als Paket mit Ski, Bindung, Stöcken und Skisack zu haben ist.Dabei ist Spada nicht nur stabil und schwungvoll zum Fahren, sondern auch ein Kunstwerk, das von seinem Besitzer auch mal an die Wand gehängt wird. «Das stört mich überhaupt nicht», sagt der 44-jährige Jacomet. «Im Gegenteil: Es zeigt die grosse Wertschätzung gegenüber unserem Produkt.» Zai produziert sechs verschiedene Alpinskis, deren Preise aber immer noch weit über den industriellen Massenskis liegen. Ein günstigeres Skipaket mit Holzkern ist für 3300 Fr. zu haben.

Kloster und Berg prägen

Jacomet ist der Erfinder und Begründer von Zai. Der Klosterschüler aus Disentis hat in Florenz Kunst studiert, war lange als Skilehrer tätig, arbeitete bei Skiproduzenten wie Völkl und Salomon, bis er sich entschied, seine eigene Manufaktur für Edelskis zu eröffnen. Er hatte genug von der Massenproduktion, wo sich fast alles um den Preis dreht.300000 Fr. betrug das Startkapital, das mit Hilfe von Unternehmern wie Walter Bosch zusammenkam, der sich prompt als VR-Präsident engagierte. Während sich Jacomet vor allem der Entwicklung widmet, ist Andy Schlatter zuständig für das Kaufmännische – so wie Bosch ein ehemaliger Chef einer Werbeagentur. Zai ist Rätoromanisch, steht für zäh und für eine Geisteshaltung. «Die Suche nach der idealen Linie im Schnee, die Abneigung gegen jede Form von Kompromiss», heisst es in der Verkaufsbroschüre. Die Verwandtschaft mit einem ähnlichen Wort aus fernöstlicher Philosophie sei nicht zufällig.In der Werbung wird geklotzt: 20% der Aufwendungen fliessen ins Marketing. Eine Art «Zai-Bibel» soll die kompromisslose Botschaft verbreiten, gespickt mit Zitaten von Meinungsmachern wie Christoph Franz, CEO von Swiss: «Falls es einen Zai-Fan als Testimonial braucht: Ich bin einer geworden.» Zur exklusiven Zai-Gemeinde gehören auch klingende Namen wie «Yello» Dieter Meier, die Bergläuferin Nicola Erni oder Tatjana Prinzessin zu Schaumburg-Lippe.Selbst Abt Daniel vom Kloster Disentis bekennt sich zum Zai-Geist: «Seit 1300 Jahren sind in Disentis Mönche dem Leben auf der Spur. Sie wollen einschwin-gen in die Choreografie eines Grösseren.» Wie Zen-Schüler sind für ihn «Mönche, Tänzerinnen und manchmal auch eine besondere Art Skifahrer».Für den Gründer und die sieben Mitarbeitenden ist der Blick auf die Berge zentral. Die Gipfel bringen die nötige Ruhe, wenn in fünf Stunden Handarbeit ein Ski entsteht.Für deren Absatz sorgen 60 Zai-Händler in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Spanien, Benelux, Skandinavien, Tschechien, Nordamerika und Neuseeland. Weitere Märkte wie Russland, Argentinien, Chile, Japan und Korea werden bearbeitet. Beim Treffen mit Jacomet ist dieser gerade im Aufbruch nach Moskau, wo er sein Produkt skibegeisterten Russen schmackhaft machen will.

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Expansion in kleinen Schritten

Trotz Auslandpräsenz und teurem Preisetikett ist die Manufaktur noch kein profitables Geschäft. Die gegenwärtige Kapazität beläuft sich auf 850 Paar Ski pro Jahr und soll bis in fünf Jahren auf 3300 Skis gesteigert werden.Bis dann wird auch die Belegschaft in Disentis auf 13 bis 14 Leute aufgestockt. «In Zukunft wird es die grosse Masse von Billigskis und solche wie Zai im Premiumsegment geben», sagt Jacomet. «Die Mitte wird es schwierig haben.»