MEDISIZE. Für Hans Grüter, Finanzchef des Medtechunternehmens Medisize, ist klar: «Natürlich kann man aus Medisize noch mehr machen», sagt er im Gespräch mit der «Handelszeitung». «Dadurch werden wir auch weitere Aktionäre gewinnen können.»

Das Unternehmen mit Sitz in Wattwil SG und über 1200 Mitarbeitern ist erst vor 16 Monaten als eigenständiges Unternehmen an der Schweizer Börse (SWX) kotiert worden. Vorher firmierte Medisize als Healthcare-Sparte des Industrieunternehmens Gurit. Im ersten «eigenen» Geschäftsjahr wurden 2006 ein Umsatz von rund 250 Mio Fr. sowie ein Betriebsgewinn (Ebit) von 30 Mio Fr. erzielt.

Wachstum als Rettung

Hans Grüter bekräftigt, dass im laufenden Jahr der Umsatz wie geplant 270 Mio Fr. und der Betriebsgewinn 33 Mio Fr. betragen soll. Die Wachstumsstrategie, welche sich Medisize zum Ziel gesetzt hat, soll auch in den nächsten Jahren fortgeführt werden. Sie soll dem Unternehmen ermöglichen, in fünf Jahren seinen Umsatz zu verdoppeln (siehe «Nachgefragt»). Auf dieses Wachstum ist Medisize angewiesen. Denn das Unternehmen hat die kritische Grösse noch nicht erreicht, um als selbstständige Firma zu überleben. Hinzu kommen mehrere Problemfelder. So sind beispielsweise die Investoren noch nicht auf ihre Rechnung gekommen. Denn der Aktienkurs von Medisize verzeichnete seit der Kotierung an der SWX ein stetiges Auf und Ab und stand mit zuletzt etwas über 87 Fr. gar unter dem Ausgabepreis. Immerhin stellt Finanzchef Grüter auch für das Geschäftsjahr 2007 eine Dividende in Aussicht: «Für das Geschäftsjahr 2006 schütteten wir einen Drittel des Konzerngewinns als Dividende aus. Dies kann sicher als Messlatte für zukünftige Dividendenzahlungen angesehen werden», sagt er.

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VR verkauft eigene Aktien

Dies wird auch die Medisize-Verwaltungsräte freuen. Gemäss der Liste der meldepflichtigen Börsentransaktionen der SWX haben diese nämlich bisher nur Titel abgestossen, aber nie zugekauft. «Es steht ausser Frage, dass der Verwaltungsrat voll und ganz hinter der Firma steht», bestreitet Grüter den Verdacht, dass die Verwaltungsratsmitglieder der Firma gegenüber skeptisch eingestellt sind. Auch die Analysten gilt es noch zu überzeugen: Sowohl die Credit Suisse als auch die Bank Vontobel stufen die Aktie mit «Halten» ein.Das zweite Problemfeld ist in der Medicalsparte der Firma zu finden, die noch nicht so läuft, wie es Investoren und Management erwarten. Der Grund dafür ist bei den Beatmungsgeräten zu finden, welche in Spitälern für Operationen oder die Intensivpflege eingesetzt werden. Momentan werden für dieses Segment deshalb «alle Optionen» geprüft.Die andere Sparte – der Dentalbereich – verzeichnet laut Grüter hingegen «gute» Margen und ein «solides» Wachstum. Entwickelt werden hier Dentalprodukte wie Zahnzement oder Füllmaterialien. Am Markt tritt Medisize mit dieser Sparte unter dem Namen Coltène/Whaledent auf. Zu den wichtigsten Kunden gehören die beiden globalen Vertriebsgesellschaften Patterson Dental und Henry Schein. Hauptkonkurrenten im Dentalbereich sind die Firmen Dentsply, Danaher und 3M.

Der Chef ist zu weit weg

Als drittes Problem gilt die grosse Distanz zwischen Finanzchef Hans Grüter und CEO Jerry Sullivan: Grüter sitzt in der Schweiz, Sullivan in den USA. «Ich komme gut damit klar», sagt Grüter zwar. Dank Telefon und E-Mail sei der «rege Kontakt» zwar sichergestellt. Er würde es aber begrüssen, wenn sie einen noch «direkteren und unmittelbareren» Kontakt hätten. Veränderungen stünden diesbezüglich momentan aber nicht an.

Der Finanzchef

von Medisize

über die Wachstumsoffensiven des Medtechunternehmens.

Aktuell prüfen Sie in den USA die Bücher einer Dentalfirma. Erfolgt dieser Zukauf noch 2007?

Hans Grüter:

Zum Zeitpunkt möchte ich keine Aussagen machen. Aber selbst wenn solch ein Schritt rasch über die Bühne gehen sollte, würde er sich nicht unmittelbar auf den Umsatz oder die Margen auswirken.

Zuerst lag der Fokus bei der Suche nach Zukäufen im Medicalbereich. Weshalb diese Ausweitung auf beide Unternehmensbereiche?

Grüter: Weil beide unserer Geschäftsfelder gute Wachstumschancen bieten. Und weil wir dafür finanziell gut aufgestellt sind.

Welche Gelder stehen Ihnen denn dafür zur Verfügung?

Grüter: Weitere Schulden in Höhe von 100 bis 120 Mio Fr. könnten wir gut verkraften. Medisize hat eine äusserst solide Bilanz.

Umgekehrt suchen Sie für den kriselnden Bereich der Beatmungsgeräte eine Lösung. Laufen bereits Verkaufsgespräche?

Grüter: Die Margen in diesem Bereich sind seit dem kürzlich erfolgten Ärztestreik in Deutschland arg unter Druck und erholen sich nur langsam. Mehr können wir dazu aber momentan nicht sagen.

Bis wann soll die entsprechende Entscheidung fallen?

Grüter: Wir stehen nicht unter Zeitdruck, weil es kein Verlustgeschäft ist. Ich bin aber ein Sportler. Und Sportler machen gerne vorwärts (schmunzelt).

Wie sieht es mit einer Kooperation im Bereich der Verpackungen mit der Urner Firma Dätwyler aus?Schliesslich amtiert Dätwyler-Chef Paul Hälg auch als VR-Präsident von Medisize...

Grüter: ... dieser personelle Zusammenhang ist aber der einzige. Wir sind in unterschiedlichen Märkten tätig.

Wo steht Medisize in fünf Jahren?

Grüter: Abgeleitet von unserer Wachstumsstrategie wäre ein Umsatz von 500 Mio Fr. realistisch. Und wir sind immer noch ein eigenständiges Unternehmen.