Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank soll Insidern zufolge am 7. Juli den Weg für einen massiven Stellenabbau freimachen. Bei der Sonntagssitzung solle das Kontrollgremium den Umbauplan beschliessen, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Den Plänen zufolge sollten weltweit bis zu 20´000 Stellen wegfallen - ein Fünftel der Belegschaft von zuletzt rund 91´500 Mitarbeitern. Eine Sprecherin der Deutschen Bank lehnte eine Stellungnahme ab.

Auch der Vorstand wird umgekrempelt

Der Umbau dürfte auch mit Veränderungen im Vorstand verbunden sein. Hinter Investmentbanking-Chef Garth Ritchie steht schon länger ein Fragezeichen, ebenso wie hinter seiner für Compliance zuständigen Kollegin Sylvie Matherat. So werde diskutiert, den Vorstand zu verkleinern, sagten zwei der Insider.

Demnach könnte Konzernchef Christian Sewing im Vorstand auch die Verantwortung für die Investmentbank übernehmen. Im Gespräch sei, dass der Vizechef der Investmentbank, Mark Fedorcik, und der Leiter der Transaktionsbank, Stefan Hoops, gemeinsam die Nachfolge von Ritchie übernehmen. Sie würden aber anders als Ritchie nicht dem Vorstand angehören sondern an Sewing berichten, sagten zwei der Insider. Eine dritte Person sagte, die Diskussionen dauerten an, es sei noch vieles im Fluss.

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Ritchie, Fedorcik und Hoops lehnten über einen Sprecher eine Stellungnahme ab. Auch die Deutsche Bank wollte sich nicht äussern.

Harte Einschnitte sind nötlig

Sewing hatte Ende Mai auf der Hauptversammlung erklärt, er sei zu «harten Einschnitten» vor allem bei der seit Jahren darbenden Investmentbank bereit. Ausserhalb Europas wird das Institut seine Aktienhandels- und Zinshandelsgeschäfte voraussichtlich deutlich schrumpfen oder sogar komplett schliessen. So soll Insidern zufolge das US-Aktienhandelsgeschäft auf ein Minimum reduziert werden, auch der Handel mit Staatsanleihen soll zusammengestrichen werden.

Der Schrumpfkurs dürfte die Unternehmens- und Investmentbank des Konzerns, in der aktuell gut 38.000 Menschen beschäftigt sind, besonders hart treffen. Aber auch an anderen Bereichen dürfte der Umbau nicht spurlos vorbeigehen. So wurde erst am Freitag bekannt, dass die Integration der Postbank in den Deutsche-Bank-Konzern wohl weitere knapp 2000 Stellen kosten wird.

Renditeziel von vier Prozent nicht erreichbar

Nicht mehr benötigte oder zu risikoreiche Anlagen oder Finanzinstrumente könnten in einer Abbau-Einheit landen. Diese interne Bad Bank könnte einem Insider zufolge ein Volumen von bis zu 50 Milliarden Euro haben.

Dabei solle es sich vor allem um langlaufende Derivate handeln. Wegen der Kosten für den Konzernumbau wird die Deutsche Bank Insidern zufolge ihr für 2019 gestecktes Renditeziel von vier Prozent verfehlen - aber schon vor Sewings Ankündigungen auf der Hauptversammlung hatten die meisten Investoren dieses Ziel für unerreichbar gehalten.

(reuters/tdr)