Die Verarbeitung von Öl läuft in der Schweiz trotz Krise auf hohem Niveau weiter. «Die Raffinerie Cressier ist nahezu voll ausgelastet», sagt Florence Lebeau, Sprecherin von Varo Energy. «Im Moment gibt es keine Probleme mit der Treibstoffversorgung der Schweiz

Der Konzern betreibt in Cressier die einzige noch in Betrieb stehende Raffinerie in der Schweiz. Absatz finden vor allem die Raffinerieprodukte Heizöl und Diesel. «Die Nachfrage nach Benzin geht um etwa 50 Prozent zurück», so Lebeau weiter.

Abhängig von Frankreich

Vorderhand hat die Raffinerie auch noch keine Probleme mit der Zufuhr von Erdöl aus dem Ausland, das dann in der Schweiz weiterverarbeitet wird. Das Öl wird durch eine Pipeline vom Hafen von Marseille in Südfrankreich nach Cressier gepumpt.

Allerdings ist die Raffinerie damit abhängig von den Massnahmen, die Frankreich im Zusammenhang mit der Coronakrise umsetzt und welche den Hafen von Marseille und die dortige Infrastruktur betreffen.

Dazu gehören die Schlepper im Hafen von Marseille, welche die Rohölschiffe zu den Entladestellen bringen, das Hafenpersonal, die Lagerinfrastruktur und auch die Pipeline-Infrastruktur.

Anzeige

«Bisher haben diese Stellen gut funktioniert, aber in letzter Zeit musste der Hafen die Anzahl der entladenden Schiffe reduzieren», teilt Varo mit. Vorrang erhalten nun Verlader, die von der französischen Regierung als strategisch wichtig erklärt wurden.

«Varo ist noch nicht in dieser Liste aufgeführt, arbeitet aber aufgrund seiner strategischen Position als einzige Raffinerie in der Schweiz daran, ebenfalls in diese Kategorie aufgenommen zu werden».

Tiefe Wasserstände im Rhein

Cressier produziert rund 25 Prozent des Bedarfs an Treibstoffen in der Schweiz und importiert fast noch einmal die gleiche Menge. Hierfür verwendet das Unternehmen auf dem Rhein Lastkähne, die Produkte vom Rotterdamer Hafen zu den Terminal in Basel bringen, sowie Schienenfahrzeuge, die hauptsächlich Produkte aus Deutschland bringen, und eine Pipeline aus Frankreich.

All diese Logistik funktioniere trotz des Corona-Virus-Problems weiterhin gut. Allerdings sei die Einfuhr via Binnenschiffen immer mehr eingeschränkt, da die Wasserstände bei dem derzeitigen guten Wetter sinken, so der Konzern.

Temperaturkontrollen bei den Mitarbeitern

In Cressier selber hat man auf das Coronavirus auch im alltäglichen Betrieb reagiert. Teams wurden physisch getrennt, Personen kommen über verschiedene Eingänge in die Raffinerie rein.

Es werden zudem bei den Mitarbeitenden Temperaturkontrollen durchgeführt. Besprechungen werden aus der Ferne durchgeführt. Und das Büropersonal arbeitet in der gesamten Gruppe von zu Hause aus.