Welchen Einfluss haben die Marktunsicherheiten auf institutionelle Anleger? Die heutigen tiefen Zinsen sind Ausdruck einer grossen Geldschwemme. Diese beeinflusst nebst dem Zinsniveau die Aktienbewertungen, die Renditen der defensiven Hedge-Fonds, die Unternehmensanleihen und die Immobilienfonds.
Wie wirkt sich der regulatorische Druck aus? Der Mindestzinssatz von 2,5% hat mehr mit dem politischen Konsens zu tun als mit der finanztechnischen Machbarkeit. Würde man der Regel von 60% der zehnjährigen Bundesobligationsrendite folgen, müsste der Mindestzinssatz bei 1,2% liegen.
Wie hoch sollte die Zielrendite sein? Sie liegt bei jährlich 4 bis 5%. Zum Mindestzinssatz von 2,5% kommt die Verzinsung der Rentnerguthaben von 4% bei einem angenommenen Drittel der Versicherten, was zu einem Sockel an Mindestverzinsung von 3% führt. Zudem werden für die zu tiefen Schwankungsreserven und die Pensionskassenführung 1 bis 2% benötigt.
Finden deswegen Umschichtungen statt? Sie fanden statt in die heute zu teuren, als defensiv beschriebenen Anlageklassen Immobilienfonds, Unternehmensanleihen und Arbitrage-Hedge-Fonds-Strategien. Graduell positiver beurteilt werden dekorrelierende Anlageklassen wie Rohstoffe und Edelmetalle.
Auf welche Anlageklassen setzen Sie? Wir empfehlen eine breitere Diversifikation in die Anlageklassen der Rohwaren, Immobilien, Edelmetalle, selektive Hedge-Fonds und Private Equity. Dadurch können Anleger ihren erwarteten Portfolioertrag bei gleichem Risiko steigern. In den traditionellen Anlageklassen reduzieren wir Small Caps, Unternehmensanleihen und Schweizer Obligationen. In den Rohwaren ziehen wir Landwirtschaftsgüter dem Energiesektor vor. In den Schweizer Immobilien kaufen wir, wo möglich, Anlagestiftungsanteile. In den Edelmetallen erscheinen uns Goldminentitel als unterbewertet. Im «Private Equity» fokussieren wir uns auf Europa. In den Staatsobligationen werden wir vorsichtig: Das heutige Zinsniveau nimmt eine Rezession im Jahre 2006 vorweg. Sollte sich das Weltwachstum auf dem heutigen Niveau halten, werden die Verluste in den Obligationen höher sein als in den Aktien.