Sie sind die letzten Mohikaner der alten Schweizer Bankentradition. Nur noch sechs Finanzinstitute dürfen sich als wirklich «echte» Privatbankiers bezeichnen – das heisst: Bankiers, die mit ihrem eigenen Vermögen unbegrenzt haften. Seit 1945 ist die Zahl der Finanzinstitute mit der Rechtsform Kommanditgesellschaft von rund achtzig auf sechs gefallen. Allein seit 2012 halbierte sich die Zahl nochmals. Die verbleibenden Bankhäuser: Bordier, Baumann, E. Gutzwiller, Mourgue d’Algue, Rahn & Bodmer sowie Reichmuth.

«Ich werde oft gefragt, ob ich angesichts der unbeschränkten Haftung gut schlafe», erzählt Christian Rahn. Er ist Mitinhaber der ältesten Schweizer Privatbank. 1990 übernahm er gemeinsam mit seinem Bruder Peter die Anteile seines Vaters an der Rahn & Bodmer Co. Ihr Gründungsjahr: 1750. Bilder der Stadt Zürich und Kunst zieren die Wände, am runden Holztisch finden normalerweise Kundengespräche statt. Eigentlich habe er mit dem Schlafen keine Probleme, fährt Rahn fort. «Unsere Strategie richtet sich ja nach unserer Rechtsform», erklärt er. Seine Bank halte sich von traditionell risikoreichen Geschäftssektoren wie dem Kreditgeschäft oder dem Investment-Banking fern.

Alte Werte, Blick nach vorne

Konservatives Banking, risikoarmes Anlegen und eine enge Bindung zum Kunden nennt auch Gregoire Bordier als die Vorteile, welche die alte Rechtsstruktur hat. Bordier entstammt wie Rahn einer alten Banker-Dynastie. Die Bank wurde 1844 gegründet. Doch Bordier ist sich auch bewusst, dass man mit der Zeit gehen muss – was den Auftritt und was das Geschäft betrifft. Man habe schon mehrfach geprüft, ob die aktuelle Struktur noch die richtige sei «Doch die Überprüfung kam zum Schluss: Es gibt keinen Grund, jetzt zu wechseln.» Die Vorteile seien sogar so gross, dass vielleicht schon bald neue «echte» Privatbanker aufs Spielfeld kommen.

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Dass das letzte Mal eine neue Bank zum exklusiven Zirkel der Banquiers Privés stiess, ist inzwischen 20 Jahre her. 1996 entstand die Bank Reichmuth. Sie ist unter den traditionsreichen Banken so etwas wie der rebellische Youngster – schon was die Rechtsform betrifft. Reichmuth ist eine Kommanditaktiengesellschaft. Die Holding, zu der die Bank gehört, ist eine Aktiengesellschaft, die Bank selbst eine Personengesellschaft mit den haftenden Partnern Christof Reichmuth, Jürg Staub und Karl Reichmuth

Vorteile des Hybrid-Modells

Als einen grossen Vorteil der Kommanditaktiengesellschaft sieht Christof Reichmuth die Tatsache, dass man die Vorteile von Privatbankiers und Kapitalgesellschaft kombiniert. «Als Privatbankiers sind wir nicht verpflichtet, die Bücher zu publizieren, und die Kapitalgesellschaft gibt uns die Möglichkeit, Gewinne zu reinvestieren.» Man sei auch sonst eher atypisch, sagt Reichmuth. Wie ein Augenzwinkern wirkt daher, was die Wände von Reichmuths Hauptsitz im denkmalgeschützten Luzerner Segesserhaus in der Rütligasse 1 ziert. Neben moderner Kunst hängen dort auch Stammbäume von Luzerner Dynastien vergangener Zeiten. «Ach, das sind nicht wir», sagt Reichmuth und lacht. «Das dynastische Denken liegt uns nicht.»

In nächster Zeit weht den Bankiers mit Regulierung und Forderungen nach mehr Transparenz ein strenger Wind entgegen. Wie gehen sie damit um? Halten Sie an ihrem Optimismus fest? Und was halten sie von «abtrünnigen» Banken, die die Rechtsform gewechselt haben? 

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