Im Juni präsentierten sich die Gründer des Banken-Startups Neon in der Fernsehsendung «Höhle der Löwen». Fünf Investoren bilden dort die Jury, die darüber entscheidet, welche Ideen etwas versprechen – und welche nicht. Für Neon war der Besuch mehr als ein Test, denn das Produkt gab es bereits. Die Neon-Jungunternehmer suchten Bestätigung. Und fanden sie. Zwei der fünf Juroren votierten in der Sendung für das Konzept. Zwei weitere beschlossen noch, Geld zu investieren, als die Kameras bereits abgeschaltet waren. Damals hatte Neon 5’000 Kunden.

Inzwischen ist das Unternehmen weitergewachsen. Diese Woche feierte das Team die Schwelle von 10’000 Kunden, wie Neon-Marketingchef Julius Kirscheneder der «Handelszeitung» erzählt. 80 Prozent nutzen das von Neon angebotene Bankkonto aktiv, 10 Prozent sogar regelmässig als Konto für Lohn- oder Mietzahlungen. «Das Wachstum ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass wir kaum Werbung machten.» Weniger als 3 Millionen Franken habe man bisher für den Aufbau von Neon ausgegeben, sagt Kirscheneder. «Ein Bruchteil dessen, was unsere Konkurrenten aufwenden.»

Zusammenarbeit mit Hypi Lenzburg

Neon ist eine Smartphone-Bank. Oder Teil davon. Denn selber gestaltet das Start­up nur das sichtbare Produkt und die ­Preise. Die Bankenmaschine im Hintergrund – Bilanz, Zahlungsverkehr, Bank­lizenz – stammt von der Hypothekarbank («Hypi») Lenzburg. Die Zusammenarbeit erlaubte einen schnellen Start und dynamischen Auftritt. Lanciert wurde Neon im Herbst 2018. Seit Anfang 2019 gibt das Unternehmen zusammen mit der Hypi Lenz­burg ausserdem eigene Mastercards aus – ohne externen Kartenherausgeber.

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Den Sitz hat Neon nicht im Aargau, sondern im Zürcher Aussenquartier Altstetten. Wo früher ein Platten­label einquartiert war, haben die Gründer ihre Zelte aufgeschlagen. Alles wirkt improvisiert. Wer das Fintech sucht, irrt meist erst einmal ein wenig durchs verlassene Treppenhaus. Es ist die Schweizer Version eines Firmen­sitzes in der Garage.

«Das Wachstum ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass wir kaum Werbung machten.»

Julius Kirscheneder, Neon-Marketingchef

Die lose Kooperation zwischen den Hipstern aus Zürich und den soliden Aargauern hat Vorteile, sie hat Neon aber auch schon einige Probleme verschafft. So steht die Anfang Jahr angekündigte Lancierung von Google Pay, mit dem Bankkunden via Handy Zahlungen in Geschäften tätigen könnten, noch immer aus. Die Zusammenarbeit mit dem Kartendienstleister sei etwas komplizierter als gedacht, gibt Kirscheneder zu. Bis Google Pay laufe, werde es noch ein paar Monate dauern. «Das ist sehr ärgerlich für uns.»

Auch daure es für Neon noch immer zu lange, bis die Kartenzahlungen auf dem Bankkonto gebucht würden. Beim grossen Konkurrenten und Vorbild Revolut geschieht das in Sekundenschnelle, obwohl die gleiche Technologie zur Anwendung kommt. 

Vermutlich hat man in Lenzburg und Altstetten mit einem langsameren Start gerechnet. Nach dem Auftritt in der Fernsehsendung habe man bis zu 300 Kontoeröffnungen pro Tag durchführen müssen, sagt Kirscheneder. Zu viel für den Kundendienst. Der ursprünglich in wenigen Stunden abgewickelte Eröffnungsprozess dauerte plötzlich mehr als eine Woche. Mittlerweile habe man das wieder im Griff, betont der Neon-Gründer.

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Für den weiteren Ausbau haben sich die Jungunternehmer nun frische Mittel beschafft. Ende September fand eine Kapitalerhöhung statt, über die mehr als 4 Millionen Franken Eigenkapital zuflossen. Zu den neuen Aktionären gehören nicht nur die Fernsehlöwen, sondern auch der Medienkonzern Tamedia und der Venture-Capital-­Investor Backbone Ventures. Die genauen Anteile werden von Neon nicht offengelegt. Die neu ausgegebenen Aktien belaufen sich laut Handelsregister aber auf etwa 30 Prozent des Aktienkapitals. Gemessen am Ausgabepreis wäre Neon etwa 13 Millionen Franken wert.

Kapitalerhöhung im September

Neon ist eine Wette auf den Strukturwandel im Banking. Darauf, dass den Bankkunden eine einfache App und günstige Preise mehr wert sind als schicke Filialen mit Marmor und Kunst an der Wand. Noch ist das Angebot mager, doch weitere Dienstleistungen sollen kontinuierlich aufgeschal­tet werden, sagt Kirscheneder. So werde man noch im laufenden Jahr E-Bills für das automatisierte Bezahlen von Rechnungen unterstützen. Auch eine Vorsorgelösung wie beispielsweise die Säule 3a stehe ganz oben auf der Wunschliste.

Dass eine Nachfrage nach einfachen Banklösungen besteht, zeigt der Blick auf die Konkurrenz. Die britische Revolut hat diese Woche bekannt gegeben, in der Schweiz bereits 250'000 Kunden zu haben. Und das ganz ohne Werbung. 

Neon in «Die Höhle der Löwen», TV24, Juni 2019:

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Die Konkurrenz stammt aus dem Ausland

Wer über Neobanken redet, meint zumeist Revolut. Die britische Bank konnte von ihrem Handy-Konto bereits gegen 250'000 Kunden in der Schweiz überzeugen, wie ein Sprecher gegenüber der «Handelszeitung» offenlegt. Allein 2019 seien 180'000 Kunden registriert worden. Dabei bietet Revolut nicht viel mehr als ein einfaches Bankkonto und Zahlkarten an – das aber deutlich günstiger.

Von den Schweizer Banken ist bisher vor allem die Bank Cler mit ihrem Handy-Konto Zak aufgefallen. Dieses wurde Anfang 2018 mit viel Werbeaufwand lanciert und kommt heute auf kolportierte 20'000 Kunden. Wie Neon bietet die Bank Cler ein kostenloses Bankkonto mit Zahlungsverkehr und Kreditkarten an. 

In der finalen Testphase, aber noch vor dem eigentlichen Start, steckt das von ehemaligen UBS-Bankern gegründete Startup Yapeal. Mit einer neu-artigen Fintech-Lizenz ausgestattet, 
will Yapeal ohne eine Bank im Rücken auskommen. Anders als bei Revolut, Zak und Neon soll das Yapeal-Konto 
allerdings kostenpflichtig sein. Yapeal startet wohl Anfang 2020. 

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