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Biotech
Die Milliardärin und das Food-Startup

Margarita Louis Dreyfus

Margarita Louis Dreyfus: Die Milliardärin investiert in neue Lebensmittel.

Quelle: © KEYSTONE / ENNIO LEANZA

Der Genfer Agrarhändler Louis Dreyfus investiert in ein Lebensmittel-Startup. Mit dabei: Jeff Bezos, Jack Ma und Bill Gates.

Marcel Speiser
Von Marcel Speiser
am 06.03.2019

90 Millionen Dollar: Für den Genfer Agrarhändler Louis Dreyfus, der letztes Jahr Waren für fast 19 Milliarden Dollar umgeschlagen hat, sind solche Summen Peanuts. Für die fast 6 Milliarden Dollar schwere Patronne Margarita Louis-Dreyfus ebenfalls. Für ein erst kürzlich gegründetes Startup wie Motif Ingredients sind 90 Millionen Dollar in einer ersten Finanzierungsrunde allerdings viel Geld. Auch wenn es an nichts weniger als der «Zukunft der Nahrungsmittel» arbeitet. Und selbst für amerikanische Verhältnisse.

Lebensmittel aus dem Bio-Reaktor

Aber der Reihe nach: Louis Dreyfus hat gemeinsam mit dem Milch-Riesen Fonterra aus Neuseeland 90 Millionen Dollar in das Startup Motif aus Boston investiert. Ebenfalls eingestiegen sind Milliardäre wie Microsoft-Gründer Bill Gates, Alibaba-Mastermind Jack Ma, Amazon-Chef Jeff Bezos und Mukesh Ambani vom indischen Petrochemie-Riesen Reliance, dessen Tochter gerade in St. Moritz ihre Hochzeit gefeiert hat.

Sie alle wollen dabei sein, wenn in den Bio-Reaktoren von Motif neue Lebensmittel und neue Lebensmittel-Zusätze entstehen. Wenn neue Proteine die Ernährung auf eine neue biologische Basis stellen. Wenn gen-veränderte Bakterien neue Geschmäcker herstellen. Auf Twitter träumt Gates bereits von einer Viehwirtschaft, die ohne Methan-Ausstoss auskommt – und von einer Landwirtschaft, die nicht zur Abholzung von Wäldern beiträgt.

Vertikalisierung der Wertschöpfung

Aber warum ist Agro-Traderin Margarita Louis-Dreyfus bei Motif eingestiegen? Warum engagiert sich ein Handelshaus von Agrargütern in der Produktion von biotechnologischen Inhaltsstoffen? Erstens: Wie viele Rohstoffhändler versucht auch Louis Dreyfus die eigene Wertschöpfungskette zu vertikalisieren, also selbst in der Produktion aktiv zu werden. So arbeitet das Unternehmen zum Beispiel direkt mit Zuckerbauern zusammen und besitzt eigene Zuckerverarbeiter.

Zweitens: «Die Nachfrage nach pflanzlichen Lebensmitteln, Fleischersatzstoffen oder Nicht-Milch nimmt zu – dank eines wachsenden Bewusstseins für die gesundheitlichen und ökologischen Vorteile pflanzlicher Ernährungsoptionen bei den Konsumenten», wie Kristen Eshak Weldon, Innovationschefin bei Louis Dreyfus, sagt. Will heissen: Ändern sich die Konsumenten, muss sich auch ein Agrotrader ändern.

«Schlüssenrolle in der Ernährung»

Drittens schliesslich ist Eshak Weldon überzeugt, dass «die pflanzlichen Inhaltsstoffe der nächsten Generation von Motif eine Schlüsselrolle spielen werden, um eine wachsende Weltbevölkerung nachhaltig zu ernähren.» Der Schritt sei Teil der Strategie von Louis Dreyfus, disruptive Lösungen zu unterstützen, welche es Unternehmen erlauben würden, auf neue Konsumentenbedürfnisse einzugehen.

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