1. Home
  2. Unternehmen
  3. Die nachhaltigsten Firmen

Ökologie
Die nachhaltigsten Firmen

Die nachhaltigsten Firmen

Zurich, Swiss Re, Roche, Swisscom, Geberit, Sulzer, ABB, GF – das sind die Champions im Nachhaltigkeits-Ranking der BILANZ. Sie­ ­stehen auch im internationalen Vergleich an der Spitze

Von Stefan Barmettler
am 01.06.2012

Nachhaltigkeit ist nachhaltig. Wer bereits 2011 im ­BILANZ-Ranking zu den nachhaltigsten Firmen der Schweiz gehörte, ist auch 2012 ganz vorne dabei: «Zürich» und Swiss Re heissen die Branchenleader in der ­Finanzindustrie, Geberit ist die Topfirma bei den Immobilien- und Baufirmen. Alle drei haben im Test mit der Bestnote +6 abgeschlossen. Die anderen Leader folgen mit der Note +5: Roche in der Gesundheitsbranche und Swisscom in der Tele­komindustrie. In der Maschinenindustrie schwingt das Trio Sulzer, ABB und Georg Fischer obenauf. Sie bringen es je auf +4.

Diese acht Firmen brillieren im Branchenvergleich, welchen die Nachhaltigkeits-Rating-Agentur Inrate für BILANZ berechnet. Bewertet werden rund 100 Kriterien, daraus folgt eine gerundete Note von +6 bis –6 (siehe «Methodik»). BILANZ publiziert das Nachhaltigkeits-Ranking bereits zum vierten Mal. Es ist das umfassendste im Land.

Es gibt 2012 auch Verlierer, Firmen, die Reputation, Geschäftsmodell und Aktienkurs riskieren. Zu diesen gehören Advanced Digital Broadcast (ADB) aus Genf (–5), Transocean aus Zug (–4) und Petroplus mit Sitz in Zug (–4). Letztere ist mittlerweile insolvent und wird von der Börse genommen. ADB wiederum leiste weder einen Beitrag zu umweltverträglichen Produkten, noch zeichne sie sich durch vorbildliche Mitarbeiterbedingungen aus, urteilt Inrate. Der Tiefseebohrer Transocean hat sich noch nicht von der Erdölkatastrophe im Golf von Mexiko erholt. Zudem ist die Firma wegen schlechter Arbeits- und Sicherheitsbedingungen negativ aufgefallen. Fazit von Inrate: Die Firma gilt es als Investor zu meiden.

Vorzeigefirmen. Einen ganz andern Standard setzen die Vorzeigeversicherer «Zürich» und Swiss Re. Beide Konzerne sind seit Jahren bestrebt, ihre Emissionen zu reduzieren. Video Conferencing oder Geschäftsreisen mit dem öffentlichen Verkehr gehören ebenso ins Repertoire wie Mikroversicherungen, die in der Dritten Welt angeboten werden. Neue Wege ­beschreitet Swiss Re in Senegal. Die Schweizer bieten Kleinbauern – in Kooperation mit Oxfam America und dem World Food Programme – eine Klimaschutzversicherung an, deren Prämien sie mit Wiederaufforstungen «bezahlen»: Bei Ernteausfall durch Trockenheit werden die Bauern finanziell unterstützt.

Roche, ein weiterer Branchenleader, setzt auf Optimierung der Produktionsprozesse und nimmt auch die Lieferanten in die Verantwortung, «indem Roche die Lieferaten regelmässig durch Audits prüft», hält Inrate-Analystin Judith Reutimann fest.

Die umfassenden Bewertungen von Inrate und anderen Nachhaltigkeitsagenturen sind relevant. Immer mehr Anleger weltweit suchen nach nachhaltigen, also sozialen, ethischen und ökologischen Finanzanlagen. Derzeit werden in der Schweiz 43,3 Milliarden Franken entsprechend diesen Prinzipien nachhaltig angelegt. Michael Baldinger, Chef der Anlageboutique SAM in Zürich: «Ohne Nachhaltigkeitsanalyse sind Unternehmensanalysen heute unvollständig.»

Beispiel Sulzer. Eine Leaderanalyse in der Maschinenindustrie offenbart: ­Sul­­zer punktet mit einem umfassenden ­Gesundheits- und Sicherheitsmanagement und mit Gesamtarbeitsver­trägen, die mit den ­Gewerkschaften ­ausgehandelt werden. Zudem habe der Winterthurer Konzern 59 Produktionsstätten mit einem zertifizierten Umweltmanagement-System versehen.

Vorbildlich in Sachen Nachhaltigkeit verhält sich seit Jahren auch Georg ­Fischer (GF). Permanente Ressourcen-­Effizenz ist selbstverständlich, entsprechende Fortschritte werden gemessen und ausgewiesen. Das Urteil: «GF veröffentlicht ihre Zielgrössen für Ökonomie, Ökologie und Soziales auf transparente Weise.» GF-Chef Yves Serra geht mit gutem Beispiel voran: Er hat in seinem Haus eine energieeffiziente Wärmepumpe installiert.

Zu den Inrate-Leadern zählt auch die Swisscom. In der Schweiz hat sie keinen Konkurrenten, der ihr das Wasser reichen könnte. Die seit Jahren starke Stellung wird im internationalen Vergleich untermauert. Deutsche Telekom und Nokia bringen es im Nachhaltigkeits-Ranking bloss auf 3 Punkte, Cable & ­Wireless Communications aus Grossbri­tannien muss sich mit der Note 2 bescheiden.

Total erneuerbar. Die Trümpfe der Swiss­com: Die Firma bezieht 100 Prozent der Elektrizität aus erneuerbarer Energie. Eine Benchmark setzt das interne Projekt Mistral: Hier werden über 200 Telefonzentralen aussschliesslich via Aussenluft gekühlt. «Das reduziert den Energieverbrauch um 90 bis 95 Prozent», resümiert Inrate-Analystin Judith Reutimann. Dieser Effort wird auch international zur Kenntnis genommen: Die britische Nachhaltigkeits-Analysefirma Verdantix adelte die Swisscom 2011 mit dem Titel «internationaler Branchenleader». 

-> Nachhaltigkeits-Ranking: Die Champions der Branchen

Methodik
Inrate bewertet für BILANZ die Nachhaltigkeit von Schweizer Firmen und vergleicht sie mit weltweit 1800 Firmen. Als Basis dienen 100 Kriterien (Produktionsprozesse, Produkte, Konzernleitlinien, kontroverse ­Geschäftsfelder und -praktiken usw.). Untersucht werden die Produktpalette über den ganzen Lebenszyklus, der Umgang mit Ressourcen, CO2-Ausstoss und Betriebsunfälle. Die ­Gesamtbewertung beinhaltet die ­soziale und ökologische Nachhaltigkeitsdimension. Die Kriterien werden nach Branche unterschiedlich ­gewichtet. Bestnote ist +6, die ­schlechteste –6.

Quelle: BILANZ

 

Anzeige