Die Schweiz verhilft China dazu, sich über Auftragsvergaben und Kooperationen auf dem Weltmarkt zu etablieren. Mit jedem weiteren Auftrag, den chinesische Anbieter im Technologiesektor gewinnen, können diese argumentieren, sich an internationalen Vorgaben, weltweit gültige Zertifizierungen und westliche Spielregeln zu halten. Und China setzt alles daran, den Nimbus einer antiliberalen Spionagenation zu verlieren.

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Das wäre nicht weiter bedenklich, wenn da nicht die Warnung des Nachrichtendienstes NDB wäre. Dieser schreibt darüber, dass «die Kluft zwischen dem vom Westen geprägten liberalen Modell und dem autoritären Staatskapitalismus weiter wachsen wird». Das wirtschaftliche und machtpolitische Ringen zwischen den USA und China (…) präge das strategische Umfeld der Schweiz. «Spionageaktivitäten Chinas stellen eine bedeutende Bedrohung für die Schweiz dar.»

Und: Die Intensität der politischen, elektronischen, militärischen und nachrichtendienstlichen Aktivitäten Chinas werde weiter zunehmen, schreibt der NDB.

Bund beauftragt Alibaba

Das hindert chinesische Unternehmen nicht daran, in der Schweiz einen Auftrag nach dem anderen an Land zu ziehen. Jüngstes Beispiel ist der Zuschlag des Bundes für den Aufbau einer Public Cloud, die Datenwolke des Bundes. Für Standorte der Schweizer Bundesverwaltung, weltweit.

Insgesamt 110 Millionen Franken nimmt die Eidgenossenschaft dafür in die Hand. Der chinesische Online-Handelsriese Alibaba ist einer von fünf Gewinnern dieser Ausschreibung. Der tiefe Preis war der Hauptgrund für den Zuschlag. Gefragt waren unter anderem neueste Technologien für vernetzte Industriemaschinen, Big Data, Blockchain, Mobilservices und die Cyber-Verteidigung.

Huawei fest verankert

Und das ist nicht der einzige Bereich, in dem sich chinesische Unternehmen in der Schweiz ausbreiten. Der Technologiekonzern Huawei ist schon länger in der Schweizer Wirtschaft fest verankert. Ganz besonders im Telekombereich. Freilich rechtlich sauber, allen Gesetzen und Regeln entsprechend.

Zu den Kunden gehören Swisscom, Sunrise und Salt. Für die Swisscom ist Huawei im Festnetzbereich seit 2008 tätig. Im Mobilfunk integriert das Unternehmen Komponenten in 4G- und 5G-Antennen und liefert dafür Bauteile. Auch hier ist der Preis eines der stärksten Argumente für die Zusammenarbeit.

Allerdings sind damit verbundene Software-Aktualisierungen ein Einfallstor für potenzielle Spionagetätigkeiten, warnen IT-Sicherheitsexperten. Eine einmalige Überprüfung aktualisierter und überspielter Sicherheitspatches genüge nicht, wenn der Quellcode nur einmalig überprüft wird.

Durchleuchtet am Airport Zürich

Auch im internationalen Reiseverkehr und so auch an Schweizer Flughäfen spielt China mittlerweile eine massgebliche Rolle. Und zwar mit Scanner-Technologie. Wer am Flughafen Zürich eincheckt, dessen Gepäck wird in einer Sortieranlage durchleuchtet. Anschliessend werden in der Passagierkontrolle auch Flüssigkeiten gescannt. Dabei setzt der Flughafen Zürich auf Geräte von Nuctech – einem chinesischen Staatsbetrieb.

Der Flughafen hatte gemäss der öffentlichen Beschaffungsplattform Simap für rund 30 Millionen Franken in Peking X-Ray-Equipment geordert. Der Zuschlag erfolgte wegen des «wirtschaftlich günstigsten Angebots». Auch der Flughafen Genf und die Eidgenössische Zollverwaltung setzen auf Sicherheitstechnologie «Made in China».

«Dumping-Strategien»

Nuctech hatte es bis ins Europaparlament nach Brüssel geschafft. Das Thema dort: «Durch seine Dumping-Strategien wächst die Präsenz von Nuctech auf dem europäischen Markt rasant, obwohl das Unternehmen die bei uns gesammelten Sicherheitsdaten an die chinesische Regierung weitergibt», sagt ein Europaparlamentarier. Die US-Regierung gab im Sommer letzten Jahres Warnungen aus, wonach es für Nuctech ein Leichtes wäre, sensible Passagier- und Frachtdaten an die chinesische Regierung weiterzuleiten.

Wie im Fall des Telekomausrüsters Huawei gibt es bislang allerdings keine Beweise dafür, dass Informationen aus Nuctech-Geräten tatsächlich nach Peking abfliessen würden.