Noch immer steht «Atlantis Sheraton Hotel» in verblasstem Himmelblau auf der Betonfassade. Doch die amerikanische Luxushotelkette ist längst aus dem Gebäude am Fuss des Uetlibergs ausgezogen. Zuletzt diente der lange leer stehende Bau als Studentenheim. Seit ein paar Tagen aber tut sich wieder was im Atlantis. Ein aus weisser Folie und Holzleisten gezimmerter Baustellenzaun ist fast fertig. Arbeiter in orangen Sicherheitswesten und Bauhelmen stapfen durch den Y-förmigen Betonbau. Seit letztes Jahr ein Investor aus Katar einstieg, kam Bewegung in die Wiederbelebungspläne des ehemaligen Fünfsternehauses. Der Umbau hat diese Woche begonnen.

Geldgeber aus Katar

Zuständig für den Umbau ist das Architekturbüro Monoplan in Zürich. Das 30-köpfige Team von Daniel Schneider und Philip Wohlfarth ist auf die Planung und Gestaltung von Hotels samt Restaurants, Bars und Spas spezialisiert. Auf der Atlantis-Baustelle sollte es dafür sorgen, dass die ersten Gäste bereits Ende 2014 in die Suiten des neuen Luxushotels einziehen können. Beauftragt hat Monoplan die Neue Hotel Atlantis AG. Sie wird präsidiert von Issa Ghanem Al Kawari, einem aus Doha stammenden Geschäftsmann.

Das «Atlantis» ist längst nicht das einzige Luxushotel-Projekt in der Schweiz, das durch Geldgeber aus Katar finanziert wird. Die gehobene Hotellerie wird immer mehr durch Superreiche aus dem Ausland getragen (siehe Kasten), wobei besonders die Ölmilliardäre der Golf­region in der Schweiz investieren. So steckt zum Beispiel die katarische Herrscherfamilie unter Emir Hamad bin Jassim Al Thani via katarischen Staatsfonds fast eine halbe Milliarde Franken in den Bürgenstock. Auch dort war Monoplan mit dabei. Das Architekturbüro realisierte die Anfang Jahr eröffneten Panorama-Suiten. Ausserdem verwirklicht das Team von Schneider und Wohlfarth zurzeit das Waldhotel des Architekten Matteo Thun auf dem Berg über dem Vierwaldstättersee. Auch elf Luxusvillen mit Seesicht gehören zum Bürgenstock-Portfolio. Zudem tragen das Entree mit Hotelbar, die Beletage und das Spa des bis 2011 komplett renovierten «Schweizerhofs» in Bern die Handschrift von Monoplan. Hier stellte ebenso der katarische Staatsfonds der Al Thanis gut 45 Millionen Franken zur Verfügung. Monoplan avanciert damit zum schweizerischen Chefplaner und Interior Designer der Mächtigen und Reichen Katars.

Anzeige

Es begann mit Walter Meier

Gegründet wurde Monoplan 2008 von Schneider und Wohlfarth. Davor betrieben die beiden jeweils ihr eigenes Geschäft. Sie teilten sich aber das bloss mit ein paar Klappstühlen und einem Tisch aus der Ikea ausgestattete Büro. «Der Raum war so leer, wir hatten Nachhallzeiten wie im Vatikan», erzählt Schneider. Mit der Zeit teilten er und Wohlfarth nicht nur das Büro, sondern auch immer mehr Aufträge. Da lag es nahe, eine gemeinsame Firma zu gründen. Eine Woche später hatten die zwei bereits ihren ersten Auftrag. Sie bauten die Konzernzentrale des Industriekonzers Walter Meier im zürcherischen Schwerzenbach um.

Solche Aufträge sind für Monoplan heute ein Nebengeschäft. Rund 80 Prozent der Erträge erwirtschaftet das Büro im Hospitality-Bereich, zu dem neben Hotels zunehmend auch Klinik- und Heimprojekte gehören. Das Unternehmen kommt auf Umsätze im einstelligen Millionenbereich. Aufträge in der Schweiz und im Ausland tragen etwa je zur Hälfte zum Geschäft bei. Kürzlich hat Monoplan ein Hotelprojekt in Irland realisiert.

Die Firma beschränkt sich nicht aufs Bauen und Realisieren. Wünschen es die Kunden, übernimmt Monoplan auch Aufgaben einer Design- oder Werbeagentur. Schneider und Wohlfarth entwerfen Menükarten, gestalten Tapeten oder lassen Werbefilme drehen. «Unsere Projekte brauchen einen roten Faden», sagt Schneider. «Ein chinesisches Spezialitätenrestaurant passt schlecht in ein Hotel im Alpinlook. Besser ist ein Menü mit Angeboten von lokalen Bauern.»

Solche Zusatzdienste sind bei den katarischen Investoren gefragt. «Die sind sehr professionell und haben sehr genaue Vorstellungen», sagt Schneider. Meist sei das Budget knapp und der Zeitdruck gross, während es gerade im Fünfsternebereich keine Abstriche bei der Qualität geben dürfe, ergänzt Wohlfarth. Der Monoplan-Gründer nimmt es sportlich. «Das macht es spannend. Und wir können das.»

 

Schweizer Luxushotels: Internationale Geldgeber

Mut zum Risiko
Internationale Geldgeber werden immer mehr zum Treiber der heimischen Luxushotelindustrie. Wo schwerreiche Schweizer vor einer Neuinvestition zurückschrecken, springen Investoren aus der Golfregion, aber auch aus China und Indien in die Bresche. Besonders stark investiert ist die katarische Herrscherfamilie Al Thani. Aber auch der chinesische Technologie-Unternehmer Yunfeng Gao steckte kürzlich viel Geld in neue Luxushotels in Engelberg und Melchsee-Frutt.