Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) ist mit viel Elan ins neue Jahr gestartet. Bereits am 4. Januar verschickte er ein erstes Communiqué; er forderte darin allerdings nicht mehr Lohn für die Arbeiterschaft, was sein Kerngeschäft wäre. Stattdessen brandmarkte er die völkerrechtswidrige Verhaftung von Nicolás Maduro in Venezuela und verlangte «eine Rückkehr zu Rechtsstaatlichkeit und Dialog». Nur: Was die Genossen darunter genau verstehen, führten sie leider nicht aus. Die Wiedereinsetzung von Maduro?
Überraschen würde mich diese abstruse Forderung jedenfalls nicht. Immerhin scheint ihnen 26 Jahre lang entgangen zu sein, wie Hugo Chávez und sein Nachfolger Nicolás Maduro die freien Gewerkschaften Venezuelas entmachteten und das Land in den Ruin trieben.
Maduro liess Gewerkschafter foltern
Da wäre der Ölarbeiter und Gewerkschaftsführer Guillermo Zárraga: Er wurde verhaftet, gefoltert und sitzt nun im Hausarrest, gesundheitlich schwer gezeichnet. Oder José Elías Torres, auch er landete im Gefängnis – weil er sich für freie Tarifverträge eingesetzt hatte, was in Venezuela eine Verschwörung gegen den Staat bedeutet.
Die Unterdrückung der Gewerkschaften durch die Terrorregimes von Chávez und Maduro ist detailreich dokumentiert, durch Amnesty International, durch die UN-Menschenrechtskommission oder durch die International Labour Organisation.
Nur die Genossen in Bern scheinen die Verfolgung der Kollegen verpasst zu haben, jedenfalls war ihnen deren Unterdrückung nie eine Solidaritätsbekundung wert. Auch als Millionen von Arbeitnehmenden das Land verliessen, weil sie ein Arbeitsverbot aufgebrummt bekommen hatten, keinen Job mehr fanden oder um ihr Leben fürchteten, gab es keine Protestnote. Stattdessen glaubten die SGB-Kader in ihrer ideologischen Verblendung unverrückbar an die Bolivarische Revolution.
Fragwürdige Huldigungen
Die Denkweise der Klassenkämpfer – Kapitalismus ist schlecht, Sozialismus gut – ist nicht neu. Das Huldigen von linken Diktatoren hat vielmehr Tradition: 2006 lud das 1.-Mai-Komittee in Zürich Hugo Chávez als Starredner ein, um zur Überlegenheit des Sozialismus über den Neoliberalismus zu referieren. Am 1. Mai 2010 durfte Chávez’ Arbeitsministerin María León in Zürich auftreten, die stets zu Diensten war, wenn Oppositionspolitiker als angebliche CIA-Agenten zu verunglimpfen waren. Beweise hatte sie keine. Auch das interessierte die Schweizer Syndikalisten nicht.
Nach dem Tod von Chávez schrieb SP-Co-Präsident Cedric Wermuth für «Le Temps» ein Rührstück, das jede Sachkenntnis vermissen lässt. Unter dem Titel «Hugo Chávez: Propaganda und Realität» flötete er: «Hugo Chávez hat den ausgebeuteten Völkern Lateinamerikas eine Stimme und ihre Würde zurückgegeben.» Die Arbeitnehmenden Venezuelas kämen zu einem anderen Befund: Chávez begann, was Maduro zu Ende führte – die Ruinierung eines Landes und die Zerstörung der freien Gewerkschaften.
Der Zynismus der Linken, die Putschisten, Wahlfälscher und Mörder hochleben lassen, weil sie sich als Sozialisten verkaufen, ist grenzenlos.

