Ob Fitnessbetreiber, Billigdentist, Bioläden oder Kleiderdetaillisten: Deutsche Tiefpreis-Ketten wollen den Schweizer Markt aufrollen. Den etablierten Anbietern sollen mit Schnäppchen-Angeboten Kunden und Marktanteile abgejagt werden. Bereits feilen die hiesigen Unternehmen an Abwehrstrategien (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 33, vom 15.08.2007).

Doch die angespitzten Pfeile können im Köcher gelassen werden. Vorerst. Denn die Billig-Konkurrenz aus dem Norden steht sich gegenseitig auf die Füsse. «Wir versuchen schneller zu sein als unsere Mitbewerber», sagt etwa Takko-Mitgeschäftsführer Alexander Matschull. Mit «Mitbewerber» ist der Bekleidungsdiscounter Kik gemeint, der ebenfalls die Schweiz erobern will.
Der Kampf um die besten Standorte ist entbrannt. So versucht Takko mit der Nähe zu «Ankermietern» wie Aldi und Lidl die Kundenfrequenz zu erhöhen. Ein bewährtes Konzept, das in Deutschland aufgeht. Auch eine Kooperation mit Deichmann oder einer Drogeriekette sind für Mattschull denkbar. Hauptsache, man ist schneller als Kik.

Start in den nächsten Monaten

Beim Rennen um die ersten Eröffnungen hat Takko die Nase vorn. Noch in diesem Jahr werden in Basel am Claraplatz und an der Webergasse sowie in Lenzburg Filialen eröffnet. Das bestätigt Matschull der «Handelszeitung». Nach einer kurzen Pilotphase will Takko mindestens 50 weitere Läden aufbauen. Allesamt im Design made in Germany: Schlichtes, einfaches, aber wiedererkennbares Selbstbedienungs-Layout in Gelb, meist in ebenerdigen Verkaufslagen. Durchschnittsgrösse: 400 bis 500 m2.
Obwohl sich Takko selbst zwischen C&A und H&M ansiedelt, wird sich die Kette in der Schweiz aber in erster Linie mit Kik messen müssen. Einem Gegenspieler notabene, der mit aktuell über 2000 Filialen doppelt so viele Läden wie Takko besitzt und zudem das expansionsstärkste Handelsunternehmen Deutschlands ist.

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Begehrte Lagen sind rar

«Wir eröffnen jeden Tag eine neue Filiale», erklärt Kik-Sprecherin Beatrice Volkenandt. Ein besonderes Augenmerk legt die Kette auf die Auslandsexpansion, wobei man nach der erfolgreichen Erschliessung der ersten osteuropäischen Märkte – darunter 240 Filialen in Österreich – jetzt in weitere Nachbarländer wolle. Die Schweiz steht dabei ganz oben auf der Liste. Voraussetzung für den Markteintritt ist die Standortauswahl. Kik sucht deshalb Verkaufsflächen an Fachmarktlagen, bei Nahversorgungszentren oder auch an erstklassigen, gut frequentierten City-Lagen. Dabei wird sie Takko unweigerlich in die Quere kommen. Denn die guten, sprich frequenzstarken Lagen sind ebenso wie geeignetes Bauland nicht nur begehrt, sondern auch rar (siehe «Nachgefragt»). Das mussten nach MediaMarkt und Ikea auch die Discount-Giganten Lidl und Aldi erkennen.
Trotzdem bleibt der Discounter-Run auf die Schweiz ungebrochen. Der Verkauf des 67%-Anteils des bisherigen Takko-Mehrheitseigentümers Permira an den milliardenschweren Equity-Fonds Advent International sorgt sogar für zusätzliche Dynamik. «Wir streben mit Advent International ein beschleunigtes Wachstum auf 150 Filialen pro Jahr an», erläutert Mattschull. Der Fokus liege dabei auf der Internationalisierung und Vertikalisierung von der Baumwoll-Produktion bis zum Endkonsumenten. Das sei mit den neuen Eigentümern abgesprochen. Die massive Expansion ziele auf Zentral- und Osteuropa. Und damit die Schweiz.
Ohne die erfolgreiche Suche nach den besten Standorten dürfte das schwierig werden.