Die Hannover Rück geht davon aus, dass die Havarie des Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia» vor der italienischen Küste den Rückversicherer mit mindestens 10 Millionen Euro treffen wird. «Wir gehen derzeit davon aus, dass es sich um einen Grossschaden handelt», sagte eine Sprecherin der Hannover Rück auf Anfrage. Als Grossschaden definiert würden Belastungen von mindestens 10 Millionen Euro. Es sei aber noch zu früh, um eine konkrete Einschätzung zu treffen.

Auch beim Konkurrenten Munich Re wird noch gerechnet. «Wir wissen derzeit noch gar nicht, ob wir überhaupt betroffen sind», heiss es aus der Konzernzentrale. Analoge Töne auch bei Swiss Re: Ein Sprecher bestätigt auf Anfrage von «Handelszeitung Online», dass aktuell abgeklärt werde, ob das Unternehmen vom Unglück überhaupt betroffen sei.

Die Aktien der Versicherer standen am Montagvormittag an der Börse unter Druck. Hannover Rück verloren zuletzt 1,28 Prozent auf 38.15 Euro. Papiere der Munich Re gaben um 0,86 Prozent auf 94.11 Euro nach.

Die Aktien des Eigentümers des havarierten Kreuzfahrtschiffs, Carnival, haben an der Londoner Börse deutlich an Wert verloren. Das Kursminus belief in der Spitze auf bis zu 29 Prozent. Danach erholte sich der Titel wieder etwas und notierte bis zum Mittag bei einem Minus von rund 17 Prozent. Dabei wechselten binnen der ersten Handelsstunde fast viermal so viele Aktien den Besitzer wie sonst durchschnittlich pro Tag.

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Evakuiert und heimgekehrt

Die gute Nachricht derweil: Alle Schweizer Kreuzfahrt-Reisende auf der leckgeschlagen «Costa Concordia» konnten evakuiert werden. Dies teilte das Schweizer Aussendepartement mit.

Zahlreiche Reisende waren bereits am Samstag wieder in der Schweiz, wie eine Umfrage bei den grössten Schweizer Reiseveranstaltern zeigte. Bei Kuoni handelt es sich um 13 Personen. Sie wurden noch am Samstagabend mit dem Bus aus Italien zurückgefahren, wie Kuoni-Sprecher Peter Brun sagte.

14 Reisende von Tui Suisse sowie 2 von Hotelplan Suisse wurden ebenfalls am Samstag repatriiert, hiess es auf Anfrage. Alle Reisegäste seien unversehrt.

Umbuchung oder Rückerstattung

Aussagen zu möglichen Rückvergütungen für die Kunden konnten die Reiseveranstalter nicht machen. «Es ist noch zu früh», sagte Roland Schmid von Tui Suisse. Man stehe jedoch in Kontakt mit der Reederei der «Costa Concordia». Hotelplan-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir erwartet aber, dass die Reederei entsprechende Entscheide in den nächsten Tagen kommunizieren werde.

Gegenüber Personen, die bereits eine Reise auf der «Costa Concordia» gebucht haben, zeigen sich die Reiseunternehmen kulant. Alle Kunden - bei Kuoni handelt es sich um knapp 200 Personen - können ihre Reise kostenlos umbuchen oder gegen Rückerstattung des Preises annullieren.

(vst/laf/tno/awp/sda)