Letztes Jahr gerieten Wandelanleihen stark unter Druck. Die Ursache dafür waren Hedge-Fonds, die ihre Wandler abstossen mussten, ohne dass Käufer vorhanden gewesen wären. Das stark steigende Angebot ohne Nachfrage liess die Preise purzeln.

Inzwischen haben sich die Notierungen für Wandelanleihen wieder normalisiert. Die Nachfrage nach Obligationen, mit einem Wandlungsrecht in eine festgelegte Anzahl Aktien, ist robust.

Qualität ist gesucht

«Die weitere Erholung der Wandelanleihen wird differenziert erfolgen», schränkt Stephan Knuser, Partner beim auf Wandelanleihen spezialisierten Vermögensverwalter Emcore, ein. Im Investment-Grade-Segment werde der Aufschwung anhalten, für Convertibles aus dem Non-Investment-Grade könne es hingegen schwieriger werden.

Früher hätten viele Anleger versucht, über Hedge-Fonds Asymmetrie ins Portefeuille zu bringen. Heute wählen sie dafür die transparenteren Wandelanleihen. Ihr Vorteil besteht darin, dass ihr Wert steigt, wenn die Märkte anziehen. Sinken die Kurse, halten sich jedoch die Verluste in Grenzen. Beim Non-Investment-Grade würden sich hingegen die Kurse ähnlich zu denjenigen der Aktien verhalten und böten daher nicht die erwünschte Asymmetrie. Wandelanleihen mit Investment Grade sind daher gefragt. «Wir sehen derzeit bei Wandelanleihen-Fonds mit Fokus auf den Investment Grade massive Neugeldzuflüsse», so Knuser.Doch ähnlich wie bei Aktien gilt, Wandelanleihen sind nicht per se interessant. Vielmehr sollten die Titel dem Zyklus entsprechend gewählt werden. «Jetzt werden aggressivere Papiere benötigt, sowohl von der Kreditseite als auch von der Aktienseite her, bei einem Abschwung braucht es dann defensivere mit gutem Schuldner», so Beat Thoma von Fisch Asset Management. «Im Moment sind wir noch relativ früh im Zyklus», ergänzt Thoma.

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Bei Fisch sind derzeit Rohstoffwerte übergewichtet und es wird in zyklische Werte, etwa aus dem Technologiebereich, investiert (siehe «Nachgefragt»). Asien sei derzeit die interessanteste Region, die Ausgangslage ist mit Japan in den Achtzigern zu vergleichen. Alleine mit Schweizer Wandelanleihen lässt sich kein Portefeuille führen, da die Zahl der auf dem Markt befindlichen Titel dafür zu klein wäre. Bei Fisch empfiehlt man daher ein globales und diversifiziertes Investment.

Anleger wählen Fonds

Direkt in Wandelanleihen zu investieren ist durch die grossen Stückelungen der Emissionen für Privatanleger umständlich. Es empfiehlt sich daher ein Investment in einen der zahlreichen Wandler-Fonds. Diese konnten in diesem Jahr zum Teil deutlich zulegen. Der Wertgewinn wird jedoch durch die starken Verwerfungen des letzten Jahres teilweise relativiert. Jedoch konnten etwa der RMF Convertibles Far East (Valor: 51 117 / TER: 1,71%) und der Parvest Asian Convertible Bond C (Valor: 507 685 / TER: 1,48%) auch über die letzten fünf Jahre hinweg mehr als 30% an Wert zulegen.

 

 

NACHGEFRAGT


«Einen Fuss in den Markt setzen»

UBS-Wandelanleihe: Das Zeitfenster für einen Ausstieg des Bundes ist günstig die Rendite beträgt 20 Prozent

Leiter Asset Management und CIO Fisch Asset Management, Zürich.

Weshalb sollten Anleger im aktuellen Umfeld in Wandelanleihen investieren?

Beat Thoma: Viele Anleger trauen momentan den Märkten noch nicht. Doch ziehen die Börsen immer stärker an und Investoren verpassen den richtigen Einstiegsmoment. Wandelanleihen sind ein ideales Instrument, um mit geringerem Risiko einen Fuss in die Aktienmärkte zu setzen.

Fragt sich, wie viel Potenzial diese Märkte noch haben.

Thoma: Die Ausgangslage ist günstig, da die Aktien, in die sich die Obligationen wandeln lassen, noch immer relativ tief stehen. Zusätzlich sind die Wandelrechte, die Kaufoptionen für die Aktien, noch immer günstig. Die Situation ist nicht mehr so extrem wie im letzten Jahr, doch ist noch immer ein Viertel des Marktes unterbewertet.

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Was geschieht bei einem erneuten Abschwung an den Märkten?

Thoma: Dann ist man mit Wandelanleihen besser geschützt als mit Aktien. Wandelanleihen sind die günstigsten Anlagen, die Aktiengehalt haben und zudem eine Absicherung bieten.

Wie entwickelt sich das Angebot an Wandelanleihen?

Thoma: Fast täglich gibt es Neuemissionen. Viele Unternehmen benötigen derzeit Kapital und nutzen die günstigen Bedingungen. Zuletzt traten bedeutende Emittenten aus dem Rohstoffbereich auf. Arcelor-Mittal und AngloGold etwa haben kürzlich mehrere Milliarden aufgenommen. In der Baisse wollte kein Unternehmen die Aktien billig über Wandelanleihen auf den Markt geben. Bei den derzeitigen Kursniveaus lohnt es sich jedoch, eine Wandelobligation zu emittieren.

Wenn es zu einer Inflation kommen sollte, wie verhalten sich Convertibles dann?

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Thoma: Rohstofftitel bieten direkt über die Aktie einen Inflationsschutz. Ausserdem gilt: Solange der Aktienmarkt gesund ist, kann man die Anleihe in die Aktie wandeln. Den Anleihenteil kann man so teuer verkaufen. Tendieren die Aktienmärkte jedoch seitwärts, verhalten sich Wandelanleihen ähnlich wie Obligationen und leiden unter den steigenden Zinsen. Allerdings mit beschränktem Risiko, weil die durchschnittliche Restlaufzeit mit zwei bis drei Jahren relativ tief ist.

Mit dem aussergerichtlichen Vergleich zwischen der Schweiz und den USA ist eine grosse Last von der Grossbank UBS abgefallen. Auch wenn der Weg zurück zur nachhaltigen Profitabilität nicht einfach ist und möglicherweise noch Stolpersteine bereit hält, könnte für den Bund bald die Zeit gekommen sein, sich von seinem UBS-Engagement zu trennen.

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Die Voraussetzung dafür ist, dass die UBS genügend fit ist, um die Zukunft im Alleingang zu meistern. UBS-Konzernchef Oswald Grübel würde lieber schon heute als morgen die unternehmerische Freiheit zurückerlangen. Auch Bundespräsident Hans-Rudolf Merz wünscht sich nach wie vor «einen raschen Ausstieg» des Bundes bei der Grossbank.

Für den Bund, welcher der UBS Mitte Oktober letzten Jahres mit der Zeichnung einer Pflichtwandelanleihe in der Höhe von 6 Mrd Fr. unter die Arme gegriffen hat, zahlt sich sein Engagement bisher aus. Auf dem aktuellen Kursniveau der UBS-Aktie von etwa 16.50 Fr. beläuft sich die Rendite auf rund 20%.

Diese Chance auf eine solche Rendite hätten Kleinanleger ebenfalls ergreifen können - wenn sie denn an den stürmischen Finanzmärkten im vergangenen Herbst den Mut dazu gehabt haben. Ein Kleinanleger hätte sich ein Paket zusammenstellen können, das praktisch gleich funktioniert wie die Pflichtwandelanleihe des Bundes.

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«Man hätte dieses Konstrukt mit frei erhältlichen Call- Optionen, Put-Optionen und normalen UBS-Kassenobligationen nachbilden können», sagt Beat Thoma, CIO von Fisch Asset Management.

Die Pflichtwandelanleihe ist in seinen Augen marktgerecht. Der Bund profitiert also nicht übermässig. (ng)