1. Home
  2. Unternehmen
  3. Ein Denner-Erbe glaubt fest an Farmy

Hofladen
Ein Denner-Erbe glaubt fest an Farmy

Farmy: Kapital gefunden. Farmy.ch

Neue Kräfte 
sollen beim Online-Hofladen Farmy für Schub sorgen. Den grössten Beitrag leistet Fabio Borzatta, ein Denner-Enkel. Er plant ein langfristiges Engagement.

Von Andreas Güntert
am 05.07.2017

Die Geburtstagsparty steigt am nächsten Montag. Am 10. Juli wird der Schweizer Online-Hofladen Farmy.ch drei Jahre alt. Seit Start im Jahr 2014 entwickelte sich das E-Commerce-Baby stark; in diesem Jahr steht gemäss Co-Gründer und -Geschäftsführer Roman Hartmann «ein Sprung über die Umsatzgrenze von weit über 6 Millionen Franken an».

Jetzt gibt das Unternehmen Schub für die Zukunft. Dieser Tage wurde eine Finanzierungsrunde über 5 Millionen Franken abgeschlossen. Mit Unternehmer und FDP-Ständerat Ruedi Noser kommt ein neuer Verwaltungsrat und Investor an Bord. Neben exzellenten Verbindungen 
in die Polit- und IT-Welt bringt Noser Food-Erfahrung mit. Als VR-Präsident der ­Natürli Zürioberland AG hat er Expertise in der Vermarktung regionaler Lebensmittel. Die Firma lancierte unter anderem den schweizweit ersten Käse-Humidor, der sich in der Food-Etage des Zürcher Warenhauses Jelmoli befindet.

«Langfrist-Engagement geplant»

Die finanziell relevantere Personalie bei Farmy betrifft den zweiten neuen Verwaltungsrat und Investor: Denner-Erbe Fabio Borzatta (39). Der Enkel des langjährigen Denner-Patrons Karl Schweri ist seit zehn Jahren als Inhaber des Zürcher Hotel- und Restaurant-Lieferanten Sette­gusti in Zürich aktiv. 2012 stieg er zusammen mit seinem Bruder Sacha bei Inno­prax, der Muttergesellschaft der Schweizer Kaffee-Lifestylemarke Lattesso, ein. Im Frühling 2016 trennten sich die beiden wieder von Amt und Anteilen. «Wir halfen dem Baby auf die Beine. Als es laufen konnte, war es für uns Zeit zu gehen», sagt Borzatta.

Gemäss Insidern steht Fabio Borzatta mit seinem Finanzeinsatz für ungefähr die Hälfte der jetzigen 5-Millionen-Finanzierungsrunde bei Farmy. Borzatta selber mag keine konkrete Dosis angeben: «Es handelt sich um eine Grösse, die mir eine gewisse Mitsprache erlaubt.»

Bei Farmy plane er ein langfristiges ­Engagement: «Als aktiver Verwaltungsrat will ich hier mein Know-how einbringen, das Unternehmen mitgestalten und weiterentwickeln.» Der Schweri-Enkel zollt dem Farmy-Führungsteam grossen Respekt und glaubt an den wachsenden gesellschaftlichen Trend des «bewussten Einkaufs» bei Schweizer Bauernhöfen und Kleinproduzenten.

Aufholen hinter LeShop und Coop@home

Und Borzatta sieht Aufholpotenzial beim Online-Einkauf. Tatsächlich klafft derzeit hinter den dominanten Online-Food-Playern LeShop (Migros-Tochter, Umsatz 2016: 182 Millionen Franken) und Coop@home (129 Millionen Franken) eine grosse Lücke. Farmys Abstand zu den zwei Riesen ist zwar gross, doch das Feld ist heute noch schwach beackert. Da scheint es möglich, vor einem allfälligen Markteintritt des US-Aggressors Amazon stärker in den Markt hineinzuwachsen.

Firmenchef Hartmann will Farmy mit Partner Tobias Schubert auf eine neue Ebene bringen. Grosse Teile fliessen in Kundenakquise und IT. Zudem soll die ­Logistik am Hauptsitz in Zürich-Altstetten ausgebaut und die Auslieferung in den Kantonen Basel und Luzern selber übernommen werden. Das Weinsortiment will man ausbauen und neu Haushaltsartikel anbieten. Als Angebotsergänzung sind ­Babynahrung und Fertiggerichte geplant.

Entfernt sich Farmy vom Image der digitalen Laderampe für Schweizer Bauern? Nein, sagt Hartmann, «im Kernsortiment bleiben wir der Online-Hofladen der Schweiz». Die Ausweitung soll dazu führen, dass die Kunden regelmässig grössere Warenkörbe bestellen. «Ziel ist es, für ­immer mehr Konsumenten zur Wocheneinkauf-Adresse zu werden.»

Anzeige