Karl Müller, das Kind eines Schweizers und einer Koreanerin, ist erstaunt über seinen Erfolg. Vor einem Jahr machte er mit dem Verkauf seiner Schuhe einen Gewinn im siebenstelligen Bereich. Der junge Mann ist Sohn eines Unternehmers. Auf ein Investment des Vaters hat er jedoch verzichtet. Darauf ist er stolz.

Die Idee für den Schuh namens Joya hatte er vor rund zwei Jahren. Er wollte ein Lifestyle-Produkt produzieren, das gleichzeitig die Gesundheit fördert. Jetzt ist er mit einem weichen Schuh für junge Leute schon seit über einem Jahr auf dem Markt. Preis pro Paar rund 250 Fr. Letztes Jahr verkaufte er Schuhe im Wert von 50 Mio Fr.

Produziert wird in Korea, weil die Qualität hervorragend sei und die Behandlung und Bezahlung der Fabrikmitarbeiter sehr gut. Deshalb jettet Müller regelmässig in die Millionenstadt Seoul. Er sagt von sich, er sei ehrgeizig und erfolgsorientiert. Genauso wie sein gleichnamiger Vater, der vor einigen Jahren den Gesundheitsschuh MBT erfand und damit den Weltmarkt eroberte. Der Junior wollte aber ein ästhetisches Produkt für junge Leute vermarkten, die noch keine gesundheitlichen Beschwerden haben. Träger des Joya sprechen von einem federleichten Gehen. Der Schuh ist eleganter und elastischer als der MBT.

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Das Geschäft läuft glänzend. Der Schuhentwickler besucht alle Fachmessen der Welt, stellt seine Schuhe vor und sucht internationale Geschäftspartner. Seine Mails beantwortet er praktisch nur im Flugzeug. Telefonisch ist er kaum zu erreichen. An den zermürbenden Jetlag hat er sich bereits gewöhnt. Schliesslich ist er sechs Monate im Jahr unterwegs. Kürzlich flog er in die Metropole Sydney, um einen Werbefilm zu drehen. Ein Team eines Fernsehsenders war mit dabei. Der Jungunternehmer ist gefragt.

Es begann alles katastrophal

«Ich lege Wert darauf, dass ich jeden einzelnen Kunden wie einen König behandle.» Aus diesem Grund ist sich Müller nicht zu schade, an Fachmessen vor Kunden zu knien und ihnen die Schuhe zuzubinden. Das Produkt Obama, ein elegantes Ledermodel in braun, verkauft sich zurzeit besonders gut. Ein Renner ist auch Müllers farbenfroher Kinderschuh mit dem Namen Joyssy, der vor wenigen Monaten auf den Markt kam.

Dabei begann alles katastrophal. Müller, der fliessend Koreanisch spricht, schmiss mit 20 Jahren sein Wirtschaftsstudium und koppelte sich zwei Jahre ab von seiner Familie im thurgauischen Roggwil, mit der er sich zerstritt. Er hatte die Nase voll von den Vorschriften der Eltern. In Seoul, seiner zweiten Heimat, feierte er jede Nacht durch und baute tagsüber einen Schönheitssalon mit 35 Mitarbeitern auf, drehte schräge Dokumentarfilme und lebte verschwenderisch. Gleichzeitig führte er mit Mathias Müller Kleidung von Korea in die Schweiz ein. Das Label Royal Sunday, das nun sein 20-jähriger Bruder in Korea führt, entwickelte sich zu einem international starken Mode-Brand für die Upper Class.

Als Müller nach zwei Jahren müde und ausgelaugt ins stille Dörfchen Roggwil zurückkehrte, präsentierte sich die neue Idee: Joya. Das gleiche Durchsetzungsvermögen wie mit dem Mode-Brand und dem Schönheitssalon legte Müller bei seinem neuen Werk an den Tag. Entwicklung der luftig weichen Sohle: Zwölf Monate. Entwicklung des Schuhdesigns: Fünf Monate. Entwicklung des Medienkonzeptes: Zwei Wochen.

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Marketing und Kommunikation überliess er Claudio Minder (30), mit dem er schon Jahre befreundet ist. Der ehemalige Mister Schweiz ist heute Co-CEO des KMU. Verkaufte Paare in den ersten zwei Monaten: 20 000. Nach einem Jahr: 200 000. Stand heute: Mehr als 300 000. Karl Müller hob ab: «Ich hatte damals keinen natürlichen Bezug mehr zum Geld. 1000 Fr. bedeuteten mir nichts mehr. Ich war gierig nach Geld.»

Das Geschäft lief aber nicht immer gleich. Müller investierte fast sein ganzes Vermögen in Börsentitel in Korea und verbrannte sich dabei die Finger. Beim grossen Crash verlor er einen achtstelligen Betrag. Der junge Geschäftsmann wurde ernüchtert und war am Boden zerstört. Die Niederlage setzte dem Erfolgsverwöhnten, der immer viel Geld verdient hatte, zu. Eine Zeit der Ausnüchterung folgte.

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Den Umsatz mehr als verdoppeln

Mit Joya begann er wieder von vorn und ist bereits wieder erfolgreich. Heute legt er dasselbe Tempo vor. Soeben verzeichnete Müller einen Rekordmonat. Seine Entscheidungen sind aber überlegter. Zurzeit kämpft er um Verkaufsterrain in der ganzen Welt. Der Absatz läuft unter anderem in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Spanien, Portugal oder in den USA. Insgesamt arbeitet der umtriebige Erfinder in 21 Ländern weltweit.

Karl Müller strahlt mit seinen 24 Jahren eine grosse Reife aus. Seine Abende verbringt er im Kreis der Familie in Roggwil, mit der er sich wieder versöhnte, trinkt gerne ein Glas Wein und bespricht die wichtigsten geschäftlichen Schritte mit seinem Vater. Den Umsatz von Joya möchte er von 2009 auf 2010 mehr als verdoppeln: Waren es letztes Jahr 8,4 Mio Fr., sollen es dieses Jahr 18,0 Mio Fr. werden. Für 2011 erwartet er 32 Mio Fr.

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