Mit dem Kauf der Graduate School of Business Administration (GSBA) in Horgen ZH hatte Peter Lorange auch etliche Altlasten übernommen. Vier Monate nach der Akquisition für geschätzte 4,5 Mio Fr. möchte der ehemalige IMD-Präsident die alte GSBA nun von Grund auf erneuern - ohne dabei öffentlich auf interne Missstände einzugehen (siehe «Handelszeitung» Nr. 38 vom 16. September 2009).

Als erste sichtbare Massnahme muss der nicht mehr über jeden Zweifel erhabene Name weichen: Ab 1.Dezember 2009 heisst die Managementschule neu Lorange Institute of Business Zurich, wie der 66-jährige Norweger auf Anfrage der «Handelszeitung» bestätigt.

Albert Stähli zieht sich zurück

Doch der Namenswechsel genügt wohl nicht, um mit der nicht nur glanzvollen Vergangenheit zu brechen. Gemäss Lorange hat sich mittlerweile auch der ehemalige Besitzer Albert Stähli vollständig aus der Schulleitung zurückgezogen. Er hatte die GSBA vor über 40 Jahren mitbegründet. Stähli sollte dem Institut ursprünglich auf Teilzeitbasis verbunden bleiben.

Das Lorange Institute of Business Zurich soll bald auch mit einem neuen Konzept und neuen Kursen aufwarten. Loranges Ambition ist es, seine Institution zu einer der Top-Adressen unter den Schweizer Privatschulen zu machen. Der Sanierer des IMD in Lausanne will offenbar auch am Zürichsee sein unternehmerisches Geschick unter Beweis stellen.

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Endlich offiziell anerkannt sein

Lorange weiss, dass die Akzeptanz des Instituts nicht allein mit einem Neuauftritt zu erreichen ist: Dazu braucht es auch international anerkannte Akkreditierungen, welche die GSBA bislang nicht hat. Deswegen werde er 2010 den Prozess für die Aufnahme in die amerikanische Association to Advance Collegiate Schools of Business (AACSB) starten. Für das Gütesiegel European Quality Improvement System (EQUIS) seien die ersten Schritte schon eingeleitet.

Lorange wünscht sich auf seinem Campus am Zürichsee mehr internationale Studenten. Dabei denkt er besonders an den nordeuropäischen Markt sowie an Deutschland. Aber auch China und Indien seien ein Thema. Mit der Bejing NEDP Culture Intercommunication habe er bereits Kontakt aufgenommen. Lorange erwägt aber auch den Kauf einer chinesischen Business School.

Die berufsbegleitenden Master of Business Administration (MBA) erfahren grundlegende Veränderungen: Den vor einem Jahr pompös lancierten World Executive MBA wird es nicht mehr geben; dagegen bleibt der gewöhnliche Executive MBA (EMBA) im Angebot. Die Aufnahmebedingungen werden gemäss Lorange verschärft, die Qualität soll auf höchstem Niveau sein, Vorlesungen finden ausschliesslich in Englisch statt. Für die Validierung dieser Kurse arbeitet er weiter mit der University of Wales zusammen, weil die einstige GSBA keinen Hochschulstatus hatte. Das Konzept der Living Cases (Praxisbeispiele) bleibt bestehen.

Die Bachelorstudiengänge BSc und BBA sowie der Betriebsökonomstudiengang BOEK werden indes nicht weitergeführt, sondern durch ein neues Angebot mit dem Abschluss Certificate of Advanced Studies (CAS) ersetzt. Festgehal-ten wird an fünf Angeboten in verschiedenen Spezialisierungen zum Master of Science (MSc): Business Administration, Finance, Logistics, Marketing und HR Management.

Brush-ups für Manager anbieten

Daneben soll es 22 neue Brushup-Kurse geben. Dabei denkt Lorange an Vorträge von Spezialisten. Ein Zwei-Tage-Seminar könne sich nämlich auch ein vielbeschäftigter Manager leisten, an dem er mit jungen Masterstudenten zusammentreffe und anschliessend die Erfahrungen schnell in den Job implementieren könne. «Und unsere Alumni sind begeistert, dass sie jetzt von einem Upgrading profitieren können», sagt Lorange.

Er betont, dass es sich beim Lorange Institute of Business Zurich um eine Privatschule han-deln wird, dank der das Gelernte rasch umgesetzt wird: «Das ist real life.»

 

NACHGEFRAGT
«Loranges Aktivitäten beeinflussen IMD nicht»

John R. Wells, Präsident des IMD in Lausanne, zur Übernahme und Neuausrichtung der GSBA durch seinen Vorgänger Peter Lorange.

Was halten Sie vom Kauf der GSBA durch Ihren Vorgänger?

John R. Wells: Wir wünschen Peter Lorange nichts anderes als viel Erfolg und Glück bei all seinen Unternehmungen. Natürlich ist es nicht unsere Absicht, ihm in seinen persönlichen Geschäftsplänen Grenzen zu setzen oder sie gar zu kontrollieren.

Welches sind die Verdienste von Peter Lorange um das IMD in Lausanne?

Wells: Er hat eine wesentliche Rolle für den Erfolg gespielt. Das Institut entstand 1990 aus einem Merger zwischen der von Alcan Aluminium gegründeten IMI und der von Nestlé ins Leben gerufenen IMEDE. Peter Lorange wurde 1993 Präsident des IMD. Als eine Folge des Mergers war das damals ein sehr kritischer Zeitpunkt. Während 15 Jahren setzte Lorange alles daran, die beiden Fakultäten zu vereinen und zu der Institution zu machen, die sie heute ist: Eine der führenden Business Schools der Welt.

Welche Rolle spielt Peter Lorange am IMD eigentlich heute noch?

Wells: Er geht Ende dieses Jahres offiziell in den Ruhestand. Er wird jedoch ein emeritiertes Fakultätsmitglied des IMD bleiben.

Inwiefern tangiert die Neuausrichtung der GSBA Ihre Aktivitäten am IMD?

Wells: Die GSBA ist mit unterschiedlichen Programmen und Zielgruppen eine völlig andere Business School als das IMD. Unser Institut ist ein idealer und gefragter Ort für Fakultätsmitglieder. Die Partnerschaften mit führenden Global Players machen uns ebenfalls attraktiv. Unser Belohnungssystem wurde soeben von der amerikanischen AACSB aufgrund der erfolgsbasierten Entschädigung als einzigartig überlegen eingestuft. Ich sehe daher keinen Einfluss von Loranges Aktivitäten auf unsere Schule.