Eine weitere Strukturbereinigung ist in unserer Branche unumgänglich», erklärt Thomas Gsponer, Direktor des Arbeitgeber- und Unternehmerverbandes der grafischen Industrie Viscom. Dabei machen seit Jahren schon Übernahmen, Fusionen und Schliessungen Schlagzeilen. Oft trifft es Kleine, wie etwa die Druckerei Richterswil. Sie ist vor einem halben Jahr von der nicht viel grösseren Theiler Druck AG in Wollerau SZ, Herausgeberin des «Höfner Volksblatts» und des «March Anzeiger», übernommen worden. Oder es kommt zu Elefantenhochzeiten wie im letzten Jahr, als Tamedia die Espace Media geschluckt hat. Resultat dieses Deals ist die grösste Zeitungsdruckerei der Schweiz.

«Früher galt die Faustregel, dass eine rentable Anlage pro Nacht mindestens 100000 Exemplare drucken muss; heute produzieren wir an zwei Standorten auf acht Anlagen pro Nacht 1,5 Mio Zeitungen», skizziert der bei der Tamedia für dieses Geschäft verantwortliche Urs Schweizer die Entwicklung. Um die teuren Maschinen auszulasten, druckt die Tamedia auch Medien für andere Verlage, zum Beispiel die «Handelszeitung» für Axel Springer.

«Wachstum ist nur noch über Akquisitionen möglich», betont Schweizer. Er spricht von einer negativen Preisspirale aufgrund von Überkapazitäten, die durch grosse Investitionen und Rationalisierungen geschaffen wurden. Folglich werde sich die Anbieterstruktur in den nächsten Jahren nochmals wesentlich verändern.

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Ein Fusionsprodukt ist auch die 2005 gegründete Swiss Printers AG. Sie gehört den Medienhäusern Ringier, NZZ und Edipresse. Mit einem Umsatz von 370 Mio Fr. und 1200 Mitarbeitenden gilt sie als leistungsfähigstes Druckereiunternehmen in der Schweiz. Statt auf Spezialisierung setzt es auf Vollservice. «Unser Sortiment reicht vom digital gedruckten Einzelexemplar bis zu Zeitschriften, Katalogen, Finanz- und Werbedrucksachen in unterschiedlichsten Auflagen», sagt CEO Rudolf Lisibach. Dank seiner Grösse kann Swiss Printers Digital-, Bogenoffset-, Rollenoffset- und Tiefdruck anbieten. «Bei uns heisst es nicht entweder oder, sondern es geht uns um intelligentes und gut abgestimmtes Sowohl-als-auch», umschreibt Lisibach die Strategie.

Rationalisierung ausgeschöpft

Während Tamedia und Swiss Printers um die Zukunft nicht zu bangen brauchen, dürfte der Spielraum für viele mittlere und kleinere Druckereien noch enger werden. Das Auftragsvolumen wird wegen der wachsenden Konkurrenz durch den Online-Print und auch wegen der zunehmenden Auslagerung ins Ausland weiter schrumpfen. Gleichzeitig tendieren die Kosten weiter nach oben, weil Papier, Energie und Transport teurer werden. «Die Möglichkeit, die Teuerung mittels Rationalisierung aufzufangen, hat die Branche weitgehend ausgeschöpft; also kommt sie jetzt um Preiserhöhungen von 5 bis 8% nicht herum», rechnet Gsponer vor. Ob sich dies allerdings umsetzen lässt, ist wegen der bereits angesprochenen Überkapazitäten zu bezweifeln.

KMU spezialisieren sich

Trotz der negativen Tendenzen gibt es aber auch Hoffnung. Dies beweisen verschiedene KMU, die sich auf bestimmte Segmente spezialisiert haben. Hessdruck in Märstetten im Kanton Thurgau zum Beispiel wuchs in den vergangenen drei Jahren jeweils um 6 bis 9%. «In diesem Tempo dürfte es auch in Zukunft weitergehen», erklärt Firmenchef Jürg Hess. Er setzt mit seinen 70 Mitarbeitenden über 20 Mio Fr. um. Das Unternehmen verdankt den Erfolg einem starken Exportgeschäft, wobei man auf höchste Schweizer Qualität setzt.

Behaupten können sich aber auch klassische Kleinbetriebe, wenn sie alles richtig machen. Die Druckerei Franz Kälin in Einsiedeln SZ etwa steigerte sich in den letzten Jahren kontinuierlich um jeweils 3 bis 5%. Das Unternehmen mit 12 Vollzeitstellen und einem Umsatz von 3,5 Mio Fr. floriert offensichtlich, auch wenn Firmenchef Gerhard Kälin ebenfalls den Preisdruck beklagt: «Um den gleichen Umsatz zu erzielen, müssen wir heute im Vergleich zu früher deutlich mehr leisten.»

Ob Hessdruck und Franz Kälin eher Ausnahmen sind, wird die Zukunft zeigen. Denn im Moment halten sich zahlreiche Druckereien dank der robusten Konjunktur noch über Wasser, aber bei der nächsten Abschwächung dürfte es für viele ernst werden. «Wer nur gängige Massenware liefert, wird in Schwierigkeiten geraten. Überlebensnotwendig sind innovative Ideen und eine optimale Rationalisierung, zu der auch die Integration sämtlicher elektronischer Schritte gehört», betont Viscom-Direktor Gsponer.

Er wünscht sich, auch im Hinblick auf eine bessere internationale Konkurrenzfähigkeit, mehr Flexibilität. Die Arbeitgeber ärgern sich über die 100%-Zuschläge für Nachtarbeit. «Damit liegen wir völlig quer in der ökonomischen Landschaft; keine andere Branche in der Schweiz kennt solche Zuschläge für ihre Beschäftigten.»

 

NACHGEFRAGT
«Unsere Mitbewerber sind  nicht nur Druckereien»

Peter Stämpfli, Co-Geschäftsführer der Stämpfli Publikationen AG, über die Chancen der Druckindustrie.

Ist ein drastischer Schrumpfungsprozess in der Druckereiindustrie unvermeidlich?

Peter Stämpfli: Die grafische Industrie hat zwischen 1995 und 2005 die Zahl der Beschäftigten um 25% reduziert. Der Schrumpfungsprozess, der also bereits seit Jahren im Gang ist, wird auch in Zukunft unvermindert weitergehen. Nicht in grossen Sprüngen, aber konstant.

Ein Sterben in Raten also?

Stämpfli: Jein! Zwar werden traditionelle Druckereien auf lange Sicht kaum mehr überleben. Dafür entstehen aber neue Chancen mit cross-medialen Produkten ? gedruckt und elektronisch inhaltlich kombiniert ?, Prozessverbesserungen, Publikationssystemen und dem Aufbau und der Pflege professioneller Inhalte.

Mit welchem Rezept behauptet sich ein Unternehmen wie die Stämpfli Publikationen AG auf dem Druckereimarkt?

Stämpfli: Unser Markt sind Publikationen, wobei darunter nicht nur klassische Drucksachen fallen. Unter Publikationen verstehen wir vielmehr Texte, Bilder und Grafiken, die gedruckt oder elektronisch im Internet oder auf CD dargestellt werden können. Unsere Mitbewerber sind folglich nicht nur Druckereien, sondern ebenso Redaktionsdienstleister, Internetfirmen, Systemintegratoren und so weiter.

Und wie setzt sich Stämpfli gegen diese Mitbewerber durch?

Stämpfli: Wir bündeln Leistungen ? vom Konzept über die Herstellung bis zum Vertrieb. Wir optimieren für unsere Kunden den gesamten Publikationsprozess und setzen dafür eigene Publikationssysteme ein; auf diesem Gebiet sind wir in der Schweiz Marktführer.