Roche-CEO Severin Schwan zieht sich aus dem Verwaltungsrat der Credit Suisse zurück, wie die Grossbank heute bekannt gibt. Schwan sass seit 2014 im Verwaltungsrat, seit 2017 als Vizepräsident.

Der Schritt kommt nicht überraschend, musste sich Schwan zuletzt doch zunehmend Kritik anhören. Schon seit seiner Nominierung gab es Stimmen, die sich fragten, ob ein Roche-Chef genug Kapazitäten für ein solches Amt habe, zumal in der Bankenbranche nicht verhaftet.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Auch die zuletzt nicht immer glücklichen Personalentscheide bei der Credit Suisse muss sich Schwan – zumindest teilweise – anrechnen lassen. Lange entschied Urs Rohner als Präsident im CS-Verwaltungsrat, wohin die Reise ging. Doch als Vizepräsident und Lead Director war Schwan mitverantwortlich, erst recht seit dem Abgang von Rohner. Welche Rolle spielten die beiden beim Hickhack zwischen dem damaligen CEO Tidjane Thiam und dem inzwischen zur UBS abgewanderten Iqbal Khan? Warum misslang das Präsidium von Rohner-Nachfolger António Horta-Osório, der die Bank nach weniger als einem Jahr wieder verliess? 

Einst verfilzt, heute international

Nicht erst mit dem Abgang von Schwan verschärft sich bei der CS ein Problem, mit dem man gerade bei dieser Bank lange nicht gerechnet hatte. Aus der Zürcher Grossbank, die sich oft – und zurecht – den Vorwurf gefallen lassen musste, im Verwaltungsrat Beziehungen über Qualifikationen zu setzen, wurde ein Unternehmen, dem je länger, je mehr die Schweizer Vernetzung im Aufsichtsgremium fehlt. Und damit mutmasslich auch die Schweizer Bodenhaftung.

Verstärkt wird dies von den Namen, die von der Bank auf die kommende Generalversammlung hin nominiert werden. Alles ausgewiesene Wissenschaftler oder Bankfachleute, aber wenig Swissness. Keyu Jin ist Professorin an der London School of Economics und Amanda Norton war zuletzt Risikochefin bei Wells Fargo. Mirko Bianchi ist zwar Schweizer Bürger, hat aber seine Karriere ausschliesslich im Ausland verbracht. Erst bei Investmentbanken in New York, dann bei der italienischen Unicredit.

Im Verwaltungsrat der CS sitzen kaum noch Schweizerinnen oder Schweizer, und erst recht kaum Banker mit Schweizer Pass. Fast wie ein Solitär steht Ex-UBS-Banker Axel Lehmann an der Spitze des Gremiums. Ob Zufall oder bewusstes Kalkül: Damit macht er sich als Lokalvertreter zunehmend unentbehrlich – und das ist nicht gut. Schon Vor-Vorgänger Rohner hielt sich so lange an der Spitze der Bank. Neben Lehmann steht künftig fast nur noch der designierte Vizepräsident und Pictet-Banker Christian Gellerstad fürs Swiss Banking.

Eine globale Perspektive ist wichtig, aber nicht alles

Es geht hier nicht um Heimatschutz. Ja, die CS ist eine global agierende Bank und muss einen entsprechend weiten Horizont pflegen. Wer in Asien wachsen und Risiken in den USA abschätzen will, kann das nicht wie früher mit einem Schweizer FDP-Verwaltungsrat tun. Da ist internationale Vernetzung Pflicht.

Gleichzeitig ist die CS eine in der Schweiz systemrelevante Bank, die gerade auch bei Corona eine entscheidende Rolle spielte. Sie ist hochgradig abhängig von hiesiger Politik und Regulierung. Gerade die Patzer von Horta-Osório, der sich nicht an die Schweizer Corona-Regeln halten wollte – was letztlich seinen Abgang auslöste – zeigen, dass im Verwaltungsrat zuletzt eher zu wenig als zu viel Schweiz-Bewusstsein vorhanden war. Mit Schwans Abgang verschärft sich dies noch.

Das «Suisse» im Namen der Bank sollte sich im 13-köpfigen Verwaltungsrat nicht bloss auf ein oder zwei Mitglieder beziehen. Sonst wird die strukturelle Abhängigkeit von diesen Personen zu gross.