Financier Martin Ebner beteiligt sich über die BZ Bank und sein privates Investitionsvehikel Patinex am Zürcher Softwareanbieter Additiv. Das Transaktionsvolumen beträgt 21 Millionen Franken. Additiv arbeitet an der Digitalisierung der Finanzindustrie und gehört nach eigenen Angaben zu den Weltmarktführern im Bereich der Robo Advisors.

Die BZ Bank handle bei der Beteiligung nicht auf eigene Rechnung, sondern für Kunden, so Sprecher Ralph Stadler. «Für uns ist die Beteiligung an Additiv finanzieller und nicht strategischer Natur.» Für Michael Stemmle, Chef des 1998 gegründeten Fintech-Unternehmens, ist der Einstieg von Ebner und Kunden seiner Bank ideal. «Für uns ist es das Beste, was passieren konnte», sagt Stemmle im Gespräch mit handelszeitung.ch. Die neuen Investoren hätten nicht nur das nötige Branchenwissen, sondern auch einen langfristigen Anlagehorizont und eine unternehmerische Herangehensweise.

Finanzindustrie im Umbruch

Tatsächlich war Ebner von Anfang an bei der Digitalisierung der Finanzindustrie dabei. Avaloq entstand als Spin-Off seiner BZ Gruppe und gehört heute mit mehr als 2000 Mitarbeitern zu den Grossen im Bereich der Bankensoftware. Erst 2001 wurde Avaloq aus der BZ Gruppe gelöst und vom Management übernommen. Bei Avaloq-Konkurrent Temenos in Genf sind Ebner und seine Frau über Patinex bis heute starke Minderheitsaktionäre.

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Mit dem Geld des ehemaligen Firmen-Raiders Ebner will Additiv grösser werden. Die bisherige Kapitalstruktur habe die Wachstumsstrategie massiv behindert, so Stemmle. «Wir haben als kleine Firma eine führende Position in den Bereichen Digitalisierung der Vermögensverwaltung und Robo Advisors erreicht. Die Ausgangslage ist hervorragend. Aber nur, wenn wir uns Investitionen leisten können.»

«Demokratisierung der Vermögensverwaltung»

Additiv sieht sich als «Katalysator für den Wandel» in der Bankenwelt. Digitalisierung bedeute nicht, dass eine Webseite schön und kundenfreundlich aussehe, so Stemmle. «Digitalisierung heisst, dass die ganzen Prozesse im Hintergrund automatisiert werden.» Die Banken stehen damit vor einem fundamentalen Umbruch.

Wenn die Grenzkosten bei der Vermögensverwaltung durch die Automatisierung gegen Null tendieren, können völlig neue Kunden angesprochen werden. Stemmle spricht gar von einer «Demokratisierung der Vermögensverwaltung». «Wir können heute Lösungen, die eigentlich für institutionelle Anleger gedacht waren, auch Bankkunden anbieten, die nur 50 Franken im Monat sparen können.»

Viele Bankenjobs in Gefahr

Auf der anderen Seite profitieren die Banken von geringeren Personalkosten. Das ist wichtig, weil die Margen immer stärker unter Druck geraten sind. «Ökonomisch schafft die Digitalisierung eine Win-Win-Situation für Kunden und Banken», sagt Stemmle.

Weniger schön ist die Situation hingegen für die Angestellten im Sektor. Dort werden in den nächsten Jahren  viele Jobs verloren gehen. «In gewissen Bereichen einer Bank lassen sich mit dem heutigen Stand der Technik mindestens die Hälfte der Belegschaft einsparen – und dies ist erst der Anfang», prophezeit Stemmle.

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Tiefer Fall und neuerlicher Aufstieg

Investor Ebner galt Ende der 1990er-Jahre als Inbegriff eines aktiven Aktionärs. Mit Beteiligungen an Grosskonzernen wie ABB, Credit Suisse und SBG (heute UBS) gehörte er zu den wichtigsten und reichsten Persönlichkeiten der Schweizer Wirtschaft. Doch das Platzen der Internetblase vernichtete einen Grossteil seines Vermögens.

Der ehemalige Starinvestor zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und arbeitete im Hintergrund an seinem Comeback. In den letzten Jahren hat Ebner wieder namhafte Beteiligungen aufgebaut. 2016 schätzte die «Bilanz» sein Vermögen auf 2,75 Milliarden Franken. Vor der Krise, die ihn auch persönlich ruinierte, wurde es auf 4 bis 5 Milliarden Franken geschätzt.

Erfolgreich mit Temenos-Beteiligung

Statt in Grossbanken investiert Ebner heute lieber in die Technologie, welche die Branche auf den Kopf stellen soll. Bei Temenos hat sich dies zuletzt ausgezahlt: Die Aktien der Genfer legten in den letzen zwölf Monaten um 68 Prozent zu.

Die BZ Bank bestätigt den Einstieg bei Additiv. Bankensoftware sei ein interessantes Gebiet mit Zukunftschancen, sagt Sprecher Stadler. «Zudem passt Additiv in unser Universum, weil wir bereits viel Know-how im Bereich IT aufgebaut haben.»

Ebners neues Imperium

Über seine privaten Investitionsvehikel Anna Holding und Patinex hält Ebner laut Teledata Anteile an weiteren Unternehmen. Die BZ Bank Aktiengesellschaft kontrolliert er mit 66 Prozent der Aktien und die Fluggesellschaft Helvetic Airways ist zu 100 Prozent in seinem Besitz.

Dazu kommen starke Minderheitsbeteiligungen am Softwarehersteller Myriad (33 Prozent), an der Immobilienagentur Intershop Holding (33 Prozent) und dem Optiker Eyezone (30 Prozent). Zudem ist Ebner substanziell an der kürzlich aufgespalteten Galenica beteiligt.

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Kleinere Anteile hält Ebner an der Beteiligungsgesellschaft BV Holding (7 Prozent), sowie an Alpiq und Centralschweizerische Kraftwerke (jeweils 3 Prozent). Dazu kommt eine nicht bezifferte Beteiligung am Biotech-Unternehmen Novimmune.