CIO steht auf den Organigrammen von Unternehmen für Chief Information Officer, den Leiter der Konzerninformatik.

CIO bedeutet gemäss Kritikern wie Chris Anderson, Autor des Buches «The long tail», jedoch: «Career is over.» Sie sind Kostensparer, die unter dem Druck der übrigen Geschäftsleitungsmitglieder seit dem Platzen der Dotcom-Blase vor zehn Jahren die Ausgaben der IT möglichst niedrig halten mussten - und dabei ständig noch mehr leisten sollen. «Anstelle der Innovatoren bei Technologie wurden sie in den Geschäftsführungen bedeutungslos, allenfalls als Kostenstelle wahrgenommen und weniger als Profitzentrum», beschreibt Anderson die Entwicklung.

Durchaus intakte Aufstiegschancen

«Tatsächlich haben CIO oft einen schwierigen Stand, wenn sie den Nutzen der IT als möglichen wichtigen Faktor und Vorteil im Wettbewerb erklären müssen», sagt der US-Informatik-Experte Simon Brocklehurst, «und selbst wenn sie das gemacht hatten, kam das oft nicht verständlich rüber.» Für CIO bedeutete dieser Job dann tatsächlich das Ende der Karriere.

Randy Mott, CIO bei HP, dem grössten IT-Konzern der Welt, und zuständig für ein Budget von 2 Milliarden Dollar, widerspricht: «Es geht immer um die Infrastruktur, die dahinter steht, und wir bieten auch Infrastrukturdienste für unsere Kunden.» Gleichzeitig setzt er neben Konsolidierung stark auf den Einsatz neuer Technologien wie Virtualisierung. «Aber meine Rolle verändert sich dadurch nicht.»

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Auch Alfred Breu, Präsident der Zürcher Lehrmeistervereinigung Informatik, sieht für CIO zahlreiche Möglichkeiten. «Diese Aufgabe bedeutet, dass man auch für die Weiterentwicklung des Unternehmens und seiner Produkte mitverantwortlich ist - es ist eine der spannendsten Aufgaben überhaupt.» Der CIO und seine Manager seien «Betreiber des Heute und Forscher und Entwickler für morgen.» Das betreffe sämtliche Lebensbereiche: Die Software für die neue Kaffeemaschine, das neue Verkehrsleitsystem oder den neuen Quantensprung für den Reiseveranstalter. «Aktive CIO haben auch schon Bankenprodukte entwickelt oder das ganze Portfolio-Management, worauf heute die Kunden nicht mehr verzichten möchten.» Beispiele sind Online-Banking-Funktionen, bei denen Datenbanken komplex untereinander verbunden werden, etwa für die Berechnung von Szenarien beim Kauf von Derivaten. «Auf diese Weise kennt ein CIO die Facetten seines Betriebs so gut, dass er auch für die operative Führung oder den Einsitz in Verwaltungsräte geeignet ist.»

Gemäss Breu gibt es für CIO mehrere Wege, sich beruflich weiterzuentwickeln. «Eine Variante ist die Übernahme ständig grösserer Einheiten.» Beispielsweise durch den Wechsel von einem Betrieb in einen anderen mit deutlich anspruchsvolleren Aufgaben. Eine weitere Variante ist der Wechsel in die Geschäftsführung oder den Verwaltungsrat.

Ein prominentes Beispiel ist Martin Strobel, der Vorsitzende der Konzernleitung der Bâloise Group. Vor seinem Aufstieg in die Konzernleitung hatte er die Informatik der Basler Schweiz geleitet. Ein weiteres Beispiel ist Patrik Gisel, der in der Geschäftsleitung von Raiffeisen sitzt. Er war zuvor in der Informatik der UBS als Abteilungs- und Ressortleiter aufgestiegen.

«Klagt ein CIO, ‹career is over›, empfehle ich ihm, nicht einfach Verwalter zu sein, sondern CIO im Bereich Forschung und Entwicklung zu werden - dann öffnen sich seine Perspektiven», so Breu. Der CIO sei nämlich für den ganzen Betrieb da - und nicht nur für die Leitung der IT.